KI ist tot! Es lebe KI!
10.03.2026

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Die großen US-Tech-Konzerne zeigen in der jüngsten Berichtssaison uneinheitliche Reaktionen an den Aktienmärkten. Ein Kernthema der vergangenen Wochen und Monate ist die Sorge über das Ausmaß der Investitionen in „Künstliche Intelligenz“ (KI).
Konkret stellt sich die Frage, ob KI-Investitionen und Projekte inzwischen zu groß und zu teuer sind, weil sie nicht die erwarteten Gewinne liefern. Diese Angst wird durch immer neue Rekordwerte für Investitionen in Rechenzentren, KI-Chips und Infrastruktur befeuert.
Der neue KI-Realismus
Microsoft präsentierte Ende Januar 2026 solide Quartalszahlen, mit wachsender Cloud- und KI-Nachfrage, die die Umsatz- und Ergebniserwartungen übertrafen. Die Aktie erlitt aber am Tag nach der Bekanntgabe Kursverluste von rund minus zehn Prozent, die sich in der Folge auf bis zu minus 19 Prozent ausdehnten. Investoren sehen die hohen Investitionen für KI-Hardware und Infrastruktur gegenüber dem Cloud-Wachstum kritisch. Ähnlich ging es Alphabet, der Google-Mutter, die Umsatz- und Ergebniserwartungen übertraf.
Mit rund 180 Mrd. US-Dollar fielen die geplanten Ausgaben für KI-Forschung und -Infrastruktur für 2026 jedoch doppelt so hoch aus und die Aktie fiel um bis zu minus zehn Prozent. Auch die Aktie von Amazon verlor nach der Veröffentlichung der Q4-Zahlen aufgrund der gigantischen KI-Investitionspläne von über 200 Mrd. USD trotz Umsatz- und Gewinnwachstum deutlich mit minus zehn Prozent. Zuletzt erwischte es Nvidia. Nach überragenden Quartalszahlen, mit einer Verdopplung des Free-Cashflows, kam es zu einem Kursrückgang von mehr als minus fünf Prozent am Folgetag.
Auf der anderen Seite verkündete Apple solide Zahlen und gute Gewinne. Die KI-Investitionen fallen hier konservativer aus und die Aktie stieg um mehr als plus sieben Prozent. Auch Meta Platforms (ehemals Facebook) zeigte starke Umsatzsteigerungen und einen den Konsens übertreffenden Gewinn. Die Aktie stieg trotz hoher Investitionen um plus zehn Prozent, gab jedoch in den Folgetagen den initialen Gewinn wieder vollständig ab.
Kritik an KI-Investitionen…
Es zeigt sich immer deutlicher, dass nicht nur reine Ergebniszahlen zählen, sondern vor allem die Erwartungen der Investoren, wie profitabel und schnell sich die massiven KI-Investitionen auszahlen. Dieser Effekt ist besonders bei Microsoft zu beobachten: Trotz starkem Cloud- und KI-Wachstum sackte der Kurs signifikant ab. Ebenso zeigte sich bei Amazon und Alphabet, dass hohe Investitions-Pläne zu schwächeren Kursreaktionen führten, bei weiter starkem Umsatz und operativen Gewinn. Investoren agieren generell vorsichtiger und bemängeln den erwarteten Rückgang der freien Cashflows über die nächsten Quartale. Kurskorrekturen können sich dann durch Rotation von Anlegern weg von den Tech-Titeln hin zu vermeintlich sichereren Alternativen verstärken.
Trotz aller Kritik zählen die Unternehmen zu den größten der Welt und verbuchen weiterhin durchweg fundamental solide Ergebnisse, mit steigenden Umsätzen, Gewinnen und Marktanteilen. Die hohen Investitionen sichern langfristig die Wettbewerbsfähigkeit und Marktstellung in einem der wichtigsten Zukunftsmärkte mit enormen Ertragspotenzialen. Kursverluste sind meist kurzfristige Reaktionen auf höhere Investitionen und geänderte Erwartungen. Gerade nach solchen Rücksetzern können sich für langfristige Anleger gute Einstiegsgelegenheiten bieten, da die Bewertungen deutlich zurückkommen und die Investitionsprogramme strategisch begründet sind.
Fazit: KI ist tot! Es lebe KI!
Die berichteten Zahlen zeigen, dass die großen Tech-Konzerne erfolgreich wachsen und Gewinne steigern, auch im KI-Bereich. Die hohen Investitionen in KI werden von Teilen des Marktes kritisch gesehen, doch diese Investitionen werden überwiegend aus den erwirtschafteten Gewinnen und Cashflows getätigt und dienen strategischen Zukunftszielen. Gerade nach Kursrücksetzern verbessern sich die Bewertungen und bieten somit Einstiegschancen für langfristig orientierte Anleger.
Marktkommentar von Thomas Gundermann, Geschäftsführender Gesellschafter der Taunus Investments GmbH

Exklusiv
Nachgefragt bei Heiko Kruse, Howden Deutschland









