Teamentwicklung im Finanzdienstleistungsunternehmen
24.03.2026
Christian Polz - Foto: Copyright teampolz.de
Auch Finanzdienstleistungsunternehmen stehen unter Transformationsdruck und vor der Herausforderung, disruptive Veränderungen zu bewältigen. Wie gelingt es, Teams und Vermittler zu motivieren, die Transformation offensiv mitzugestalten? Darum geht es in dem Beitrag von Christian Polz.
Ein eher hierarchisch geführter Finanzvertrieb befindet sich im Transformationsprozess. Bisher standen Anweisungen und Vorgaben sowie Wenn-dann-Deals im Vordergrund, nach dem Motto „Wenn ihr im Team den Umsatz um x Prozent steigert und xy Neukunden akquiriert, gibt es diesen Bonus und jenes Incentive als Anerkennung“. Nun werden flache Hierarchien eingezogen. Die Vermittler sollen im Team verstärkt eigene Entscheidungen treffen, mehr Verantwortung übernehmen und ihre Arbeit selbst organisieren. Zudem ist geplant, KI einzusetzen. Des Weiteren soll die Kompetenz aufgebaut werden, vor allem mit jüngeren Kunden online zu kommunizieren.
Um das Team und die Mitarbeitenden für den Transformationsprozess zu begeistern und ihre aktive Unterstützung zu erhalten, werden bestimmte Maßnahmen auf der sogenannten WE-Journey umgesetzt. WE-Journey meint: Die Maßnahmen zahlen vor allem auf der Teamebene ein.
Maßnahme 1: Transformations-Meeting durchführen
Mensch tragen Veränderungen eher mit, wenn sie deren Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit erkennen und akzeptieren können. Darum findet ein Meeting statt, in dem die Teammitglieder erfahren, warum die Transformation erforderlich ist. Sie stellen Fragen und lernen in einer offenen und transparenten Atmosphäre die Auswirkungen und Folgen der Transformation zu mehr Eigenverantwortung kennen. Sie können genau einschätzen, was sie erwartet, und den Nutzen, aber auch die Nachteile für ihren Arbeitsplatz und sie selbst einordnen.
Maßnahme 2: Mit Transformationsnarrativ arbeiten
Transformationsnarrative erzählen auf eine motivierende Weise, warum eine umfassende Veränderung richtig und wichtig ist. Dazu werden Sinn und Zweck der Transformationsreise in eine Orientierung bietende Story verpackt, die an eine Heldenreise erinnert: Eine Person oder ein Team durchlebt eine spannende Entwicklungsgeschichte mit all ihren Aufs und Abs: Aufbruch, Abenteuer, Weiterentwicklung, Herausforderungen, Rückschläge, Wendepunkt, Mentor, Zielerreichung, gelungene Transformation. Wer sein Transformationsnarrativ mithilfe von Storytelling bildhaft zu veranschaulichen versteht, wird Teammitglieder begeistern können.
Maßnahme 3: Feh-Ler-n-Kultur etablieren
In jedem Veränderungsprozess geschehen Fehler. Es gibt Rückschritte und Fehlentwicklungen. Entscheidend ist der Umgang damit. Zielführend ist es, einen Fehler als Anstoß zu einem Lernprozess zu sehen. Natürlich – er soll sich nicht wiederholen, er darf aber auch nicht verteufelt werden. Vielmehr wird er als unvermeidliches Resultat auf dem Weg zum Ziel interpretiert. Und das bedeutet: Aus Fehlern resultieren Lernchancen und Katalysatoren für Wachstum und Weiterentwicklung.
Maßnahme 4: Mit Feed-Forward-Methode agieren
Bei der Feed-Forward-Methode handelt es sich um mehr als eine Alternative zum bekannten Feedback. Während es bei Letzterem vor allem um eine Rückmeldung zu Ereignissen, Entwicklungen und Fehlern geht, die in der Vergangenheit liegen, fokussiert sich die Feed-Forward-Methode auf zukünftige Verbesserungen. Feed-Forward heißt, eine Zukunftsperspektive einzunehmen und nicht auf Fehlern herumzureiten, sondern im Transformations-Meeting mit den Teammitgliedern zu diskutieren, was in Zukunft auf welche Art und Weise besser laufen soll, um die Transformation zu stemmen.
Maßnahme 5: Delegationsmanagement verstärken
Wer lernen soll, mehr Verantwortung zu übernehmen, benötigt entsprechende Aufgaben, die dann in Eigenregie wahrgenommen und erledigt werden. Das gilt auch für Teammitglieder. Der Finanzdienstleister überträgt dem Team immer mehr Verantwortung, bis hin zur Budgetverantwortung. Die Teammitglieder treffen immer öfter eigene Entscheidungen – für die sie dann natürlich auch gerade stehen müssen. Die Erfahrung zeigt: Ein funktionierendes Delegationsmanagement fördert die Eigenständigkeit des Teams.
Maßnahme 6: Transformationserfolge teamisieren
Oft werden Erfolge individualisiert und Einzelpersonen zugeschrieben. Die „Mitarbeiterin“ oder den „Mitarbeiter des Monats“ gibt es überall – vom „Team des Monats“ oder von der „Teamleistung des Monats“ hört man seltener. Der Finanzdienstleister beschließt, ab sofort dezidiert zu betonen und hervorzuheben, wenn sich ein Topergebnis vor allem oder gar allein aufgrund einer Teamleistung erzielen ließ. Und zwar mit Begründung, denn ein Pauschallob wird nicht gehört und bringt wenig Motivationsenergie. Die Teamisierung von Transformationserfolgen hingeben bewirkt oft einen kräftigen Motivationsschub. Die Vermittler erkennen, dass nicht nur die persönliche Leistung zählt, sondern auch die Teamperformance.
Maßnahme 7: Vorbildfunktion nutzen
Die Führungskräfte des Finanzdienstleisters besinnen sich auf ihre Vorbildfunktion und gehen als leuchtende Vorbilder, als Leuchttürme voran. Sie beschreiben im Meeting, wie sie Transformationsherausforderungen bewältigt haben, und leben den Vermittlern vor, wie sie optimistisch und konstruktiv mit dem transformationalen Abenteuer umgehen. Zur Nachahmung empfohlen!
Zu guter Letzt: Teamspirit entfachen
Die Maßnahmen kulminieren in der Entstehung eines Teamspirits. Eine eingeschworene Gemeinschaft entsteht, in der alle Vermittler daran arbeiten, gemeinsam Ziele zu erreichen. Wichtige Voraussetzung dafür ist, die sogenannten Flow-Bremser zu entlarven. Nach den Flow-Experten Nadja Schnetzler und Laurent Burst sind dies zum Beispiel Konflikte, Überforderung, der Hang zum Perfektionismus und uneffektive Meetings ohne Ergebnisorientierung. All dies verhindert Flow – und damit Teamspirit. Darum gilt es, die größten Flow-Bremser zu identifizieren und auszuschalten und zum Beispiel ein konstruktives Konfliktmanagementsystem zu installieren, eine produktive Kritikkultur umzusetzen, Überforderung zu vermeiden und Meetings effektiver auszurichten.
Mein Tipp: Am besten, Sie fangen damit gleich beim nächsten Transformations-Meeting an!
Gastbeitrag von Christian Polz, Gründer und Inhaber von Team-Polz in München.

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