Bezahlbare Mobilität ist in Gefahr

28.09.2026

Foto: © Allianz

1.    Fahrzeugkonstruktion: Reparaturfreundlichkeit von Anfang an einplanen  

Moderne Fahrzeuge sind durch Konnektivität, Fahrerassistenzsysteme und neue Antriebstechnologien – insbesondere bei Elektrofahrzeugen – deutlich komplexer geworden. Tritt ein Schaden  auf, führt diese Komplexität oft zu umfangreicheren Reparaturen und höheren Kosten. Die RCAR- Forschungsinstitute fordern daher, dass das Crashverhalten optimiert und die Reparaturfähigkeit  bereits in einer frühen Phase der Fahrzeugentwicklung systematisch berücksichtigt wird. Die  RCAR-Crashtests bei niedrigen Geschwindigkeiten sind mittlerweile ein weltweit etablierter Standard zur Schadensminderung bei typischen Park- und Auffahrunfällen. Für Elektrofahrzeuge haben die RCAR-Institute zudem spezielle Prüfverfahren entwickelt, um Schäden am Unterboden  im Bereich der Hochvoltbatterien zu analysieren und zu verhindern. Im Rahmen des diesjährigen Konferenzprogramms werden die Teilnehmer das Batterielabor von CESVI México besuchen. Dies unterstreicht die fundierte Fachkompetenz der Institute im Umgang mit neuen Technologien.

2.    Fahrerassistenzsysteme: Großes Potenzial zur Reduzierung von Parkschäden

Schäden durch Park- und Manövriervorgänge machen nach wie vor einen erheblichen Anteil an den gesamten Schadenfällen aus. Automatische Notbremssysteme für Manöver im Nahbereich (Parking AEB) bieten hier erhebliches Potenzial: Ein flächendeckender Einsatz solcher Systeme könnte die Schadensfälle durch Kollisionen weltweit um bis zu 15 Prozent reduzieren. Einzelne  RCAR-Institute haben die Wirkung von Fahrerassistenzsystemen bereits anhand realer Schadendaten nachgewiesen. Im vergangenen Jahr stellte das Allianz Zentrum für Technik (AZT) fest, dass  66 Prozent aller Rückwärtsunfälle beim Einparken und Manövrieren durch entsprechende Notbremssysteme verhindert werden könnten. Untersuchungen des Insurance Institute for Highway  Safety (IIHS) ergaben, dass 78 Prozent dieser Unfälle verhindert wurden, wenn das Parking-AEB mit Rückfahrkameras und Parksensoren kombiniert wurde. Das IIHS stellte zudem fest, dass die  Schadenhäufigkeit bei Schäden am versicherten Fahrzeug um 9 Prozent und bei Schäden an anderen Fahrzeugen um 29 % sank. 

3.    Reparaturmethoden: Reparieren statt ersetzen

Mit zunehmender Komplexität der Fahrzeuge steigen auch die Anforderungen an Reparaturen, die sowohl technisch einwandfrei als auch wirtschaftlich effizient sind. Dies erfordert transparente  Reparaturinformationen, standardisierte Verfahren und hochqualifizierte Werkstätten. Die Forschungsinstitute der Versicherer betonen zudem die Bedeutung einer reparaturfreundlichen  Fahrzeugkonstruktion. Wo immer technisch machbar, sollte die Reparatur Vorrang vor dem Aus- tausch von Teilen haben. Darüber hinaus kann der Einsatz von recycelten Ersatzteilen und qualitätsgesicherten Aftermarket-Komponenten dazu beitragen, die Schadenkosten nachhaltig einzudämmen. 

Aufruf zum Handeln: Den Dialog mit der Automobilindustrie intensivieren

„Die Konferenz unterstreicht die zentrale Rolle der Kfz-Versicherungsforschung bei der Reduzierung und Vermeidung von Fahrzeugschäden. Dies kann jedoch nur durch einen konstruktiven Dialog mit den Automobilherstellern erreicht werden“, sagt Augusto Bagase, CEO von CESVI México  und Gastgeber der diesjährigen Konferenz. Auf der Konferenz wollen die RCAR-Mitglieder ihr Engagement für einen intensiveren Dialog mit der Automobilindustrie bekräftigen. „Internationale Zusammenarbeit und der Austausch  relevanter Forschungsergebnisse sind entscheidende Erfolgsfaktoren bei diesen Bemühungen. Indem RCAR Forschungsorganisationen aus aller Welt zusammenbringt, trägt die Organisation dazu bei, dass neue Herausforderungen in einem globalen Kontext und nicht isoliert betrachtet  werden. Unsere Institute verfolgen ein gemeinsames Ziel: Schäden zu reduzieren, die Reparatureffizienz zu verbessern und damit dazu beizutragen, dass Mobilität für Verbraucher langfristig  bezahlbar bleibt“, fasst Christoph Lauterwasser, Generalsekretär von RCAR, die Vision der Organisation zusammen. (mho) 

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