Jeder zweite Haushalt im Todesfall ohne zusätzliche Absicherung

14.07.2026

Moritz Schumann, Stellv. Hauptgeschäftsführer, Kompetenzzentrum Lebensversicherung, GDV / Foto: © GDV

Jedes Jahr verlieren in Deutschland mehr als 100.000 Menschen, darunter rund 50.000 Kinder, einen Elternteil oder Partner, von dessen Einkommen sie finanziell abhängig waren. Für viele Familien stellt sich damit von einem Tag auf den anderen die Existenzfrage. Dennoch verfügt nur rund jeder zweite Haushalt mit Absicherungsbedarf über eine Risikolebensversicherung. Potenziell fehlt damit in mehr als 20 Millionen Haushalten ein finanzieller Schutz, wenn ein wichtiges Einkommen wegbricht.

Das zeigt eine neue Studie des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). „In mehr als 20 Millionen Haushalten fehlt der finanzielle Schutz, wenn ein Partner oder Elternteil stirbt. Für die Hinterbliebenen kann das sehr schnell zur finanziellen Zerreißprobe werden“, sagt Moritz Schumann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des GDV.

Wenn ein Einkommen wegfällt

Mit dem Tod eines Elternteils oder Partners endet die finanzielle Verantwortung einer Familie nicht. Miete oder Immobilienkredit, Lebensmittel, Mobilität und andere laufende Ausgaben müssen weiter bezahlt werden, obwohl ein Einkommen fehlt. Haushalte geben im Durchschnitt rund zwei Drittel ihres Einkommens allein für Wohnen, Lebensmittel und Verkehr aus; diese Ausgaben lassen sich kurzfristig kaum reduzieren. 

„Irgendwann treffen Briefe von der Bank ein, die an offene Kreditraten erinnern. Dann merken Hinterbliebene, dass nicht nur der geliebte Mensch fehlt, sondern auch sein Einkommen“, sagt Ines Moers, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung e. V. „In jeder Familie sollte daher offen und frühzeitig besprochen werden: Was passiert im Todesfall? So lässt sich gemeinsam einschätzen, ob und in welcher Höhe eine Absicherung notwendig ist.“

Eine vierköpfige Familie gibt im Durchschnitt 4.599 Euro pro Monat aus, davon rund 3.473 Euro für grundlegende Bedarfe wie Wohnen, Ernährung und Verkehr. Fällt in einem Zwei-Verdiener-Haushalt ein Einkommen weg und reduziert der verwitwete Elternteil zusätzlich seine  Arbeitszeit um 30 Prozent, entsteht nach Berechnungen der Studie eine monatliche Lücke von fast 1.000 Euro.

Deutliche Versorgungslücken – besonders bei niedrigen Einkommen

Die Studie zeigt, dass Paare mit minderjährigen Kindern und Haushalte mit Immobilienkredit zwar überdurchschnittlich häufig eine Risikolebensversicherung abgeschlossen haben, aber selbst in diesen Gruppen bleibt etwa jeder zweite Haushalt ohne entsprechenden Schutz. Deutliche Unterschiede gibt es nach Einkommen: Unterhalb von 3.250 Euro Haushaltsnettoeinkommen liegt der Verbreitungsgrad je nach Einkommensklasse nur zwischen 3 und 10 Prozent, während in Haushalten mit mehr als 7.500 Euro netto 46 Prozent über eine Risikolebensversicherung verfügen. Etwa die Hälfte aller Haushalte fällt in die unteren Einkommensklassen. Auch nach Haushaltstyp und Region zeigen sich Unterschiede. Paare mit minderjährigen Kindern weisen mit rund 45 Prozent den höchsten Verbreitungsgrad auf, Alleinerziehende kommen auf etwa 19 Prozent, Alleinlebende nur auf 7,7 Prozent. In Stadtstaaten ist der Anteil der Haushalte mit Risikolebensversicherung deutlich geringer als in Flächenländern, teils nur halb so hoch.

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