Die Börsen im Windschatten von Trump
07.04.2026

Foto: KI/fw
Selten hat ein Mensch die Börsen so beeinflusst wie Donald Trump. Jede Äußerung wird gedeutet und an der Börse umgesetzt. Vielleicht ist er inzwischen zum meist gehassten Mann in der Welt geworden. Jetzt hat er mit dem Angriff auf den Iran den nächsten selbstherrlichen Willen umgesetzt. Ohne Rücksicht auf die Verbündeten und wundert sich auch noch, dass ihm an der Straße vor Hormus keiner helfen will.
Beim ersten Hingucken hat sich relativ wenig geändert. Der bisherige Führer Ali Khamenei wurde getötet. Der Nachfolger ist sein Sohn, der bereits vorher die Fäden gezogen hat. Auch im Land selbst ist alles wie zuvor. Jedem noch so primitiven Politiker müsste klar gewesen sein, dass die Iraner die Straße von Hormus sperren. Auch die Folge davon ist logisch: Die Ölpreise steigen und belasten so die Wirtschaft. Wie konnte Trump diese Folgen nicht vorhersehen?
Daraus ergibt sich eine provokative Frage: War diese Entwicklung gewünscht? Nachdem die Zölle dem „America first“ nicht übermäßig geholfen haben, ist eventuell die Strategie entstanden: Wenn wir nicht stärker werden, müssen wir die anderen schwächen. Der höhere Ölpreis könnte Mittel zum Zweck werden. Während die USA beim Öl autark sind, importieren China und Indien über 50 Prozent über die gesperrte Meerenge, die Europäer etwa 20 Prozent. Sollte die Vorgehensweise wirklich so geplant gewesen sein, wäre das skrupellos. Auf jeden Fall gilt dann der Ausspruch: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr. Vielleicht will der Iran dies verhindern und öffnet für „Nichtfeinde“ den Seeweg. Schließlich liegen hunderte von Schiffen dort fest. Aber die Ölpreise steigen auch in den USA, so dass Trump immer mehr unter Druck gerät. Die Proteste nehmen zu. Die Umfragewerte fallen.
Ein zusätzliches Problem sind die beschädigten Ölanlagen, die sicher nicht sofort repariert sind, so dass die geförderten Mengen noch wochen- und monatelang fehlen werden. Hinzu kommt noch, da kein Abtransport mehr erfolgt, sind die Lager mittlerweile prall voll, und deshalb die ersten Förderanlagen abgestellt werden mussten. Die Wiederaufnahme der Förderung benötigt aber Tage oder Wochen.
Wie werden die Aktienmärkte reagieren. Das ist mit Trump unprognostizierbar. Steigt das Öl weiter, sind weitere Kursrückschläge bei Aktien kaum zu vermeiden. Zusätzlich belasten die gestiegenen Zinsen das zurechenbare KGV der Aktien. Geht das Öl wieder zurück, könnte eine Erleichterungsrallye einsetzen. Ein Grund für den kräftigen Rückgang der Aktien aus allen Branchen war sicher auch die von mir immer wieder kritisierte niedrige Cash-Quote. Da wurde erst einmal Querbeet verkauft, um Liquidität zu schaffen.
Meine Bauchschmerzen entstanden nicht nur wegen des Ölpreisanstiegs, sondern auch wegen dem Anziehen der Zinsen. Im Euro überstieg der zehnjährige Zins die drei Prozent Marke, in den USA wurde die 4,5 Prozent getestet. Das trifft auch die USA hart.
Bleibt der Zins so hoch, würde deren Zinsaufwand in Zukunft auf 1,8 Bill. Dollar (derzeit 1,2 Bill.) steigern. Die höheren Zinsen belasten die Wirtschaft ähnlich wie der derzeit hohe Ölpreis. Beides sind Kosten und dürften peu à peu in höhere Preise münden. Wir werden bei der Steigerungsrate der Inflation recht bald wieder die drei vorm Komma sehen. Diese ist im März bereits auf 2,7 Prozent gestiegen. Dies sollten die Notenbanken davon abhalten, die ach so sehnlich herbeigesehnten Zinssenkungen umzusetzen. Dann wird der Konsum eher zurückgehen, so dass insgesamt eine Rezession eintreten könnte, die sich die Welt aber nicht mehr leisten kann. Zu hoch sind die Schuldenberge. Entscheiden sich die Notenbanken aufgrund der schwachen Wirtschaft doch zu Zinssenkungen, sind kräftige Kaufkraftverluste vorprogrammiert.
Es wird immer wieder die Frage gestellt, warum auch die Edelmetallpreise gefallen sind. Zum einen wurden alle Branchen verkauft und zum anderen sitzen viele Anleger auf hohen Gewinnen bei Gold und Silber, die mit eventuellen Aktienverluste verrechnet werden können. Und es wurden damit auch eventuelle Margin-Calls (Nachschusspflichten) befriedigt. Aber die Einbrüche bei den edlen Metallen sind eigentlich unlogisch und deshalb sind die Kursrückgänge Einstiegs-Chancen. So werden KI und auch die Rechenzentren ungeachtet der Wirtschafts-Entwicklung weiter ausgebaut werden. Beide sind massive Verbraucher von Silber. Da die Notenbanken im Zweifelsfall wahrscheinlich eine höhere Inflation eher zulassen werden als eine Rezession zu riskieren (also Zinsen runter trotz steigender Inflation), wird Gold als Schutz vor der weiteren Geldentwertung kräftig nachgefragt werden. Kursziele von 7.000 Dollar bei Gold und 150 Dollar bei Silber sind dann keine Utopie mehr.
Ich bleibe daher bei meiner Strategie etwa 20 Prozent Liquidität, Aktien bester Qualität und nach verschiedenen Branchen diversifiziert sowie 20 Prozent in Edelmetallen und Rohstoffen.

Marktkommentar von Rolf Ehlhardt, Vermögensverwalter, I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH.

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