Vermögensverwalter fürchten Kundenverlust bei Erbschaften
14.04.2026

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Für 1,1 Milliarden Babyboomer begann in diesem Jahr ihr neuntes Lebensjahrzehnt, und bis 2045 sollen allein in den USA Vermögen von mehr als 84 Billionen US-Dollar auf die nächste Generation übergehen. Schon diese beiden Zahlen zeigen auf, vor welch großem Umbruch Vermögensverwalter und -berater stehen. Laut dem „Great Wealth Transfer Report“ fürchten 46 Prozent der Berater eine existenzielle Bedrohung für ihr Geschäft, und ein Drittel (33 %) gibt bereits an, dass sie aufgrund des Generationswechsels erhebliche Vermögenswerte verloren haben. Die Studie, für die Natixis Investment Managers 2.700 Berater weltweit befragte, gibt Hinweise darauf, wie sie den großen Vermögensübergang managen sollten.
Wenn es darum geht, wer ihr geerbtes Vermögen verwalten soll, zeigen sich Unterschiede zwischen den Generationen: Während die mit einem Alter zwischen 62 und 82 Jahren dem Erblasser am nächsten stehenden Babyboomer einen neuen Verwalter bevorzugen oder das Vermögen sogar schon verlagert haben (66 %), halten jüngere Anleger eher am bisherigen Kurs fest. 48 Prozent der Anleger der Generation X (Alter 46–62) geben an, dass sie ihr Vermögen dort belassen werden, wo es ist, und bei den Millennials (50 %) ist die Wahrscheinlichkeit ebenso hoch. Tatsächlich berichten auch die Berater selbst, dass sie das Vermögen nur in der Hälfte der Fälle (50 %) behalten, wenn Erben der nächsten Generation erben.
Wenn Kunden den Berater wechseln, hat das laut einer anderen Befragung unter 7.050 Anlegern in 21 Ländern („Natixis Investment Managers Global Survey of Individual Investors“, 2025) weniger mit der Performance zu tun, als man gemeinhin glaubt. Nur 8 Prozent der befragten Privatanleger gaben darin an, dass sie gehen würden, weil der Berater das Geld ihrer Eltern nicht gut verwaltet habe. Hingegen sagten 25 Prozent „Ich habe keine Beziehung zu ihm“. Umgekehrt wollen 30 Prozent der Anleger beim gleichen Verwalter blieben, weil sie ihn bereits kennen und seinem Rat vertrauen würden. Daher sagen 76 Prozent der befragten Berater, dass die beste Strategie zur Vermögensbindung der Aufbau langfristiger Beziehungen innerhalb der Familie ist. Auch das Eingehen auf unterschiedliche Präferenzen und Risikoprofile zwischen den Babyboomern und den Erbengenerationen spielt eine Rolle.
So sind zum Beispiel Millennials (Alter 30–45) am wenigsten konservativ: 75 % geben an, dass sie die Chance haben möchten, den Markt in punkto Rendite zu schlagen. Millennials (61 %) und Angehörige der Generation X (55 %) halten Investitionen in Private Assets für eine gute Möglichkeit, Risiken in ihren Portfolios zu steuern – eine Ansicht, die nur 42 % der Babyboomer teilen. Sie glauben, dass sie durch Investitionen ausschließlich in öffentliche Märkte die besten Chancen verpassen, wie sie beispielsweise ungelistete Wachstumsunternehmen wie SpaceX und OpenAI bieten (44 % der Millennials, 36 % der Generation X und 23 % der Babyboomer). Allerdings gibt es nach wie vor Unwissen über die Besonderheiten von Private Assets. So glauben auch 61 % der Millennials und 57 % der Anleger der Generation X, dass Private Assets wie Aktien täglich bewertet werden.
Patrick Sobotta, Geschäftsführer von Natixis IM für Mittel- und Osteuropa: „In dem Maße, in dem Anlagen in Private Assets in den Portfolios der Anleger an Bedeutung gewinnen, wird auch der Bedarf an Aufklärung größer. Schon vor zwei Jahren haben wir deshalb die „Private Assets Academy“ gegründet Mit zwölf Private Asset Days in acht Städten haben wir seither rund 1.000 Entscheider und Berater aus Banken und Family Offices mit Experten aus der Branche in den Dialog gebracht und tragen wesentlich zur „Demokratisierung“ dieser Assetklasse bei.“ (fw)

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