Klimarisiken und Dividenden

18.08.2026

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Hitzewellen, Überschwemmungen und Wasserknappheit verteuern den Betrieb und zwingen viele Unternehmen zu zusätzlichen Investitionen. Eine neue internationale Studie kommt zu dem Ergebnis, dass stärker exponierte Unternehmen im Durchschnitt weniger ausschütten. Dividendenanleger müssen deshalb genauer prüfen, wie ein Geschäftsmodell die finanziellen Folgen physischer Klimarisiken auffängt.

Wer die Verlässlichkeit einer Dividende beurteilt, beginnt mit dem freien Cashflow. Er muss die Ausschüttung finanzieren, ohne notwendige Investitionen zu verdrängen oder die Verschuldung spürbar zu erhöhen. Fällt eine Produktionsanlage wegen Hochwassers aus, verteuert Hitze die Kühlung oder fehlt Wasser für industrielle Prozesse, bleibt weniger Geld verfügbar. Hinzu kommen Ausgaben, mit denen Unternehmen ihre Standorte schützen und die Versorgung sichern.

Eine im Juli 2026 in der Zeitschrift „Research in International Business and Finance“ veröffentlichte Studie hat 3.213 börsennotierte Unternehmen aus 28 Ländern untersucht. Die Daten decken die Jahre 2002 bis 2020 ab. Unternehmen mit einer höheren Belastung durch Klimarisiken schütteten demnach signifikant weniger Dividenden aus. Nach Naturkatastrophen verstärkte sich der Effekt. Die Autoren führen das Ergebnis auf ein vorsichtigeres Finanzverhalten zurück. Steigt das Risiko künftiger Schäden, halten Unternehmen eher Liquidität zurück. Gleichzeitig nehmen die Schwankungen ihrer Aktienkurse zu, und Investoren verlangen einen höheren Ausgleich für das Risiko. Beides kann die Finanzierung verteuern. Selbst ein Unternehmen mit bislang stabilen Gewinnen kann dadurch weniger Spielraum für seine Dividende haben.

Der International Sustainability Standards Board hat sein Projekt zu naturbezogenen Angaben 2026 in die Standardsetzung überführt. Das Gremium arbeitet dabei ausdrücklich an Vorgaben zu physischen Risiken und standortbezogenen Informationen. Solche Angaben sollen Investoren helfen, Abhängigkeiten von Wasser, Böden und funktionierenden Ökosystemen besser zu beurteilen. Für die Dividendenanalyse sind sie relevant, sobald daraus künftige Kosten oder Einschränkungen im Betrieb entstehen können. Eine belastbare Ausschüttung setzt daher voraus, dass das Unternehmen seine Klimarisiken kennt und finanziell berücksichtigt. Rücklagen für Anpassungen mindern den kurzfristig verfügbaren Betrag, können jedoch spätere Schäden begrenzen.

Umgekehrt wirkt eine hohe Dividende wenig überzeugend, wenn Schutzinvestitionen aufgeschoben werden und die Bilanz bei einem größeren Schaden kaum Reserven bietet. Die Ausschüttungsquote muss deshalb im Zusammenhang mit dem künftigen Kapitalbedarf gelesen werden.

Wer ein nachhaltiges Dividendenportfolio zusammenstellt, muss deshalb auch prüfen, ob wichtige Standorte unter veränderten klimatischen Bedingungen zuverlässig arbeiten können. Bei anlagenintensiven Unternehmen sollte erkennbar sein, wie sie notwendige Anpassungen finanzieren. Wie umsichtig der Vorstand handelt, zeigt sich daran, ob Klimarisiken früh in die Investitionsplanung einfließen und die Dividende an dem verbleibenden Spielraum ausgerichtet wird. Klimarisiken führen nicht zwangsläufig zu sinkenden Dividenden. Unternehmen können Produktionsstätten anpassen oder ihre Lieferketten breiter aufstellen, benötigen dafür aber Kapital und Zeit. Überzeugend ist eine Ausschüttung dann, wenn das Unternehmen mögliche Belastungen konkret beziffert und nur den Betrag ausschüttet, der nach den erforderlichen Investitionen tatsächlich verfügbar bleibt. Dann zeigt sich, ob die Dividende auch nach einer Hitzewelle, einer Überschwemmung oder einer längeren Trockenperiode noch aus dem laufenden Geschäft finanziert werden kann.

Marktkommentar von Dyrk Vieten, Sprecher der Geschäftsführung der unabhängigen Vermögensverwaltung ficon Vermögensmanagement GmbH.