Klimafolgen im Depot

30.09.2026

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Exklusiv

Niedrige Rheinpegel und Hitzeperioden greifen unmittelbar in wirtschaftliche Abläufe ein. Für Dividendeninvestoren wird damit relevant, welche Unternehmen an Lösungen für einen sparsameren Umgang mit Wasser oder Rohstoffen verdienen und zugleich genügend freien Cashflow für regelmäßige Ausschüttungen erwirtschaften.

Am Rhein ließ sich die wirtschaftliche Bedeutung klimatischer Belastungen in diesem Sommer über Wochen beobachten. Das Niedrigwassermonitoring der Bundesanstalt für Gewässerkunde weist für Köln vom 26. Juni bis zum 28. August eine Niedrigwasserphase von 64 Tagen aus, in Andernach dauerte sie 65 Tage. Bei niedrigen Pegeln können Frachtschiffe weniger Ladung aufnehmen, wodurch Transporte teurer werden und Unternehmen gegebenenfalls auf andere Verkehrswege ausweichen müssen. Die längere Niedrigwasserphase betrifft damit eine Infrastruktur, auf die zahlreiche industrielle Lieferketten angewiesen sind.

Auch bei extremer Hitze lässt sich der langfristige Wandel inzwischen statistisch erfassen. Der Deutsche Wetterdienst untersuchte das Hitzeereignis Anfang Juli 2025, als die mittlere Tageshöchsttemperatur für Deutschland am 2. Juli 35,5 Grad erreichte. Ein solches eintägiges Ereignis tritt nach den Berechnungen heute im Mittel etwa alle 3,9 Jahre auf. Gegenüber einem Klima, das im Mittel 1,3 Grad kühler war, hat sich die Intensität eines vergleichbaren Ereignisses um mindestens 2,9 Grad erhöht.

Die Anpassung an solche Veränderungen erfordert erhebliche Investitionen. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen beziffert den jährlichen Finanzierungsbedarf allein in Entwicklungsländern bis 2035 auf 310 bis 365 Milliarden US-Dollar. Unter geeigneten politischen und finanziellen Rahmenbedingungen könnte der private Sektor davon rund 50 Milliarden US-Dollar pro Jahr bereitstellen. Benötigt wird das Geld beispielsweise für eine bessere Wasserversorgung und für Infrastruktur, die klimatischen Belastungen länger standhält. Auch Industrieunternehmen müssen Verfahren entwickeln, mit denen sie Rohstoffe effizienter einsetzen und Materialien erneut verwenden können.

Für die Aktienanalyse kommt es darauf an, ob aus diesem Bedarf ein dauerhaft rentables Geschäft entsteht. Wassertechnik kann von höheren Ausgaben für Aufbereitung und Wiederverwendung profitieren. Recyclingunternehmen verdienen daran, verwertbare Materialien zurückzugewinnen, während Industrieunternehmen ihre Produktionskosten senken können, wenn sie weniger Energie und Rohstoffe benötigen. Ein ökologischer Nutzen allein sagt jedoch wenig darüber aus, ob eine Aktie für eine Dividendenstrategie geeignet ist. Das Unternehmen muss seine Investitionen finanzieren und anschließend ausreichend Geld für Ausschüttungen erwirtschaften.

Nachhaltigkeit bleibt in der Anlageberatung unter Druck

Das Interesse der Anleger an nachhaltigen Produkten hat sich gegenüber den Jahren des ESG-Booms merklich abgekühlt. In einer gemeinsamen Befragung von AfW, Forum Nachhaltige Geldanlagen und Universität Kassel bezeichneten im Frühjahr 2026 jeweils 32 Prozent der 257 befragten Berater das Interesse ihrer Kunden als gering beziehungsweise sehr gering. Als Hemmnisse nennen die Studienautoren unter anderem die komplexe Regulierung und fehlendes Wissen über nachhaltige Produkte. Für die Unternehmensanalyse ändert diese Entwicklung wenig. Wasserknappheit kann industrielle Prozesse verteuern, unabhängig davon, wie viele Anleger gerade nachhaltige Fonds kaufen. Unternehmen müssen auch weiterhin auf steigende Energie- oder Materialkosten reagieren und ihre Produktion an veränderte Bedingungen anpassen. Für Dividendeninvestoren zählt deshalb die wirtschaftliche Wirkung solcher Veränderungen auf das einzelne Unternehmen.

Ökologischer Nutzen ersetzt keine Dividendenanalyse

Unternehmen aus der Kreislaufwirtschaft können beispielsweise einen Teil ihrer Gewinne ausschütten, wenn die Wiedergewinnung wertvoller Rohstoffe verlässliche Erlöse erzeugt. Ähnliches gilt für Hersteller, die energieärmere Produktionsverfahren anbieten, oder für Unternehmen aus der Wassertechnik. Ob daraus eine belastbare Dividende entsteht, hängt davon ab, wie profitabel das Geschäft arbeitet und welche Investitionen dafür erforderlich sind.

Besondere Aufmerksamkeit verdient der freie Cashflow. Eine hohe Dividendenrendite kann attraktiv erscheinen, obwohl notwendige Investitionen bereits einen wachsenden Teil der verfügbaren Mittel beanspruchen. Muss das Unternehmen seine Ausschüttung zunehmend über neue Schulden absichern oder wichtige Investitionen verschieben, verschlechtert sich ihre finanzielle Grundlage. Ein Unternehmen mit niedrigerer aktueller Dividendenrendite kann für langfristig orientierte Anleger deshalb interessanter sein, wenn seine Ausschüttung aus dem laufenden Geschäft finanziert wird.

ESG-Ratings können zusätzliche Informationen liefern. Sie geben Hinweise darauf, wie ein Unternehmen innerhalb seiner Branche mit Umweltfragen umgeht und welche Risiken der jeweilige Datenanbieter erkennt. Für die Investmententscheidung reicht die Kennzahl allein nicht aus. Bei einem Recyclingunternehmen muss beispielsweise geklärt werden, ob langfristig genügend verwertbares Material verfügbar ist und zu welchen Preisen es verarbeitet werden kann. Bei einem Anbieter von Wassertechnik entscheidet die Wirtschaftlichkeit seiner Projekte darüber, ob steigender Bedarf tatsächlich zu höheren Erträgen führt.

Klimabezogene Nachfrage kann neue Ertragsquellen schaffen

Unternehmen, die Wasser effizienter nutzbar machen, Rohstoffe zurückgewinnen oder industrielle Prozesse sparsamer gestalten, können von einem Bedarf profitieren, der sich mit fortschreitenden Klimaveränderungen erhöht. Dabei wirken weiterhin die üblichen wirtschaftlichen Risiken. Konjunkturelle Schwäche kann die Nachfrage reduzieren, Wettbewerber können Margen unter Druck setzen, und hohe Finanzierungskosten erschweren neue Investitionen.

Für Dividendenanleger bleibt deshalb die Auswahl des einzelnen Unternehmens maßgeblich. Klimafolgen können Nachfrage nach bestimmten Produkten und Dienstleistungen schaffen, garantieren aber weder steigende Gewinne noch verlässliche Ausschüttungen. Interessant sind Geschäftsmodelle, bei denen diese Nachfrage zu profitablen Umsätzen führt und die notwendigen Investitionen aus eigener Ertragskraft finanziert werden können. Die lange Niedrigwasserphase am Rhein verdeutlicht 2026, dass der wirtschaftliche Bedarf an solchen Lösungen bereits heute besteht.

Gastbeitrag von Jens Hartmann, Geschäftsführer der unabhängigen Vermögensverwaltung ficon Vermögensmanagement GmbH in Düsseldorf und Portfoliomanager des nachhaltigen Dividendenfonds „ficon Green Dividends“.