Das Gold liegt auf der Straße

07.07.2026

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Das Gold hat seit seinem Höchstkurs 5.620 US-Dollar um etwa 30 Prozent auf bis unter 4.000 US-Dollar reagiert. Trotz Iran-Krieg. Trotz Ukraine-Krieg und trotz aller Diskussionen um die Straße von Hormus. Sofort melden sich die „Gold-Gegner“ (die oft schon den letzten Anstieg verpasst haben), dass Gold nicht als „safe heaven“ an der Börse sein kann. Und viele zuletzt aufgesprungene Anleger folgen der Argumentation. Auch die Politik hat Interesse, dass die Edelmetallpreise nicht zu stark steigen. Schließlich würde das bedeuten, dass in dem Finanzmarkt irgendwas nicht stimmt.

Die Argumente scheinen nachvollziehbar, zumal Trump sich mit seinen Gold-Zöllen (zum Beispiel Indien) massiv in die Preisgestaltung „einmischt“. Allerdings wird der Goldpreis in den kommenden Monaten von der physischen Nachfrage bestimmt werden und nicht von den spekulativen Gold-Futures. Wie ich schon immer anführte, haben die Auflösungen der Derivate die Preise stark fallen lassen. Interesse haben vor allem die amerikanischen Großanleger, die ihre Short-Positionen in die Gewinnzone bringen wollen. Zudem hat die Fed den Zins unverändert belassen, statt ihn zu senken, worauf viele Spekulanten „gewettet“ hatten. Aber bei einem Wachstum von vier Prozent in Amerika, ist die Beibehaltung des Leitzinses von nur 3,5/ 3,75 Prozent eine eher offensive Vorgehensweise. Der US-Dollar hat darauf eine kleine Stärke entwickelt. Die Entscheidung der kurzdenkenden Anleger ist klar: Zinsen bleiben hoch, Dollar hoch, Wirtschaft läuft, also: Raus aus den (zinslosen) Edelmetallen und rein in die Industrieaktien.

Wer längerfristig denkt und den Tatsachen ins Auge blickt, bekommt ein total anderes Bild. Da sind hauptsächlich die immer maroder werdenden Staatsschulden. So sind die 10-jährigen Zinsen in den USA nach dem Fed-Beschluss noch immer bei etwa 4,4 Prozent. Da der durchschnittliche Kreditzins für die US-Schulden gemäß letztem Ausweis bei 3,3 Prozetn liegt, verteuert jede Prolongation von Altschulden diesen Durchschnittszins. Die US-Schulden dürften zur Jahresmitte die 40 Billionen erreicht haben. Höhere Schulden und höhere Zinsen werden dann auch zu einem höheren Kostenaufwand führen. Nach 1,2 Billionen in 2025 wird der Zinsaufwand in den Bereich 1,6 bis 1,8 Billionen ansteigen und wird damit bald größter Posten im US-Haushalt sein. Wenn der Markt diese Erkenntnis diskutiert, wird auch die US-Währung wieder schwächer werden.

Auf der anderen Seite dürfen wieder höhere Benzinpreise, höhere Schuldzinsen und steigende Inflation das Wirtschaftswachstum eher einschränken. Präsident Trump wird dann sehr wahrscheinlich die Fed gegen alle Vernunft vehement auffordern, die Zinsen zu senken, um die Wirtschaft zu unterstützen. Sollte Warsh dieser Forderung Folge leisten, wäre dies das „Halali“ für den Goldkurs. Vor allem dann, wenn der „kurze“ Zins fällt und der „lange“ Zins gleichzeitig steigt oder zumindest auf hohem Niveau verharrt.

Allerdings gibt es auch eine Hoffnung: Wenn ein Iranabkommen gelingt und die Benzinpreise nicht wieder steigen, könnte auch die Steigerungsrate der Inflation zum Stillstand kommen. Dann könnte sogar eine Zinssenkung der Fed Sinn machen, auch um den Zinsaufwand des Staates etwas einzugrenzen. Sinkende Zinsen dürften die USWährung schwächen und zusammen mit den fallenden Zinsen den Goldpreis stärken. Also gleich was passiert, der Goldpreis könnte von beiden Szenarien profitieren.

Präsident Trump gerät immer mehr in die Kritik. Warsh hat die Zinsen nicht gesenkt. Der Ukraine-Krieg geht weiter, Israel macht, was es will. Und für diese Vereinbarung mit dem Iran hätte die USA keinen Krieg führen müssen, der einen hohen dreistelligen Aufwand gekostet hat, aber auch das Leben vieler Menschen (auch US-Soldaten). Die Umfragen lassen für den November nichts Gutes für Trump verheißen.

Auch technisch gesehen spiegelt die aktuelle Konsolidierung nur das wider, was wir schon sehr oft gesehen haben: Eine kräftige Korrektur im Aufwärtstrend. Außerdem hat der Goldpreis den langfristigen Aufwärtstrend des Goldes gebrochen. Dies war in der Vergangenheit stets die letzte Gelegenheit seinen Goldbestand aufzustocken, um beim nächsten gravierenden Anstieg „dabei“ zu sein. Das Edelmetall ist bereits wieder überverkauft und die steuerlichen Verkäufe, um Verluste zu realisieren, sind auch vorbei. Und: Die „Bild“ hat Gold als Anlage infrage gestellt.

Goldaktien sind derzeit sehr preiswert. Die All-in-costs der Unternehmen liegen bei rund 2.000 US-Dollar. Die KGVs sind in den letzten Jahren trotz Goldpreisanstieg von über 30 auf unter 20 gefallen. Zum Beispiel fiel der Marktführer Newmont Corp. von 116 Euro im Januar 2026 auf bis zu 75 Euro (aktuell 85 Euro). Das KGV lag 2025 bei 16,21. Das Gegenbeispiel Nvidia hat nach kräftigem Gewinnschub noch immer 42,72. Vom Superhype SpaceX gar nicht zu sprechen, denn Gewinn kennt das Unternehmen noch nicht. Und die Emissionsgewinne sind weitestgehend bereits wieder aufgebraucht. Wer erst an der Börse gekauft hat, ist meist schon im Verlust. Ein Grund für solche Bewegungen ist, dass die Anleger immer jünger sind. Sie glauben mehr an KI oder SpaceX und zahlen dafür horrende Preise. In diesem Segment zahlt die Börse KGV´s die an die Internet-Blase zur Jahrhundertwende erinnert.

Es ist sehr wahrscheinlich eine gute Phase, um Gold und Goldminen aufzustocken. Kaufen und mit Geduld auf den nächsten Anstieg warten. Der kommt: Morgen oder in einem der nächsten Wochen. Bei Gold und Silber Produkten sollte man jene kaufen, die nach zwölf Monaten steuerfrei sind. Einzelwerte könnten u.a. sein Newmont, Barrick oder Wheaton bei Gold, Pan Am Silver, Hecla Mining und Coeur Mining für Silberaktien oder Konwave Gold, DWS Gold oder BGF Gold für Anleger, die mit Fonds den Edelmetallanteil abdecken wollen. Hier gilt zu bemerken, dass Anlagen in Silber volatiler sind als Goldinvestments. Nach wie vor sollte der Vermögensanteil der Edelmetalle 15 bis 20 Prozent betragen.

Marktkommentar von Rolf Ehlhardt, Vermögensverwalter, I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH.