Altersvorsorge: Hohe Cash-Quoten kosten Rendite

26.08.2026

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Viele Deutsche wollen für das Alter vorsorgen, doch zwischen Sparwillen und langfristigem Vermögensaufbau klafft häufig eine deutliche Lücke. Das zeigt die globale „Be Invested“-Studie 2026 von Fidelity International. Vor allem hohe Cash-Bestände, eine defensive Portfolioausrichtung und fehlende Orientierung stehen den Renditezielen vieler Anleger entgegen. Für Finanzberater und Vermittler eröffnet sich daraus erhebliches Beratungspotenzial.

Für die Studie wurden weltweit 13.000 Anleger befragt, davon 1.000 in Deutschland. Altersvorsorge zählt demnach zu den wichtigsten finanziellen Zielen. Gleichzeitig offenbart sich ein Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Deutsche Anleger erwarten im Durchschnitt eine jährliche Rendite von 6,7 Prozent, halten aber rund 34 Prozent ihres Investmentvermögens in Cash.

Langfristig kann diese hohe Liquiditätsquote den Vermögensaufbau erheblich bremsen. Berechnungen von Fidelity zufolge könnte ein vollständig in Cash gehaltenes Portfolio langfristig lediglich rund 2,1 Prozent Rendite pro Jahr erzielen. Für ein ausgewogenes Portfolio aus 60 Prozent globalen Aktien und 40 Prozent globalen Anleihen werden dagegen rund 5,1 Prozent angenommen. Dabei handelt es sich um Modellannahmen und nicht um garantierte zukünftige Erträge.

Die Gründe für die hohen Cash-Bestände sind unterschiedlich. 44 Prozent der Befragten betrachten das Geld als Notreserve, 18 Prozent benötigen es voraussichtlich kurzfristig. Weitere 12 Prozent fürchten mögliche Anlageverluste. Sieben Prozent warten auf vermeintlich bessere Marktbedingungen für den Einstieg.

Sparen allein reicht für den Vermögensaufbau nicht

Gerade in Deutschland ist Sparen fest verankert, strategisches Investieren dagegen weniger. Nach den von Fidelity herangezogenen Daten legen rund 70 Prozent der Deutschen Geld zurück, aber nur etwa jeder Vierte verfolgt dabei eine konkrete Anlagestrategie.

Klassische Sparformen und hohe Liquiditätsbestände spielen weiterhin eine große Rolle. Neben der Cash-Quote rückt deshalb die Asset Allocation in den Fokus. Viele Anleger konzentrieren sich auf vertraute Märkte und Anlageformen. Eine breitere Diversifikation sowie eine stärkere internationale Ausrichtung können nach Einschätzung von Fidelity dazu beitragen, das Risiko-Rendite-Profil eines Portfolios zu verbessern.

Fehlende Orientierung wird zum Beratungsansatz

Bemerkenswert ist ein weiterer Befund der Studie: Das Problem scheint weniger im fehlenden Wissen als in der Umsetzung zu liegen. Viele Anleger kennen grundlegende Prinzipien wie langfristiges Investieren, Diversifikation und Durchhaltevermögen. Angesichts zahlreicher Anlageoptionen und zunehmender Komplexität fällt es ihnen jedoch schwer, daraus konkrete Entscheidungen abzuleiten. Dabei ist das grundsätzliche Vertrauen durchaus vorhanden: 65 Prozent der Befragten sind überzeugt, ihre finanziellen Ziele erreichen zu können. Entscheidend ist somit häufig nicht das „Ob“, sondern das „Wie“.

Potenzial für Berater

Genau hier können Finanzberater und Vermittler ansetzen. Statt sich ausschließlich auf einzelne Produkte zu konzentrieren, können sie Anleger dabei unterstützen, ihre Vermögensstruktur konsequent an den persönlichen Zielen auszurichten. Dazu gehört, überhöhte Cash-Quoten sichtbar zu machen, Risiken und Renditechancen verständlich einzuordnen und Portfolios sinnvoll zu diversifizieren. (mho)