Europäische Tourismuswerte gehen durch die Decke

29.06.2026

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Europäische Reise- und Freizeitwerte kommen bislang besser durch das Jahr als vergleichbare US-Aktien. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Trading- und Investmentplattform eToro.

Für die Untersuchung hat eToro einen Korb aus 30 börsennotierten „BEACH“-Aktien zusammengestellt – ein Akronym, das die fünf zentralen Säulen der Reisebranche abbildet: Bookings (Buchungsplattformen), Entertainment, Airlines, Cruises und Hotels. Das Ergebnis: Europäische Anbieter zeigen sich in einem schwierigen Marktumfeld widerstandsfähiger als ihre US-Konkurrenz. Seit Jahresbeginn verzeichnet die durchschnittliche europäische BEACH-Aktie ein Minus von lediglich 1 %, während US-BEACH-Aktien der Branche um 3 % nachgaben.

Einzelne Werte konnten sich der insgesamt verhaltenen Branchenentwicklung jedoch entziehen. Spitzenreiter ist die Online-Reisesuchmaschine Trivago mit einem Kursplus von 62 % seit Jahresbeginn. Auch der Kurs des spanischen Konzerns Meliá Hotels stieg um 41 %.

Maximilian Wienke, Marktanalyst bei eToro, ordnet die Ergebnisse ein: „Der BEACH-Sektor zeigte im Jahr 2026 eine außergewöhnlich starke Divergenz. Wer lediglich auf den Gesamtmarkt setzte, erzielte unterdurchschnittliche Ergebnisse. Der entscheidende Erfolgsfaktor war vielmehr die gezielte Auswahl einzelner Aktien. Besonders europäische Qualitätsunternehmen mit hoher Preissetzungsmacht sowie Plattform-Geschäftsmodelle, die sogar vom Sparzwang ihrer Kunden profitieren, gehörten zu den klaren Gewinnern.”

Hotels führen den Sektor an

Hotels haben sich auf beiden Seiten des Atlantiks als das stärkste Segment erwiesen. In den USA zählen Marriott (+24 %), Hyatt (+19 %) und Hilton (+17 %) in diesem Jahr zu den BEACH-Aktien mit der besten Performance. In Europa geben Meliá Hotels (+41 %) und die InterContinental Hotels Group (+15 %) den Ton an.

US-Fluggesellschaften ziehen an Europa vorbei

Bei Fluggesellschaften zeigen sich die regionalen Unterschiede besonders deutlich. Delta Air Lines legte 2026 bislang 11 % zu, Southwest Airlines bleibt unverändert. Sämtliche europäischen Fluggesellschaften im Korb notieren dagegen im Minus: Wizz Air verliert 24 %, Ryanair 20 %, EasyJet 7 % und Lufthansa 5 %.

Langfristig bleiben US-Reisewerte vorn

So gut Europa 2026 bislang abgeschnitten hat – über einen längeren Betrachtungszeitraum zeigt sich ein anderes Bild. Dann liefern US-amerikanische Titel die höheren Renditen. Mit einer durchschnittlichen Rendite von 15 % im vergangenen Jahr und von 57 % auf Fünfjahressicht lassen US-BEACH-Aktien ihre europäische Konkurrenz klar hinter sich. Diese verzeichneten über ein Jahr im Schnitt einen Verlust, über fünf Jahre zeigte sich kaum Bewegung. Die höchste Fünfjahresrendite aller untersuchten Aktien erzielte Royal Caribbean mit einem Plus von 195 %, gefolgt von Marriott (+168 %), Hilton (+166 %), Hyatt (+136 %) und IHG (+125 %).

Dazu Maximilian Wienke: „Die großen Hotelketten gehörten aufgrund ihrer Preissetzungsmacht und krisenresistenten Geschäftsmodelle in der Vergangenheit zu den attraktivsten langfristigen Investments im Tourismussektor. Europäische Fluggesellschaften waren dagegen selten etwas für schwache Nerven. Ihr Geschäft erwies sich immer wieder als besonders anfällig für externe Schocks wie geopolitische Krisen, Ölpreissprünge oder Streiks. Für das langfristige Fundament eines Tourismus-Portfolios war die Wall Street daher meist die erste Adresse. Europa lieferte dagegen vor allem Alpha durch die gezielte Auswahl einzelner Aktien.“

Reisewerte bleiben hinter dem Gesamtmarkt zurück

Auch wenn europäische BEACH-Aktien die US-Konkurrenz in diesem Jahr bislang hinter sich lassen konnten, hinken die Körbe beider Regionen ihren jeweiligen Referenzindizes hinterher. Über fünf Jahre kommt der S&P 500 auf ein Plus von 72 % und liegt damit deutlich vor dem US-BEACH-Korb mit 57 %. Der Stoxx 600 legte im selben Zeitraum um 36 % zu – die europäischen BEACH-Aktien dagegen nur um 1 %.

Maximilian Wienke: „Trotz des starken Reisebooms nach der Corona-Pandemie konnten europäische und US-amerikanische Tourismus-Aktien ihre jeweiligen Referenzindizes über einen Zeitraum von fünf Jahren nicht schlagen. Besonders europäische Werte hinkten dem Gesamtmarkt deutlich hinterher. Hauptgründe dafür sind die hohe Kapitalintensität der Branche, gestiegene Finanzierungskosten in der Hochzinsphase sowie regulatorische Belastungen, insbesondere bei europäischen Fluggesellschaften. Umso wichtiger wurde die gezielte Auswahl einzelner Aktien, während breit gestreute Investments in den Sektor häufig enttäuschten.“ (fw)