Kindersicherheitstag 2026: Das größte Unfallrisiko für Kinder liegt zu Hause

08.06.2026

Foto: © ArtStockVault - stock.adobe.com

In Deutschland müssen jedes Jahr rund zwei Millionen Kinder nach einem Unfall ärztlich behandelt werden. Überraschenderweise ereignen sich die meisten dieser Unfälle aber nicht auf dem Spielplatz oder im Straßenverkehr, sondern in den eigenen vier Wänden. Diese Gefahr wird von vielen Eltern unterschätzt. Laut einer aktuellen YouGov-Befragung im Auftrag des GDV wissen nur 34 Prozent der Eltern von Kindern unter 13 Jahren, dass das Zuhause der häufigste Unfallort ist. Gleichzeitig schätzen 65 Prozent der Befragten ihr Zuhause als sicher ein.

„Viele Eltern sind nicht sorglos, aber zwischen Risikobewusstsein und konkretem Handeln klafft eine Lücke“, erklärt Anja Käfer-Rohrbach, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des GDV. „Fast die Hälfte der Eltern sieht Verbrennungen am Herd als relevantes Risiko, aber nur 29 Prozent haben einen Herdschutz installiert.“

Prof. Dr. Stefanie Märzheuser, Präsidentin der BAG “Mehr Sicherheit für Kinder”, betont: „Viele Eltern schätzen ihr Zuhause als sicher ein, dennoch passieren die meisten Kinderunfälle nach wie vor dort. Gerade bei jüngeren Kindern ist es wichtig, Risiken im Alltag vorausschauend zu minimieren und die Umgebung aus der Perspektive des Kindes zu betrachten. Schon kleine Veränderungen können das Unfallrisiko deutlich senken.“

Viele Eltern nehmen Risiken im Haushalt durchaus wahr, setzen Schutzmaßnahmen aber nicht konsequent um. Fast die Hälfte der Eltern schätzt das Verbrennungsrisiko am Herd als mittel bis hoch ein, doch nur 29 Prozent haben einen Herdschutz installiert. 60 Prozent sehen ein Sturzrisiko durch Treppen oder kippende Möbel, aber nur 33 Prozent haben große Möbel gesichert.

Auch andere Schutzmaßnahmen bleiben lückenhaft: 59 Prozent der Eltern haben Putzmittel und Medikamente kindersicher verstaut, aber nur 38 Prozent nutzen rutschfeste Matten im Bad, 37 Prozent haben ein Treppengitter installiert und 34 Prozent verwahren Knopfzellen und Batterien sicher. „Die Studie zeigt kein Desinteresse, sondern ein Aufschiebeverhalten“, sagt Käfer-Rohrbach. „Viele Eltern wissen, was sinnvoll wäre, setzen es im Alltag aber nicht sofort um.

Um Eltern bei der Einschätzung von Risiken im Alltag zu unterstützen, haben der GDV und die BAG „Mehr Sicherheit für Kinder“ den Kinderunfall-Check entwickelt. Das kostenlose Online-Tool richtet sich an Eltern von Kindern bis 13 Jahren und umfasst bis zu zwölf Fragen. Es zeigt, welche Schutzmaßnahmen bereits umgesetzt sind und wo Sicherheitslücken bestehen. Der Check soll einen konkreten Anstoß geben, denn Wissen allein schützt nicht. Die Befragung macht deutlich: Kindersicherheit scheitert häufig nicht am fehlenden Problembewusstsein, sondern daran, dass Schutzmaßnahmen im Alltag aufgeschoben werden. (mho)

Zum Kinderunfall-Check: www.kinderunfall-check.de

Andere ThemenGDV