Wie knappe Satellitenfrequenzen Investmentchancen eröffnen

14.10.2026

Evelyn Chow - Foto: Copyright Neuberger

Die Zahl der aktiven Satelliten in der Erdumlaufbahn hat sich seit 2020 etwa verfünffacht – von rund 3.400 auf heute mehr als 16.000. Verantwortlich dafür ist vor allem der Ausbau von Satellitennetzwerken für die Breitbandkommunikation in niedrigen Erdumlaufbahnen. Zugleich gewinnt die direkte Kommunikation zwischen Satelliten und Smartphones an Bedeutung. Die dafür besonders geeigneten Funkfrequenzen sind jedoch knapp und werden bereits für zahlreiche andere Anwendungen genutzt. Evelyn Chow, Portfoliomanagerin bei Neuberger, erläutert, was das für die Weltraumwirtschaft bedeutet – und wo sich Chancen für Investoren eröffnen.

„Funkfrequenzen gehören zu den knappsten Ressourcen der Weltraumwirtschaft, sie sind begrenzt verfügbar und ihre Nutzung ist reguliert. Die entsprechenden Nutzungsrechte entscheiden darüber, wer Daten an Mobiltelefone, Schiffe, Drohnen oder Sensoren übertragen darf. Dabei eignen sich nicht alle Frequenzen gleichermaßen für jede Anwendung. Das zeigt sich besonders bei der direkten Kommunikation zwischen Satelliten und Smartphones. Smartphones haben kleine Antennen und eine eingeschränkte Sendeleistung. Für eine zuverlässige Verbindung sind deshalb vor allem niedrigere Frequenzbereiche geeignet. Höhere Frequenzen ermöglichen zwar größere Übertragungskapazitäten, stellen aber höhere Anforderungen an die Antennentechnik und sind teilweise anfälliger für Störungen durch Regen oder Hindernisse.

Das Problem: Die niedrigen und mittleren Frequenzbereiche werden seit Jahrzehnten für zahlreiche andere Anwendungen genutzt – vom klassischen Mobilfunk über Rundfunk, Luftfahrt und staatliche sowie militärische Kommunikation. Hinzu kommen die etablierten Satellitenbetreiber, denen vor vielen Jahren entsprechende Frequenzen zugewiesen wurden.

Für den Ausbau des terrestrischen 5G-Mobilfunks konnten in den Jahren 2019 und 2020 große zusätzliche Frequenzbereiche im höheren Spektrum bereitgestellt werden. Bei den für die direkte Satellitenkommunikation mit Smartphones besonders geeigneten niedrigeren Frequenzen sind die Möglichkeiten hingegen deutlich begrenzter. Entsprechend knapp sind die verfügbaren Kapazitäten. Bestehende Frequenznutzungsrechte werden daher immer wertvoller. Unternehmen wie EchoStar, Iridium und Ligado verfügen über solche Rechte, die für neue Satellitenkommunikationsdienste von erheblichem strategischem Interesse sind.

Frequenzrechte treiben Transaktionen

Wie begehrt diese Frequenzen sind, zeigen die zahlreichen Transaktionen im Satellitensektor. EchoStar hat vereinbart, Frequenznutzungsrechte im Wert von insgesamt rund 42,6 Milliarden US-Dollar an AT&T und SpaceX zu verkaufen. Das Unternehmen selbst bleibt unabhängig und veräußert lediglich Teile seines Frequenzportfolios. AST SpaceMobile und Ligado haben dagegen eine langfristige Vereinbarung über die Nutzung von Frequenzen geschlossen, ohne dass Frequenznutzungsrechte verkauft wurden.

Bei anderen Transaktionen werden gleich ganze Satellitenbetreiber übernommen. Beispiele dafür sind der Kauf von Inmarsat durch Viasat und Intelsat durch SES sowie die geplante Übernahme von Globalstar durch Amazon. Die Frequenznutzungsrechte der übernommenen Unternehmen gehören zum Gesamtpaket.

Ein weiteres Beispiel ist die im Juni 2026 angekündigte Übernahme von Iridium durch Rocket Lab für rund acht Milliarden US-Dollar. Damit würde Rocket Lab Zugang zum Satellitennetzwerk von Iridium mit 66 Satelliten und mehr als 2,5 Millionen Kunden sowie zu dessen international abgesicherten Frequenznutzungsrechten im L-Band erhalten. Gerade diese Frequenzrechte gelten als strategisch besonders wertvoll, da Rocket Lab sich einen vergleichbaren Zugang nicht ohne Weiteres selbst verschaffen könnte.

So unterschiedlich die Transaktionen auch sind: Unternehmen sichern sich dadurch den Zugang zu knappen Funkfrequenzen – entweder durch den direkten Erwerb entsprechender Nutzungsrechte oder durch den Kauf eines Unternehmens, das darüber verfügt.

Was das für Anleger bedeutet

Für Investoren sind aus unserer Sicht insbesondere Unternehmen interessant, die bereits über Frequenznutzungsrechte verfügen und als Partner für solche Transaktionen infrage kommen. Entscheidend ist dabei der Wert der zugrunde liegenden Rechte: Wer verfügt über die Lizenzen und wie gut ist diese Position durch die bestehenden regulatorischen Rahmenbedingungen abgesichert?

Doch auch Unternehmen, die sich entsprechende Frequenzrechte durch Zukäufe sichern, sind für Investoren interessant. Unternehmen wie SpaceX, Rocket Lab oder Amazon investieren gezielt in den Zugang zu knappen Frequenzen. Sie nutzen ihre finanziellen Ressourcen, um sich strategische Positionen aufzubauen, die Wettbewerber in absehbarer Zeit kaum erreichen können. Der Zugang zu geeigneten Funkfrequenzen kann damit einen erheblichen Wettbewerbsvorteil in der Raumfahrtwirtschaft darstellen.“