USA – attraktiv wie nie?
10.04.2026

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Seit einiger Zeit wird über Zinssenkungen in den USA debattiert, doch die könnten noch auf sich warten lassen. Dies ist aber nun kein Grund, weshalb Anleger dem US-Aktienmarkt nun den Rücken kehren sollten, im Gegenteil.
Wie erwartet ist die zurückliegende Notenbanksitzung der US-amerikanischen Fed Ende Januar „ergebnislos“ geblieben, sprich erfolgte keine Zinssenkung. Das hat nicht wirklich überrascht, muss die Fed doch gewissenhaft abwägen. Sie ist einerseits dazu angehalten, die Preise im Land stabil zu halten, also die Inflation im Auge zu haben. Dabei verfolgt sie ähnlich wie die Europäische Zentralbank (EZB) eine langfristige „gesunde“ Inflation von zwei Prozent im Jahr. Andererseits soll sie eine „maximale“ Beschäftigung im Land anstreben, also möglichst wenig Arbeitslose. Anders als die EZB hat die Fed hat demnach zwei Mandate.
Kein Spielraum für Zinssenkungen
Stellt man diese beiden Punkte in den Fokus, hatten die Verantwortlichen Ende Januar in der Tat keinen Spielraum für Zinssenkungen. Die Inflation lag im Februar auf das Jahr hochgerechnet bei 2,7 Prozent – und damit deutlich über dem langfristigen Inflationsziel von zwei Prozent. Zinssenkungen hätten hier absolut keinen Sinn gemacht, ganz im Gegenteil, sie hätten die Inflation sogar eher noch angeheizt. Und die Arbeitslosenquote?
Sie sank im Januar auf 4,3 Prozent, nach 4,4 Prozent im Vormonat. Nun, die monatlichen Schwankungen sind hier nicht so wichtig, entscheidender ist, dass die Arbeitslosenquote seit einiger Zeit sehr niedrig ist. Nicht „historisch“ niedrig, aber eben doch so, dass man davon ausgehen kann, dass der US-Wirtschaftsmotor recht rund läuft. Die Unternehmen brauchen derzeit an der Zinsfront keine Entlastung.
Natürlich hätte man die Zinsen etwas senken können, das hätte an der Börse vermutlich für gute Stimmung gesorgt und die Unternehmen zusätzlich gefreut; aber die Fed handelt klug, wenn sie ihr „Pulver“ nicht verschießt. Getreu dem Motto „Die nächste Krise kommt bestimmt, dann werden wir um jede mögliche Zinssenkung froh sein“ wartet sie ab. Und das ist richtig so.
Trumps Wunsch nach niedrigeren Zinsen
Richtig auch unter dem Aspekt der Unabhängigkeit. Es ist kein Geheimnis, dass sich USPräsident Donald Trump deutlich niedrigere Zinsen wünscht. Auf seinem Social-MediaKanal wettert er immer wieder gegen die Fed, bezeichnet sie als unfähig. Über die Wucht seiner Kritik könnte man staunen, sie wird aber verständlich, wenn man Trumps Programm „Make America great again“ berücksichtigt. Die Rückkehr Amerikas zur alten Stärke, was immer das konkret heißen soll, soll unter anderem durch eine Schwächung des US-Dollars passieren. Je schwächer der Dollar, desto günstiger amerikanische Exporte ins Ausland, desto mehr Wachstum im Land, soweit Trumps Kursfassung. Doch die Fed macht nicht mit – und das ärgert Trump gewaltig.
Steigende Ölpreise sprechen gegen Zinssenkungen
Dabei könnten Zinssenkungen noch einige Zeit auf sich warten lassen. Vor allem der nun eskalierende Konflikt mit dem Iran macht schnelle Zinssenkungen eher unwahrscheinlich. Im Blickpunkt steht hier vor allem der Ölpreis. Bereits unmittelbar nach den ersten Angriffen auf Ziele im Iran sind die Ölpreise an den Terminbörsen kräftig gestiegen. Dabei spielt das iranische Öl und mögliche Produktionsausfälle keine so wesentliche Rolle, da der Iran ohnehin mit Embargos belegt kaum Öl auf den internationalen Markt gebracht hat. Vielmehr ließ die Ankündigung Teherans, die Straße von Hormus zu sperren, die Rohstoffmärkte erzittern. Ein großer Teil der globalen Ölhandels läuft nämlich durch diesen Engpass. Schafft es der Iran, die Meersenge auf Dauer zu sperren, dürften die Ölpreise weiter steigen, was die Inflation anheizen könnte.
Ob sich die Lage bis zum 17. und 18. März entspannt hat, bleibt abzuwarten; an diesen beiden Tagen trifft sich die Fed erneut zu einem Treffen, um über die Zinsen zu sprechen.
Zinssenkungen ab Mitte 2026
Doch aufgeschoben ist ja bekanntlich nicht aufgehoben. Ein paar Punkte sprechen dann schon dafür, dass die Zinsen im laufenden Jahr fallen, eventuell dann erst aber in der zweiten Jahreshälfte. So hat man berechnet, dass ein Krieg gegen den Iran die Weltwirtschaft belasten wird. „Sollte der Iran zum Kriegsschauplatz werden, könnten die Kosten für die Weltwirtschaft in Form von Produktionsausfällen über einen Zeitraum von fünf Jahren bis zu 1,7 Billionen US-Dollar betragen“, schreibt etwa das Kieler Institut für Weltwirtschaft. Das ist nicht viel, weil der Iran eben wie gesagt ohnehin kaum in der Weltwirtschaft integriert ist, aber eben auch nicht nichts.
Die Notenbanken könnten auf eine Schwächung der Weltwirtschaft durchaus mit Zinssenkungen reagieren. Für eine Zinssenkung in der zweiten Jahreshälfte spricht auch der anstehende Machtwechsel an der Fed-Spitze. Mit Kevin Warsh hat Donald Trump einen neuen Kandidaten ins Spiel gebracht. Der lange als „Falke“, als Verfechter einer strengen Geldpolitik geltende Warsh ist zuletzt vor allem durch Forderungen nach Zinssenkungen aufgefallen. Woher der plötzliche Sinneswandel kommt, wissen wir nicht, aber nach seiner möglichen Ernennung im Mai wird die Wahrscheinlichkeit für Zinssenkungen wohl nicht unbedingt kleiner. Bleiben wir also weiter auf
Beobachtungskurs. Wir gehen davon aus, dass die Zinsen unter dem Strich zum Jahresende unter dem aktuellen Niveau von 3,75 Prozent liegen werden. Die Aussichten für den Aktienmarkt in den USA bleiben also gut – und zwar selbst dann, wenn die Fed womöglich noch länger die Füße stillhält.
Stockpicking ist zu bevorzugen
Fakt ist: Die USA werden laut dem Internationalen Währungsfonds mit einem prognostizierten BIP-Plus von 2,1 Prozent ein weitaus höheres Wachstum aufweisen als die Eurozone mit 1,1 Prozent. Richtig ist auch, dass zwischen New York und Los Angeles die nach wie vor größten und innovativsten Unternehmen ihre Heimat haben. Und: Seit dem US-israelischen Angriffs auf den Iran hat der Dollar zum Euro kräftig aufgewertet; denn der Dollar genießt demnach in Krisenzeiten nach wie vor das Vertrauen vieler Investoren. Und: Gewinnt der Dollar an Wert ist das auch für deutsche Anleger gut.

Marktkommentar von Dr. Markus C. Zschaber, Gründer der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft in Köln.

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