Bruch und Belastbarkeit
29.06.2026

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Ein globaler Wirtschaftsausblick, der von brüchigen Allianzen, fiskalischer Belastung und massiven KI-Investitionen geprägt ist, kann ganz unterschiedliche Entwicklungen nach sich ziehen – und diversifizierte, qualitativ hochwertige Anleihen- und Kreditstrategien belohnen.
Die Welt von heute befindet sich im Umbruch. Die Fragmentierung schlägt sich global in den Energiepreisen, den Lieferketten, den Wachstumsraten und den Anlagenrenditen nieder. Die Kosten der Selbstgefälligkeit sind enorm gestiegen. Anleger können sich nicht länger auf überholte Annahmen bezüglich Globalisierung, politischer Sicherheitsmechanismen und unterdrückter Volatilität verlassen.
Und doch wird in der Analyse der strukturellen Kräfte, die die Weltwirtschaft und die Märkte in den kommenden fünf Jahren prägen werden, eines deutlich: diese Welt hält nach wie vor reichlich Anlagechancen bereit.
Was daran liegt, dass der vor einigen Jahren zu beobachtende Generationswechsel bei den Anleiherenditen den Aufbau von resilienten und global diversifizierten Portfolios ermöglicht, die durch erstklassige Festzinsanlagen sowohl auf den öffentlichen als auch auf den privaten Märkten verankert sind.
Wichtige Entwicklungen Gesamtwirtschaft
- Ein Bruch, kein Übergang. Die Fragmentierung der Handels‑, Sicherheits- und Finanzbündnisse nimmt Fahrt auf. Der potenzielle Kurs der Weltwirtschaft ist von einem schmalen Spektrum plausibler Entwicklungen auf eine unsichere und breite Verteilung möglicher Szenarien übergegangen. Gleichwohl erwarten wir, dass der US-Dollar auf absehbare Zeit die dominierende Weltwährung bleibt.
- Die Belastbarkeit wird auf die Probe gestellt. Politik, Geopolitik und wirtschaftliche Sicherheitspolitik nehmen mittlerweile direkten Einfluss auf Wachstum und Inflation, was die Ungleichheit zwischen Ländern, Sektoren und Unternehmen verstärkt, anstatt lediglich die Markt- und die gesamtwirtschaftliche Volatilität zu erhöhen. Diese Kräfte dürften die Konjunkturstärke auf die Probe stellen, insbesondere mit Blick auf den begrenzten fiskalpolitischen Spielraum. Eine plötzliche US-Finanzkrise oder ein Verlust des Marktzugangs anderer bedeutender staatlicher Emittenten erwarten wir nicht. Wahrscheinlicher ist hingegen gelegentliche Volatilität, wenn die Märkte ihren Fokus zeitweise wieder auf die Tragfähigkeit der Schulden und die Glaubwürdigkeit der Fiskalpolitik richten.
- Hohe Extremrisiken – in beide Richtungen. Der Investitionsboom im KI-Bereich, die steigenden Verteidigungsausgaben und die Investitionen in die Energiesicherheit könnten die globalen Kapitalausgaben in den nächsten fünf Jahren um bis zu 14 Billionen Dollar erhöhen. Das Potenzial von KI, Löhne zu dämpfen und die Produktivität zu steigern, könnte zu einer starken disinflationären Kraft werden. Geopolitische Schocks und die Neuausrichtung der Lieferketten dürften jedoch Aufwärtsdruck auf die Preise ausüben. Mit anderen Worten: Auf beiden Seiten des Basisszenarios gibt es ein vielfältiges Spektrum potenzieller Entwicklungen (was sich in „hohen Extremrisiken“ niederschlägt). Wir sind der festen Überzeugung, dass die Zentralbanken alles Notwendige unternehmen werden, um die Inflationserwartungen in den nächsten fünf Jahren stabil zu halten.
Wichtige Schlussfolgerungen für die Vermögensanlage
- Der Kreditausfallzyklus manifestiert sich. Nach Jahren der mühelosen Ertragsgenerierung setzt sich der Ausfallzyklus wieder stärker durch, und wir rechnen mit deutlich höheren Verlusten bei bonitätsschwächeren Titeln wie fremdfinanzierten Krediten und privaten Direktkrediten. Darin sehen wir den Beginn eines langfristigen Trends, bei dem Qualität und Titelauswahl eine wichtigere Rolle spielen denn je zuvor. In dieser Phase des Zyklus kommt es immer häufiger zum Einsatz finanztechnischer Maßnahmen, die auf den Bonitätsbewertungen und der Liquidität basieren – insbesondere auf den privaten Märkten –, obwohl wir kein so hohes systemisches Risiko sehen wie in den Jahren 2005 und 2006. Vor diesem Hintergrund muten die Märkte für vermögensbasierte Finanzierungen (ABF) und börsennotierte Kreditprodukte verhältnismäßig attraktiv an. Wir glauben, dass im Zuge der Spannungen im Kreditbereich beträchtliche Gelegenheiten entstehen werden, Kapitallösungen für Kreditnehmer bereitzustellen.
- Der Renditevorteil ist nur noch aussichtsreicher geworden. Anleger können global diversifizierte, hochwertige Festzinsportfolios mit potenziellen Renditen von fünf bis sieben Prozent in Lokalwährung aufbauen – die mit den langfristigen Aktienrenditen konkurrieren und mit geringerer potenzieller Volatilität behaftet sind. Dank der hohen Anfangsrenditen kann das Zinseinkommen in den unterschiedlichsten Szenarien einen größeren Beitrag leisten und damit die Abhängigkeit von Kapitalgewinnen oder akkuraten Makroprognosen verringern.
- Anleihen können weiterhin zur Portfolio-Diversifikation beitragen, insbesondere in Abschwungphasen. Bei künftigen Konjunkturabschwüngen haben die Zentralbanken deutlich mehr Spielraum für Zinssenkungen als im Jahrzehnt vor der Pandemie – und werden ihn unserer Meinung nach auch nutzen. Ein aktiv verwaltetes Anleiheportfolio kann Anlegern Diversifikation und potenzielle Kapitalgewinne in künftigen Rezessionen bieten.
Fazit
In einer Welt nach dem Umbruch besteht der folgenschwerste Anlagefehler darin, Risiken einzugehen, wenn diese nicht angemessen kompensiert werden. Wir glauben, dass das aktuelle Renditeumfeld überzeugende Alternativen bietet.
Unseres Erachtens sind resiliente Portfolios heutzutage rund um liquide, qualitativ hochwertige Festzinsanlagen aufgebaut; mit einer Tendenz zu höherwertigen Krediten, einer breiten globalen Diversifikation und selektiven Engagements in Sachwerten und vermögensbasierten Finanzierungen. In den bevorstehenden fünf Jahren dürfte Disziplin wichtiger sein als Wagemut – und Resilienz wichtiger als Reichweite.
Autoren: Richard Clarida, Global Economic Advisor, und Andrew Balls, CIO Global Fixed Income, PIMCO

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