Entscheiden die Löhne über den nächsten Zinsschritt?

01.07.2026

Foto: Copyright iconic - stock.adobe.com

Der US-Arbeitsmarkt hat sich trotz des Iran-Konflikts und der gestiegenen Inflation bislang als bemerkenswert robust erwiesen. Der am Donnerstag anstehende Bericht zu den Non-Farm Payrolls für Juni wird nun zeigen, ob sich dieser Trend fortsetzt oder ob Anzeichen einer Abkühlung sichtbar werden. Da der Arbeitsmarkt stabil bleibt und die Verbraucher weiter konsumieren, hat die Fed bislang keinen Grund, die Zinsen zur Stützung der Wirtschaft zu senken. Die US-Einzelhandelsumsätze sind im Mai um 6,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, in Deutschland lag das Wachstum lediglich bei 1,8 Prozent. 

Der Leitzins liegt aktuell in einer Spanne von 3,50 Prozent bis 3,75 Prozent. Der Markt preist für dieses Jahr inzwischen das Risiko einer Zinserhöhung ein. Diese wird allerdings erst für September und derzeit nur mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 50 Prozent erwartet. Bis dahin kann sich noch viel verändern. Genau deshalb sind die Arbeitsmarktdaten so wichtig.  

Beim Juni-Bericht sollten Anleger zudem mögliche Sondereffekte berücksichtigen. Vorbereitungen und Neueinstellungen rund um die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA könnten die Beschäftigungszahlen zusätzlich gestützt haben.Für die Börse sind derzeit allerdings weniger die neu geschaffenen Stellen entscheidend als die Inflationssignale im Bericht. Deshalb könnten die Lohnkomponenten ein höheres Gewicht als die reine Beschäftigungsentwicklung haben. Lässt der Lohndruck nach, sinkt auch die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale. 

Fällt der Bericht am Donnerstag deutlich stärker aus als erwartet, dürften die Erwartungen an Zinserhöhungen zunehmen. Das könnte den US-Dollar stützen und zinslose Anlagen wie Gold oder Kryptowährungen belasten. Ein schwächerer Bericht würde dagegen Sorgen vor einer Konjunkturabkühlung wecken und gleichzeitig die Erwartungen an eine weniger restriktive Geldpolitik der Fed erhöhen. Dennoch sollte ein einzelner schwacher Arbeitsmarktbericht nach einer langen Phase robuster Beschäftigungsdaten nicht überbewertet werden. Er könnte auch lediglich als gesundes Durchatmen interpretiert werden. 

Kommentar von Maximilian Wienke, Marktanalyst bei eToro