Gar nicht schlecht

23.08.2022

Foto: © Matthias Buehner - stock.adobe.com

Es hat sich offensichtlich in Sachen Digitalisierung viel getan. Die etablierten Versicherer lassen sich von InsurTechs längst nicht mehr das Wasser abgraben – ganz im Gegenteil. Die damit verbundene Automatisierung ihrer Geschäftsprozesse hilft Geld sparen und dennoch leidet die persönliche Beratung der Kunden nicht darunter. Das ist zweifellos eine gute Kunde für den Vertrieb.

Die Finno Consult GmbH in Wien, eine Innovationsberatung für Banken & Versicherungen, hat sich im Frühjahr erstmals dem Thema Versicherung und Digitalisierung angenommen: „Immer mehr InsurTechs und Neoversicherungen versuchen, Marktanteile der klassischen Versicherer zu erobern. Selbst für große etablierte Versicherungsinstitute bedeutet eine Vielzahl an Möglichkeiten, diesem Trend etwas entgegenzusetzen, entsprechend hohe Aufwände.“ Digitale Reife im Markt verlange, koordiniert und zielgerichtet vorzugehen, dazu brauche es allerdings einen guten Einblick in die neuesten Entwicklungen im digitalen Wettbewerb. Der erstmals aufgelegte Finnoscore Versicherungen habe einige Erwartungen bestätigt, andere Resultate hingegen seien überraschend: So performten die Neoversicherungen und die direkten Anbieter wie angenommen im Onlineverkauf deutlich besser als die meisten etablierten Institute. Weniger als ein Drittel der etablierten Versicherungen nutze zum Beispiel einen Produktwizard, um seinen Kunden die Auswahl des passenden Produkts zu erleichtern. Im Gesamtranking aller Dimensionen seien die etablierten Versicherungen jedoch nicht zu unterschätzen. „So ist die Siegerin des Finnoscore Versicherungen 2022 die Allianz Versicherung aus Deutschland. Dahinter reiht sich mit HUK-Coburg, eine weitere deutsche Traditionsversicherung, ein. An dritter Stelle findet sich bereits mit Lemonade eine Neoversicherung, welche man auf jeden Fall im Auge behalten sollte.“

Prozessautomatisierung nicht unerheblich

Wie aber sehen einzelne Versicherer selbst ihr Unternehmen im Hinblick auf das Thema Digitalisierung aufgestellt? Heiko Scholz, Leiter Marketing bei der Barmenia, sagt: „Die Barmenia hat bereits in mehreren Strategieperioden das Thema Digitalisierung bearbeitet und seitdem stetig weiterentwickelt. Schwerpunkte bilden dabei insbesondere die Schnittstellen zu Kunden und Vertriebspartnern. Aber auch Prozessautomatisierung spielen dabei eine sehr große Rolle. Auch die kontinuierliche Nutzung von Künstlicher Intelligenz ist hierbei ein bedeutendes Thema. Die zunehmende Geschwindigkeit stellt uns und viele Unternehmen vor großen Herausforderungen. Insgesamt sind wir bei der Barmenia gut aufgestellt. Das haben wir auch in unserem Markenversprechen verankert. Prozesse müssen einfach sein, und dabei steht der Mensch im Mittelpunkt unserer Aktivitäten.“ Dr. Marcus Kremer, Vorstand Vertriebspartnerbetreuung der Continentale, sieht das ähnlich: „Das Thema Digitalisierung spielt für unser Unternehmen eine, wenn nicht sogar die zentrale Rolle. Wir möchten wettbewerbsfähig, erfolgreich und verlässlich bleiben, sowohl als Versicherer für unsere Vertriebspartner und Kunden als auch als Arbeitgeber für unsere Mitarbeiter. Deshalb verfolgen wir eine klare Strategie, um etwa unsere IT-Landschaft immer auf dem neuesten Stand zu halten. Zudem investieren wir seit Jahren in innovative digitale Tools, die die Prozesse für unsere Vertriebspartner und Kunden deutlich vereinfachen und beschleunigen.“ Beispiele seien im Bereich Leben etwa der eGesundheitsCheck und der eGesundheits- Dialog, mit denen der Antragsprozess für alle Beteiligten digital vereinfacht und beschleunigt werde. Im Bereich Kranken biete man seit einigen Jahren eine Leistungs-App an und arbeite derzeit gemeinsam mit IBM daran, die elektronische Patientenakte – kurz ePA – für die Kunden bereitzustellen und in mobile Dienste einzubinden. Hier verfolge man eine One-App-Strategie.

Weiter auf Seite 2