„Qualität wird sich durchsetzen“

02.04.2013

Seit Beginn dieses Jahres leitet Stephanie Klomp die efonds Solutions AG in alleiniger Verantwortung. Die Vorstände John-Asmus Burmester und Bernhard Prasnow haben den Münchener Finanzvertrieb im Dezember 2012 verlassen.

Während Burmester bei efonds das Geschäft mit institutionellen Kunden ausbaute und in diesem Segment das Angebot von Dienstleistungen und IT-Plattformlösungen erweiterte, entwickelte Prasnow Produkte für Berater zur Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen aus Gewerbeordnung und Wertpapierhandelsgesetz. finanzwelt sprach mit Stephanie Klomp über die zukünftige Unternehmensausrichtung und über die Entwicklungen im Beteiligungsmarkt. Dabei verriet die efonds-Chefin auch, wie viele geschlossene Fonds einer Überprüfung durch den Finanzvertrieb standhalten und auf welche Faktoren es dabei ankommt.

finanzwelt: Welche Gründe gab es für das Ausscheiden von Herrn Prasnow und Herrn Burmester?

Klomp: Die Gründe waren rein privater Natur. Beide hätten weiter in der Unternehmensgruppe verbleiben können. Das Ausscheiden beider geschah einzig auf deren eigenen Wunsch, um neue berufliche Ziele verfolgen zu können. Wir haben das Ausscheiden bedauert.

finanzwelt: Frau Klomp, Sie verantworten ab sofort alle Vorstandsbereiche. Wieso wurden die beiden Vorstandsposten der Herren Prasnow und Burmester nicht neu besetzt?

Klomp: Ich bin jetzt alleiniger Vorstand in der efonds Solutions AG. Die Aufgaben der Herren Prasnow und Burmester liegen jetzt aber verteilt im Zuständigkeitsbereich mehrerer Führungspersonen, die auch schon lange bei efonds tätig sind: Hier ist neben Jürgen Singer als Geschäftsführer von efonds24, Keith Adeney für den Bereich IT-Plattform und Betrieb und Markus Riegel für das Produktmanagement und die Fondsdatenpflege zu nennen.

finanzwelt: Was wollen Sie am bisherigen Kurs des Unternehmens ändern, was beibehalten?

Klomp: Es besteht kein Grund, am bisherigen erfolgreichen Kurs der efonds Group als größter unabhängiger Dienstleister für Vertriebe im Bereich der geschlossenen Fonds signifikant etwas zu ändern. Allerdings: Die Marktkonsolidierung bei geschlossenen Fonds wird auch in diesem Jahr voranschreiten. Am Ende wird mit den vielen Neuregulierungen des Marktes Qualität verstärkt nachgefragt werden und sich auch durchsetzen. Im Vorgriff auf diese Entwicklung werden wir unsere vielseitigen Dienstleistungen für den Vertrieb und für die Anbieter weiter verbessern und ausbauen, damit unsere Partner für die kommenden qualitativen Anforderungen noch besser gewappnet sind und wir unserem eigenen hohen Qualitätsmaßstab weiter gerecht werden.

finanzwelt: Vermittler geschlossener Fonds müssen seit Anfang 2013 strengere gesetzliche Vorgaben erfüllen. Wie unterstützen Sie Ihre Vertriebspartner dabei?

Klomp: Wir haben unsere Vertriebspartner schon frühzeitig in 2012 auf die neuen Vorgaben und Anforderungen eingestellt. Sie erfüllen zum allergrößten Teil schon seit Monaten die gesetzlichen Voraussetzungen. Darüber hinaus haben wir unsere Vertriebspartner rechtzeitig mit allen notwendigen Formularen ausgestattet. Unsere Partner nutzen aber vor allem auch unseren elektronischen Beratungsprozess (eBeratung) sowie unsere weiteren modularen Dienstleistungen wie zum Beispiel Übernahme der Beratungsrückdeckung oder unsere Produkt-und Plausibilitätsprüfung.

finanzwelt: Der VGF Verband Geschlossene Fonds hat für 2012 auf dem diesjährigen Branchengipfel Anfang Februar in Frankfurt am Main einen Platzierungszuwachs von rund 30 % im institutionellen Geschäft gemeldet. Wie ist die Zusammenarbeit mit institutionellen Kunden für Ihr Haus im letzten Jahr verlaufen? Mit welcher zukünftigen Entwicklung rechnen Sie?

Klomp: efonds ist im Schwerpunkt nicht direkt für institutionelle Investoren tätig. Dieses Vermittlungsgeschäft erfolgt in aller Regel direkt und investmentbezogen zwischen Emissionshaus und dem speziellen Investor. Unser institutionelles Geschäft bezieht sich auf die vielseitigen und individuellen Dienstleistungen für Banken und andere Geldinstitute und deren Vermittlungsaktivitäten rund um den Lebenszyklus des geschlossenen Fonds. Dazu zählt beispielsweise das laufende Monitoring von Bestands-Fonds (unter anderem für das Risikomanagement) oder die Produkt- und Plausibilitätsprüfung von geschlossenen Fonds für die Banken.

finanzwelt: Sie haben gerade die Produkt und Plausibilitätsprüfung von Beteiligungsangeboten erwähnt: Welche Fondskategorien haben dort im letzten Jahr am besten abgeschnitten, welche am schlechtesten?

Klomp: Bei unseren Produkt- und Plausibilitätsprüfungen bekommen rund 60 % eine gute Note. Einzelkriterien sind unter anderem die Höhe der Investitionsquote, die Nachvollziehbarkeit in der Prognoserechnung, die Interessenidentität zwischen Fondsgesellschaft und Anleger oder das Sicherheitskonzept im Falle einer nötigen Rückabwicklung. Positive oder negative Ergebnisse gab es in allen Assetklassen. Eine Allgemeinaussage ist daher schwierig. Wir beobachten aber seit jeher, dass klassische, konservativ kalkulierte Immobilienfonds vielfach eher gute Prüfergebnisse bringen. Aber auch Flugzeugfonds erfahrener Emissionshäuser schneiden positiv ab. Besondere Prüfungsschwerpunkte sehen wir vor allem dann, wenn weiche Kosten zugunsten des Emissionshauses zu hoch ausfallen, Prognosen zu optimistisch gerechnet sind oder die Zielmärkte hohe Schwankungen aufweisen.

efonds Group

Die efonds Group mit Sitz in München ist ein Spezialvertrieb für geschlossene Fonds und Dienstleister für die Verwaltung des Fondsgeschäfts bei Banken, Vertrieben und Emissionshäusern, dessen Anfänge auf das Jahr 1994 zurückreichen. Über die efonds24 GmbH stellt das Unternehmen Informationen zum Beteiligungsmarkt zur Verfügung und bietet seinen Vertriebspartnern eine Plausibilitätsprüfung unterschiedlicher geschlossener Fonds aus dem Gesamtbestand der Neuemissionen. Die efonds Solutions AG entwickelt und betreibt IT-Lösungen sowie individuelle Plattformen für Finanzvermittler und institutionelle Partner. 2011 setzte die efonds Group eigenen Angaben zufolge insgesamt 320 Mio. Euro Eigenkapital als Transaktionsvolumen mit 1.943 freien sowie institutionellen Vertriebspartnern um. Hauptgesellschafter der Unternehmensgruppe sind die Emissionshäuser MPC Capital AG, HCI Capital AG und Nordcapital GmbH.

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Das Gespräch führte Andries Nürnberger_

Interview mit Stephanie Klomp - Printausgabe 02/2013