Klumpenrisiken richtig einordnen

25.02.2026

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Die Zahlen sprechen für sich: Exchange Traded Funds (ETFs), die globale Aktienindizes abbilden, gehören seit Jahren zu den bevorzugten Anlageinstrumenten vieler Investoren.¹ Und das aus gutem Grund. Sowohl die langfristige Wertentwicklung als auch die Volatilität etwa des MSCI World Index bewegt sich in einem ausgewogenen Verhältnis. Neben klassischen Fondskennzahlen ist jedoch ein weiterer Aspekt entscheidend: die Struktur weltweiter Indizes. Denn ein erheblicher Teil der Wertentwicklung wird heute von nur wenigen Unternehmen getragen. Dieses sogenannte Klumpenrisiko richtig einzuordnen, ist ein zentraler Baustein erfolgreicher und verantwortungsvoller Anlagestrategien.

ETFs sind beliebt – doch die Indexstruktur zählt

Die sogenannten „glorreichen Sieben“ (“Magnificent 7”)² sind die Taktgeber der Indexentwicklung des MSCI World. Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, Nvidia und Tesla prägen die globalen Aktienmärkte maßgeblich. Dank hoher und wachsender erwarteter Gewinne stieg ihr Unternehmenswert kontinuierlich. Da Aktienkurse sich im Wesentlichen aus zukünftig erwarteten Gewinnen ableiten, spiegelt sich dieser Effekt direkt in der Marktkapitalisierung wider. Viele Indizes sind nach Marktkapitalisierung gewichtet: Je größer ein Unternehmen, desto stärker beeinflusst es die Indexentwicklung. Steigende Gewinnerwartungen führen somit automatisch zu höheren Indexgewichten. Die „glorreichen Sieben“ vereinen inzwischen einen erheblichen Anteil in großen Leitindizes auf sich.³

Konzentration ist kein neues Phänomen – das Ausmaß schon

Hohe Einzelgewichte in Indizes sind historisch nichts Ungewöhnliches. In früheren Jahrzehnten dominierten Unternehmen wie AT&T, IBM, General Electric oder Apple zeitweise den S&P 500. Auffällig ist jedoch das heutige Ausmaß: Mit einem Indexgewicht von mehr als 7 % nähert sich Nvidia historischen Höchstständen an, die zuletzt Ende der 1960er-Jahre mit 9 % von IBM erreicht wurden. Gleichzeitig treten mehrere Schwergewichte parallel auf – ein struktureller Unterschied zu früheren Marktphasen.⁴

Der MSCI World: Globaler Name, US-lastige Realität

Besonders im MSCI World zeigt sich eine zunehmende Dominanz US-amerikanischer Unternehmen. Obwohl der Index als globales Börsenbarometer gilt, entfallen inzwischen über 70 % des Indexgewichts auf US-Unternehmen. Zeitgleich nahm der Anteil von Unternehmen anderer Länder rapide ab.⁵

Damit bündeln sich gleich mehrere Risiken:

  • hohe Titelkonzentration
  • zusätzliche Währungsabhängigkeit

Der oft unterschätzte Faktor: Wechselkurse

Während Indexgewichtungen zunehmend diskutiert werden, bleiben Wechselkurseffekte in der Beratung häufig im Hintergrund. Dabei können sie die tatsächliche Rendite erheblich beeinflussen. Ein aktuelles Beispiel: Im Kalenderjahr 2025 erzielten zahlreiche Aktienindizes zweistellige Zuwächse. Gleichzeitig verlor der US-Dollar gegenüber dem Euro rund 14 %. Für Euro-Anleger reduzierte dieser Effekt die reale Wertentwicklung globaler und amerikanischer Aktienfonds deutlich. Wer am Jahresanfang 10.000 Euro in US-Dollar gewechselt hat, erhielt 10.268 US-Dollar. Bei einem Wertzuwachs von 21,4 % (Nasdaq 100) hätte man am Jahresende 12.465 US-Dollar erwirtschaftet. Zurückgewechselt in Euro wurden dem Konto 10.613 Euro gutgeschrieben. Bei unverändertem Euro-Dollar-Kurs wären es 12.140 Euro gewesen. Ein Wechselkursverlust von 1.527 Euro.

Konsequenzen für Ihre Beratungspraxis

„In der Vergangenheit zu lesen hilft, für die Zukunft zu lernen.“ Die Historie zeigt klar: Klumpenrisiken und Währungseinflüsse sind keine Ausnahme, sondern wiederkehrende Marktmechanismen Für die Kundenberatung ergeben sich daraus zwei zentrale Leitlinien:

1. Diversifikation bleibt unverzichtbar

Eine ausgewogene Vermögensstruktur berücksichtigt nicht nur unterschiedliche Anlageklassen, sondern auch Regionen und Währungsräume. So lassen sich individuelle Chance-Risiko-Profile gezielt steuern.

2. Währungsrisiken bewusst steuern

Wechselkurse bieten Chancen – bergen aber ebenso Risiken. Eine gezielte Beimischung von Euro-Investments kann Schwankungen reduzieren. Nehmen Anleger Wechselkursschwankungen in Kauf, sollte dies Teil einer bewussten Strategie sein.

Indem Sie nicht nur Renditechancen, sondern auch strukturelle und währungsbedingte Risiken transparent machen, stärken Sie Vertrauen und Beratungsqualität. So helfen Sie Ihren Kundinnen und Kunden, Märkte differenziert zu verstehen und langfristig fundierte Anlageentscheidungen zu treffen. Der Begründer der modernen Portfolio-Theorie, Harry Markowitz, wusste bereits vor langer Zeit: „Zukünftige Rendite sind unsicher, deswegen rate ich zur Vermögensstreuung“!

Ein Beitrag von Dr. Klaus Mühlbauer, Referent für Kapitalmarktseminare.

Risikohinweis: Frühere Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.
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4. www.ecp.lu Visitor Home | Bianco Research Werte gerundet
5. MSCI World Index: Länder- und Branchenaufteilung | Stiftung Warentest
6. onvista Börsenportal • Aktuelle Börsenkurse, News, Tools & deine Depots an einem Ort, am 02.01.2025 kostete ein Euro 1,0268 US-Dollar, am 31.12.2025 waren es 1,1745 US-Dollar, Werte gerundet