Italien: Chancen im Land der Renaissance

07.02.2013

Die Finanzwelt schaut nach Italien. Dort muss aufgrund der Defizite der Staat seine Ausgaben erheblich kürzen. Eine aktuelle Studie des Schweizer Rückversicherer Swiss Re informiert über die Trends im italienischen Markt. Der Markt bietet auch für international tätige Vermittler gute Chancen.

(fw/db) Nach einer aktuellen Sigma Studie des Rückversicherer Swiss Re mit dem Titel "Der italienische Versicherungsmarkt: Chancen im Land der Renaissance ", steht [Italien](http://de.wikipedia.org/wiki/Italien "Link zu Wikipedia "Italien"") vor einer wirtschaftlichen und sozialen Richtungs- und Kurswechsel, und bietet daher interessante Chancen für die Versicherungswirtschaft. Die erwartete Rückführung des Staatsanteils bei der Bereitstellung von Sozialleistungen, bedeutet, dass sich in der italienischen Finanzwelt wieder mehr Menschen privat um ihren Risikoschutz und ihre Altersvorsorge kümmern müssen.

Die Assekuranz muss sich bemühen, in Italien einen Beitrag zu leisten, die sich aktuell vergrößernden Versorgungslücken wieder zu schließen. Italien, als die weltweit achtgrößte Volkswirtschaft, verfügt über eine große und diversifizierte Wirtschaft, von kleinen bis mittleren Unternehmen, die hochwertige Produkte weltweit exportieren.

In Italien hat die global älteste Bank ihren Sitz, die Banca Monte dei Paschi di Siena S.p.A. (MPS) und der weltweit älteste bekannte Versicherungsvertrag stammt aus Genua, dieser versicherte das Handelsschiff "Santa Clara” im Jahre 1347 gegen Raub, Untergang und ähnliches Ungemach, beides zeugt von der großen Wirtschaftsgeschichte des Landes. Die Rolle der Versicherungswirtschaft wird voraussichtlich in Italien insgesamt noch an Bedeutung zunehmen. Im negativen gesamtwirtschaftlichen Umfeld für Versicherer werden für die Erst- und Rückversicherer Wachstumschancen erwartet, insbesondere in den unterentwickelten Sach- und Unfallversicherungssparten.

Die jüngsten und die noch zu erwartenden Gesetzesreformen sollen den Weg für eine stärkere Beteiligung der Versicherungsbranche ebnen und dazu dienen eine größere Rolle bei der Unterstützung des Landes bei den wirtschaftlichen und demografischen Herausforderungen zu spielen..

"Die Finanzkrise hat im Geschäftsjahr die Kürzung der staatlichen Haushaltsausgaben und eine Sparpolitik erzwungen, deren Beschleunigung führt zu einer sichtbaren Reduzierung und Neuausrichtung des Sozialstaates in Italien, so dass eine signifikante Versorgungslücke nicht nur in der Gesundheits- und Altersvorsorge, sondern auch in den Deckungen für Naturrisiken entsteht.. Die Assekuranz muss sich vorbereiten, verantwortlich die erweiterten Aufgaben in Italien zu übernehmen, um den Staat, die private Unternehmen und die Menschen bei der Bewältigung einer der größten wirtschaftlichen Herausforderungen aller Zeiten zu unterstützen", erläutert Kurt Karl, Chef-Volkswirt der Swiss Re.

**Das Rentensystem ist unter Druck

**Italien steht vor schweren demografischen Herausforderungen. Es hat den zweitgrößten Altenquotient, das Verhältnis von alten Menschen zu Werktätigen, in der Welt und rangiert direkt hinter Japan, und hat auch weiterhin die meist gealterte Bevölkerung auf der Erde.

Wachsende Sparmaßnahmen mit einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung kombiniert bedeutet, dass jetzt mehr als je zuvor, die Italiener eine Rentenreform vornehmen müssen. Das staatliche Rentensystem, war einst eines der Großzügigsten der Welt, und wurde stark gekürzt. Der Eigenanteil in der Finanzierung von Alterssicherung steigt, die Versicherer müssen hier Schritt halten, um mit ihren Angeboten die wachsenden Lücken auszufüllen.

Betrugsbekämpfung könnte Kfz-Prämien senken

In der Nichtlebensversicherung sind die Sach- und Unfallversicherung in Italien im Vergleich zum übrigen Europa unterentwickelt. Italiens Kraftfahrtversicherung ist hingegen gut entwickelt, leidet aber historisch unter geringer Rentabilität. Um dieses Problem anzugehen, wurde ein im März 2012 ein Gesetz zur Bekämpfung von Betrug in der Kraftfahrtversicherung erlassen.

Carlo Coletta, Swiss Re Marketingleiter für Italien sagt: "Wenn die regulatorischen Maßnahmen zur Verbesserung der Schadenquote im Kfz-Haftpflicht-Sektor helfen und es gelingt diesen zu stabilisieren, dann kann in dieser unruhigen Branche, eine eventuelle Reduzierung der Prämien erwartet werden, das wäre im aktuellen rezessiven Umfeld sehr zu begrüßen."

Bis jetzt war nicht nur die Kraftfahrtversicherung unterentwickelt, das hatte viele Gründe, einschließlich der allgemeinen geringen öffentlichen Neigung zum Kauf einer Versicherung, es sei denn, die Deckung ist obligatorisch. Aktuelle Vorschriften machen bestimmte Arten von Nicht-Lebensversicherung verpflichtend, wie etwa die Berufshaftpflicht. Nicht nur in der Kraftfahrtsparte dürfte einen Schub aufgrund der Ausgabenkürzungen und den neue Reformen zu erwarten sein.

Staat zieht sich aus der Elementarentschädigung zurück

Ausgabenkürzungen wird es auch in der Entschädigung nach Naturkatastrophen geben. Italien hat die niedrigste Verbreitung von Sachversicherungen innerhalb der gut entwickelnden Märkte in Europa. Einer von vielen Bereichen, wo privatwirtschaftlicher Schutz benötigt wird ist die Sachversicherung, insbesondere für die Deckung bei Naturkatastrophen. Traditionell gab es schwere Abhängigkeiten der Geschädigten auf den Staat als Versicherer zu hoffen.

Allerdings erinnert das jüngste Erdbeben in Emilia einen krass daran, dass Italien stark den Naturkatastrophen ausgesetzt ist, und die Bevölkerung zu sehr auf staatliche Intervention nach der Katastrophe setzt. Angesichts der verminderten Fähigkeit des Staates zur Deckung der Kosten in der Zukunft, wird die Nichtlebensversicherung ihre Zuständigkeit in Italien erweitern und Vorsorge treffen, um in ganz Italien ausreichend und flächendeckend Versicherungsschutz anbieten zu können.

Download "Der italienische Versicherungsmarkt: Chancen im Land der Renaissance" in englischer Sprache oder in italienischer Sprache

Swiss Re