„Es kommt auf die Qualität der einzelnen Assets an!“

05.03.2013

Wie müssen geschlossene Fonds künftig konzipiert werden, um erfolgreich zu sein? finanzwelt bat zwei Analysten um ihre Einschätzung.

Die Branche der geschlossenen Fonds steht vor einer Zeitenwende. Im Dezember hat das Bundeskabinett den Gesetzentwurf zur Umsetzung der AIFM-Richtlinie in deutsches Recht beschlossen, mit dem die Basis für ein neues Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) gelegt wird. Neben strengen Zulassungsvoraussetzungen müssen Anbieter geschlossener Fonds in Zukunft auch umfangreiche Informationspflichten gegenüber Aufsichtsbehörden und Anlegern einhalten. Der Aufwand für die Verwaltung klassischer KG-Modelle wird sich dadurch deutlich erhöhen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie ein geschlossener Fonds künftig konzipiert sein muss, um für Emissionshäuser, Vertriebe und Anleger erfolgversprechend zu sein. Wir fragten bei den beiden größten Analysehäusern für geschlossene Fonds nach. Lesen Sie nachfolgend die Einschätzungen von Wolfgang Kubatzki, Mitglied der Geschäftsleitung der Feri Euro-Rating Services AG, und Steffen Möller, Managing Director Rating Asset Based Investments bei Scope Ratings.

Gibt es heute eine ideale Fondskonstruktion für KG-Modelle? Zum Beispiel nach dem Motto: „Wer streut, rutscht nicht aus“?

Wolfang Kubatzki: „Es ist zu erwarten, dass mit Einführung des KAGB die klassischen KG-Modelle alter Art, insbesondere die Ein-Objekt-Fonds, an Bedeutung verlieren werden. Mit der Einführung des KAGB wird es aller Voraussicht nach die alten KG-Modelle nicht mehr geben. Es ist wichtig zu begreifen, dass hier eine vollständig neue Produktklasse entsteht.“

Steffen Möller: „Nein. Der Grad der Diversifikationen ist für sich allein noch kein Qualitätssiegel. Es kommt auf die Qualität der einzelnen Assets an.“

Wie stehen Sie zu der anhaltenden Diskussion über zu hohe Weichkosten bei geschlossenen Fonds?

Kubatzki: „Veränderungen bei der Vergütung des Vertriebes werden zwar immer wieder angestoßen, haben aber noch nicht wirklich zu einem Ergebnis geführt. Es gibt gute Gründe, von der anfänglichen Provisionierung zu einer Bestandsprovision oder Honorarberatung zu wechseln. Fakt ist, dass dieser Wechsel anfänglich für den Vertrieb schmerzhaft ist. Aber wann sollte ein besserer Zeitpunkt sein als jetzt, wo der Markt ohnehin drastisch zurückgegangen ist.“

Möller: „Bei anderen Kapitalanlagen wie zum Beispiel Investmentfonds sehen wir, dass die Kosten über die Laufzeit verteilt und zum Teil an den Erfolg der Investments geknüpft werden. Diese Vergütungsstruktur sollte auch auf geschlossene Fonds übertragen werden, damit der geschlossene Fonds langfristig mit anderen Kapitalanlagevehikeln konkurrenzfähig bleibt.“

Werden sich Emissionshäuser künftig bei den Fonds, die sie auflegen, stärker finanziell engagieren müssen als bisher? Werden sich die Finanzierungsstrukturen ändern?

Kubatzki: „Ich sehe nur wenige Häuser, die dazu überhaupt in der Lage wären, halte das auch nicht für notwendig. Die Finanzierungsstrukturen werden sich durch die Regulierung zum Eigenkapital verschieben. Vielleicht sehen wir auch Fonds mit mehreren Tranchen, also zum Beispiel eine für institutionelle Anleger und eine für Privatanleger.“

Möller: „Die Emissionshäuser sollten am Erfolg und Misserfolg ihrer Produkte partizipieren. Dies gewährleistet qualitativ hochwertige Produkte. Das kann über eine direkte Eigenbeteiligung am Fonds oder über erfolgsabhängige Vergütungsmodelle erfolgen.“

**_Sind Blindpools wieder am Markt durchsetzbar?

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Kubatzki: „Das neue Modell für geschlossene Fonds tendiert in der jetzigen Ausgestaltung zum Blindpool. Ein Blindpool hat auch Vorteile, zum Beispiel einen besseren Realisierungsgrad und die Möglichkeit geringerer Kosten. Es kommt sehr stark auf die Anlagestrategie des Fonds an. Dann sind Blindpools auch am Markt durchsetzbar.“

Möller: „Ja. Durch die Umsetzung der AIFM-Richtlinie werden wir verstärkt Blindpool-Konstruktionen sehen. Ob Anleger diese Fonds annehmen, wird maßgeblich von der Qualität des Emittenten und des Assetmanagers abhängen.“

_**Haben Exotenfonds bzw. Nischenfonds noch eine Chance?

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Kubatzki: „Ein klares Nein, auch wenn hier eine Portion Wunschdenken dabei ist. Der Anleger sollte bei allen Produkten außerhalb des KAGB sehr vorsichtig sein. Die Regulierung wird über kurz oder lang Substitutionen ausschließen.“

Möller: „Ja. Wir beobachten derzeit verstärktes Interesse an diesen Produkten – vor allem im Bereich Nischenimmobilien. Allerdings werden sich zumindest die großen Anbieter aller Voraussicht nach in Zukunft auf ihre Kern-Assets konzentrieren.“

Immer mehr Anleger wollen mit Investments nicht nur Rendite erwirtschaften, sondern auch das Leben der Menschen bzw. den Zustand der Umwelt nachhaltig verbessern. Müssen neue Fonds „grün“ sein, um Erfolg zu haben?

Kubatzki: „Neue Fonds müssen ‚grün‘ oder bei Immobilien ‚nachhaltig‘ sein, um langfristig eine angemessene Rendite zu erzielen. Ethische Gedanken spielen nach unseren Erfahrungen nur eine untergeordnete Rolle.“

Möller: „Nein, nicht zwangsläufig. Allerdings beobachten wir im Bereich Immobilienfonds verstärkt Fonds, die in ‚Green-Label‘-zertifizierte Immobilien investieren. Dieser Trend wird sich fortsetzen.“

Was bedeutet die aktuelle Krise der geschlossenen Fonds langfristig für das deutsche KG-Modell?

Kubatzki: „Das KAGB in der jetzigen Fassung bedeutet nicht die Modellierung bestehender Konzepte, sondern schafft neue Instrumente. Das bedeutet Veränderungen auf allen Ebenen, aber auch eine Vielzahl von Chancen. Die Frage nach dem deutschen KG-Modell stellt sich dann nicht mehr.“

Möller: „Das deutsche KG-Modell profitiert aktuell nicht vom großen Trend zu Sachwerten. Dennoch bleibt das KG-Modell (nach der Regulierung als Investment-KG) ein attraktives Vehikel. Unsere aktuelle Marktbefragung zeigt, dass einige Anbieter alternative Verpackungen für Sachwertinvestments anbieten werden. In der Befragung gab jedes fünfte Emissionshaus an, künftig Anleihen anbieten zu wollen. Mehr als 40 % der Anbieter setzen auf Spezialfonds für institutionelle Investoren. Trotz konkreter Planungen mit alternativen Vehikeln kann vom Ende des KG-Modells keine Rede sein: Mehr als zwei Drittel der Befragten wollen auch künftig Sachwerte im Mantel des geschlossenen Fonds anbieten.“

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Kim Brodtmann_

Fondskonstruktionen