Anleihen unter Druck: Inflation überlagert Safe-Haven-Effekt

18.03.2026

Angesichts der aktuellen geopolitischen Lage stehen vor allem Öl und Aktien im Mittelpunkt. Doch festverzinsliche Wertpapiere verdienen ebenso viel Aufmerksamkeit: Seit der Eskalation des Krieges der USA und Israels gegen den Iran Ende Februar haben die Anleihemärkte komplexer reagiert, als man es normalerweise bei einem geopolitischen Schock erwarten würde. US-Staatsanleihen profitierten zunächst von der Nachfrage nach sicheren Häfen, diese schwand jedoch rasch, als höhere Ölpreise die Inflationssorgen befeuerten. Infolgedessen sind die Renditen von Staatsanleihen wieder gestiegen. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen beispielsweise liegt derzeit bei rund 4,25 Prozent.

Kurzlaufende Anleihen haben am stärksten gelitten

Kurzlaufende Anleihen sind am stärksten unter Druck geraten. Hauptgrund dafür war die drastische Änderung der Zinserwartungen: Die Märkte haben die Aussicht auf kurzfristige Zinssenkungen zurückgeschraubt und stellenweise sogar begonnen, das Risiko einer erneuten Straffung einzupreisen. In Europa war diese Verschiebung besonders am kurzen Ende der Kurve sichtbar, wo die Inflationssensitivität nach wie vor hoch ist und die Energiepreise eine wichtige makroökonomische Variable darstellen.

Energieabhängigkeit macht Staatsanleihen anfälliger

Auch die Märkte für Unternehmensanleihen zeigen zunehmend Anzeichen von Anspannung. Zwar sind die Spreads von Investment-Grade-Anleihen bislang vergleichsweise stabil geblieben, doch risikoreichere Marktsegmente geraten zunehmend unter Druck. Dahinter steht die Sorge der Anleger, dass anhaltende Störungen bei Energieversorgung und Handelsrouten das Wachstum spürbar bremsen könnten. Besonders anfällig ist Europa, wo der Konjunkturausblick bereits fragil ist und höhere Energiepreise die Abschwächung weiter zu verschärfen drohen.

Die stärkere Abhängigkeit Europas von Energieimporten macht es deutlich verwundbarer als die Vereinigten Staaten – und diese relative Anfälligkeit spiegelt sich in allen Anlageklassen wider. Gleichzeitig geraten die Schwellenländer zusätzlich unter Druck, weil Kapitalzuflüsse schwächer und Investoren risikoscheuer werden. Bei den Staatsanleihen sind jene Länder besonders anfällig, die eine geringere Energiesicherheit aufweisen und deren Märkte weniger liquide sind. Dort ist die Gefahr einer weiteren Ausweitung der Spreads besonders groß.

Energie profitiert, Finanzwerte und Technologie fallen zurück

Der Energiesektor bleibt der klare Profiteur des Ölpreisschocks, während Finanzwerte und Technologietitel zurückbleiben. Belastend wirken vor allem die hohe Zinsvolatilität und das eingetrübte makroökonomische Umfeld. Das allgemeine Marktbild bleibt uneinheitlich. Für Fixed-Income-Anleger bleibt die Kernbotschaft jedoch eindeutig: Treiber der Entwicklung ist inzwischen weniger die Flucht in sichere Häfen als vielmehr der Inflationsschub durch höhere Energiepreise – und die damit verbundene Neubewertung des geldpolitischen Ausblicks.

Überreaktion ist fehl am Platz

Konservative Anleger sollten Ruhe bewahren: Ein Großteil des Abwärtsrisikos ist unter der Annahme eines langwierigen Konflikts bereits eingepreist. Sollte es in den kommenden Tagen Anzeichen für eine Entspannung geben, könnten sich die Marktbewegungen der vergangenen Woche zumindest teilweise umkehren. Das würde Chancen eröffnen, von denen Anleger profitieren könnten.

Marktkommentar von  Daniel Loughney, Anleihechef bei Mediolanum International Funds