„Mitglieder statt Investoren: So stärkt die VEMA Maklerbetriebe genossenschaftlich“
01.04.2026

Foto: Andreas Brunner, Vorstandsvorsitzender der VEMA © VEMA
Andreas Brunner, Vorstand der VEMA e.G., erklärt im Interview, wie der genossenschaftliche Verbund seinen Maklern nicht nur demokratische Mitsprache, sondern konkrete Wettbewerbsvorteile bietet.
Von individuellen Deckungskonzepten über digitale Tools bis hin zu praxisnahen Weiterbildungsangeboten: Die VEMA bündelt Expertise, Technologie und Marktmacht – immer mit dem Ziel, die unternehmerische Unabhängigkeit und Servicequalität ihrer Mitglieder zu sichern.
Herr Brunner, die VEMA ist genossenschaftlich organisiert. Was bedeutet dieses Modell konkret für die angeschlossenen Maklerbetriebe – jenseits eines klassischen Pools oder Dienstleisters?
Andreas Brunner: Eine Genossenschaft gehört ihren Mitgliedern – nicht Investoren, nicht externen Kapitalgebern, sondern nur den angeschlossenen Maklerunternehmen. Das ist kein formaler Unterschied, sondern ein struktureller. Unsere Mitglieder bestimmen die strategische Ausrichtung demokratisch mit und profitieren direkt vom wirtschaftlichen Erfolg. Wir arbeiten nicht für eine Renditeerwartung Dritter, sondern ausschließlich im Interesse unserer Makler. Wir bündeln Marktmacht, entwickeln eigene Konzepte und schaffen Mehrwerte – immer mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit jedes einzelnen Betriebs zu stärken.
Welche strategischen Leitplanken verfolgen Sie aktuell im Vorstand?
Brunner: Das lässt sich in drei Punkten zusammenfassen: Der Stärkung der unternehmerischen Unabhängigkeit unserer Mitglieder, die konsequente Qualitätsorientierung statt reinem Volumenwachstum und technologische Exzellenz als Effizienztreiber. Wir wollen der leistungsfähigste Maklerverbund in Deutschland bleiben.
Wachstum versus Qualität: Wie balancieren Sie Expansion mit nachhaltiger Mitgliederbetreuung?
Brunner: Unser Wachstum steht konsequent im Einklang mit unserem Qualitätsanspruch. Wir haben gezielt in den Ausbau unserer personellen Ressourcen investiert: mehr Außendienstmitarbeitende, mehr Akademie-Experten, eine stärkere Besetzung im Maklerservice sowie zusätzliche Fachkräfte im Backoffice. Gleichzeitig haben wir eine zweite und dritte Führungsebene etabliert, um klare Strukturen, schnelle Entscheidungswege und eine hohe Servicequalität sicherzustellen. Ein besonderer Fokus liegt auf persönlicher und qualitativer Betreuung.
Ein weiterer zentraler Baustein ist die Weiterbildung. Unsere Akademie organisiert bundesweit Präsenzseminare direkt bei den Maklern vor Ort sowie praxisorientierte Workshops in verschiedenen Veranstaltungsformaten. Ergänzend dazu verfügen wir über eine starke digitale Infrastruktur mit zwei TV-Studios sowie einer modernen Lernplattform.
Welche Produktsegmente zählen aktuell zu Ihren strategischen Schwerpunkten ?
Brunner: Unser strategischer Fokus liegt klar im Bereich Gewerbe und Industrie. Hier bauen wir unsere Rechnerlösungen konsequent weiter aus und entwickeln diese kontinuierlich weiter. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Cyber- und Spezialdeckungen. Im Haftpflichtbereich verfügen wir bereits über ein sehr gut ausgebautes Branchenmapping. Auch im Bereich Biometrie dürfen sich unsere Partner in diesem Jahr auf spannende Entwicklungen freuen.
Wie entwickeln sich Deckungskonzepte und Exklusivlösungen innerhalb der VEMA?
Brunner: Unsere eigenen Deckungskonzepte sind ein zentraler Wettbewerbsvorteil. Wir entwickeln sie gemeinsam mit ausgewählten Produktpartnern – praxisnah, bedarfsorientiert und mit einem klaren Fokus auf die Anforderungen unserer Makler und deren Kunden. Dabei werden die Konzepte regelmäßig überprüft und kontinuierlich weiterentwickelt. Gleichzeitig greifen wir die Anforderungen der Versicherungsgesellschaften auf, insbesondere im Hinblick auf digitale Abschlussstrecken und effiziente Schadenprozesse.
Wie unterscheidet sich die Zusammenarbeit mit Versicherern in einem genossenschaftlichen Verbund von klassischen Poolstrukturen?
Brunner: Die Zusammenarbeit mit Versicherern unterscheidet sich grundlegend. Während Pools häufig investoren- oder renditegetrieben organisiert sind, gehört eine Genossenschaft ihren Mitgliedern. Die Zusammenarbeit mit Versicherern orientiert sich daher primär an der Qualität der Produkte, der Stabilität der Partnerschaft und dem praktischen Nutzen für die Makler und ihre Kunden.
Digitalisierung ist für Makler längst Überlebensfaktor. Wo setzt die VEMA hier konkret an?
Brunner: Digitalisierung ist für Makler heute kein „Nice-to-have“, sondern ein klarer Wettbewerbsfaktor. Unser Ansatz bei der VEMA ist deshalb sehr praxisorientiert: Wir versuchen, möglichst viele zeitintensive Prozesse zu automatisieren und Datenflüsse für den Makler zu vereinfachen. Ein zentraler Baustein sind unsere VEMA-Tarifrechner. Wir setzen bewusst nicht auf klassische Vergleichsrechner, sondern auf Rechner, mit denen sich Tarife einzelner Versicherer möglichst vollständig und fachlich sauber berechnen lassen. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist VEMAoffice, unser eigenes Maklerverwaltungsprogramm, das wir unseren Mitgliedern im Rahmen der Genossenschaft kostenfrei zur Verfügung stellen. Abgerundet wird das Angebot durch eine Endkunden-App, über die Kunden jederzeit ihre Verträge einsehen, Schäden melden, Dokumente nachreichen oder weitere Anliegen direkt an ihren Makler richten können.
Was motiviert Sie persönlich in Ihrer Rolle im Vorstand der VEMA?
Brunner: Ich bin seit 46 Jahren in der Branche tätig – und keineswegs müde. Im Gegenteil: Mich begeistert dieser Beruf bis heute, weil wir jeden Tag einen echten Unterschied im Leben von Menschen machen können. Jedes Jahr werden rund 100 Milliarden Euro an Leistungen durch die Lebensversicherer ausgeschüttet. Diese Zahlen zeigen, welche enorme gesellschaftliche Bedeutung unsere Branche hat, um Altersarmut zu bekämpfen.Mich motiviert es, für jeden Kunden den richtigen Weg zu finden – individuell, verantwortungsvoll und nachhaltig. Es freut mich, weiterhin für unsere Makler und deren Kunden da zu sein und gemeinsam Lösungen zu gestalten. (hs)

Exklusiv
Nachgefragt bei Dennis Rahe, Haus Finanz Kontor









