Trotz Nahostkonflikt Exportwachstum erwartet

10.04.2026

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Deutsche Exporteure bleiben in den aktuell sehr herausfordernden Zeiten überraschend optimistisch: Acht von zehn Unternehmen (83 %) rechnen trotz der Eskalation des Konflikts im Nahen Osten mit steigenden Exportumsätzen. Damit sind sie zuversichtlicher als ihre weltweiten Pendants (75 %). Die meisten deutschen Unternehmen (41 %) erwarten in den kommenden zwölf Monaten ein moderates Exportwachstum (um 2-5 %).

Gleichzeitig sind die deutschen Exporteure in Bezug auf den US-Handelskrieg pessimistischer als direkt nach dem „Liberation Day“: Rund die Hälfte der Unternehmen (49 %, +2pp) erwartet auch 2026 negative Folgen. Damit sind sie deutlich skeptischer als ihre europäischen Pendants (39-44 %). Nur chinesische Unternehmen sind mit 50 % noch pessimistischer.

„Der Widerstandsfähigkeit der deutschen Exporteure stehen große Risiken gegenüber“, sagt Dr. Björn Griesbach, Head of Macroeconomic and Capital Markets Research bei Allianz Trade. „Angesichts des US-Handelskriegs und der Eskalation im Nahen Osten sind geopolitische Unsicherheiten (67 %) wenig überraschend erneut das Top-Risiko, das deutsche Exporteure um den Schlaf bringt, gefolgt von Lieferkettenrisiken. Fast die Hälfte der deutschen Exportunternehmen geht zudem von einer schlechteren Zahlungsmoral (47 %) und steigenden Zahlungsausfällen aus (40 %) aus.“

Deutsche Unternehmen warten aktuell ab, bevor sie drastische Maßnahmen ergreifen. Seit der Pandemie sahen sie sich mehreren aufeinanderfolgenden Krisen gegenüber. Dies hat ihre Widerstandsfähigkeit gestärkt und sie fühlen sich offenbar besser gewappnet, den neuen Herausforderungen zu begegnen.

„Geopolitische Unsicherheiten sind die neue Normalität – und deutsche Exportunternehmen zeigen sich nach einem erneuten Schock relativ widerstandsfähig“, sagt Griesbach. „Dass sie flexibel auf neue Herausforderungen reagieren können, haben sie schon seit Beginn des Handelskriegs bewiesen: Acht von zehn Unternehmen (80 %) haben seitdem ihre Handelsrouten und Lieferketten angepasst. Allerdings erwartet knapp die Hälfte der Unternehmen angesichts der drohenden Exportverluste und dem zunehmenden Wettbewerb aus China weiterhin negative Folgen (49 %) und denkt deshalb angesichts der aktuellen geopolitischen Konflikte über weitere Anpassungen von Warenströmen nach (47 %).“

Im Fokus der geplanten Maßnahmen als Reaktion auf geopolitische Unsicherheiten stehen jedoch das sogenannte „Friendshoring“, also der Ausbau von Marktanteilen in geopolitisch „befreundeten“ Ländern (52 %), die Entwicklung neuer Produkte (51 %) sowie die Stärkung von lokalen Partnerschaften und dem eigenen Risikomanagement (je 50 %). Etwa 40 % der befragten deutschen Exportunternehmen überdenkt oder verzögert zudem Pläne von Produktionsstätten im Ausland. (mho)

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