Chancen bei Unternehmensanleihen

22.04.2020

Patrick Vogel (li.) und Martha Metcalf (re.) / Foto: © Schroders

Im Zuge der aktuellen Coronavirus-Krise wurden Unternehmensanleihen zunächst wahllos abverkauft. Doch das könnte sich jetzt ändern: Mit dem Eintritt in eine neue Phase wird der Handel zunehmend selektiver, sagen die Schroders-Experten Patrick Vogel und Martha Metcalf. Für Anleger eröffnet dies wiederum Möglichkeiten.

„Die Märkte für Unternehmensanleihen haben einige schmerzhafte Wochen dessen durchgemacht, was wir als ‚Phase eins‘ der Reaktion auf die Covid-19-Krise bezeichnen: Wahlloser, panikartiger Ausverkauf und ein Einfrieren des Marktes. Die Liquidität war sehr gering, so dass es schwierig war, Anleihen zu kaufen oder zu verkaufen, und über einige Tage wurden keine neuen Anleihen ausgegeben.

Nur wenige Papiere wurden von dem Einbruch verschont, da die Investoren sich beeilten, aus dem Markt auszusteigen. Kaum beachtet wurde dabei, ob einige Unternehmen tatsächlich gut durch die Krise kommen dürften oder in einigen Fällen sogar profitieren könnten. Dass diese Sektoren ähnlich schmerzhafte Ausverkäufe erlitten haben wie andere, scheint nicht gerechtfertigt."

Ihre positive Einschätzung von Unternehmensanleihen begründen die beiden Schroders-Experten zudem mit zwei Aspekten:

Erstens haben sich die Credit-Spreads – also die Differenz zwischen der Rendite einer Unternehmensanleihe und der Rendite einer Staatsanleihe mit gleicher Laufzeit – selten so schnell ausgeweitet wie zuletzt. Das bedeutet: Investoren werden jetzt besser dafür vergütet, wenn sie das Risiko einer Kreditvergabe an Unternehmen eingehen.

Und zweitens haben Regierungen und Notenbanken offenbar ihre Lehren aus vergangenen Krisen gezogen und diesmal schnell und proaktiv auf die Situation reagiert. Daher halten Patrick Vogel und Martha Metcalf das Risiko eines Zusammenbruchs des Finanzsystems für gering.

„Dies markiert den Beginn der, wie wir meinen, ‚zweiten Phase‘, in der Kaufen und Verkaufen selektiver ist und die Gewinner klarer von den Verlierern getrennt werden. Phase zwei bringt interessante Möglichkeiten mit sich – insbesondere für Anleger, die in der Lage sind, zwischen den beiden Phasen zu unterscheiden.

Wenn wir in der Vergangenheit solche Ausgangsniveaus bei den Credit-Spreads hatten, lagen die Überrenditen auf dem Markt für Investment-Grade-Anleihen in den Folgejahren durchschnittlich zwischen 15 und 25 %. Und bei Hochzinsanleihen betrugen sie sogar zwischen 15 und 45 %. Für Anleger bieten daher Unternehmensanleihen ausgehend vom aktuellen Marktniveau eine interessante Möglichkeit, um außergewöhnliche Wertzuwächse zu erzielen." (ah)