Belastung statt Entlastung
10.02.2026

Fabian Platzen, General Manager bei iwoca /Foto: © iwoca
Die Unzufriedenheit im deutschen Mittelstand mit der dringend notwendigen staatlichen Entlastung erreicht einen neuen Tiefpunkt. Nur fünf Prozent der Finanzierungsexpert*innen sieht in den Entlastungspaketen des Merz-Kabinetts eine echte Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen (KMU).
Im zweiten Quartal 2025 beurteilten noch 39 Prozent der befragten Expert*innen die geplanten Maßnahmen der schwarz-roten Bundesregierung als positiv. Das zeigt der aktuelle iwoca KMU-Index, eine Befragung unter Finanzierungsexpert*innen, Kreditvermittler*innen und Banken, die im letzten Quartal 2.600 KMU-Kreditanfragen bearbeitet haben. Der KMU-Index beleuchtet vierteljährlich die aktuellen Trends und Erwartungen im KMU-Finanzierungsmarkt.
Fast drei Viertel der Finanzierungsexpert*innen (69 Prozent) bewerten die aktuelle Wirtschaftspolitik als belastend für kleine und mittlere Unternehmen. Diese negative Einschätzung spiegelt sich auch in der Prognose für das begonnene Wirtschaftsjahr wider: knapp vier von zehn Befragten (38 Prozent) blicken pessimistisch auf die kommenden Monate, während lediglich 24 Prozent zuversichtlich sind.
Als drängendste Maßnahme identifizieren die Expert*innen mit 77 Prozent den Abbau von Bürokratie sowie vereinfachte Verwaltungsprozesse. Daneben werden ein besserer Zugang zu Finanzmitteln (63 Prozent) sowie Steuersenkungen (45 Prozent) als essenzielle Hebel genannt, um die Investitionsbereitschaft des Mittelstands wieder zu beleben. Aktuell werden die Betriebe von einer gefährlichen Dynamik belastet: Steigende laufende Kosten (23 Prozent), gepaart mit einem erschwerten Zugang zu Finanzmitteln (20 Prozent) stellen laut den Befragten die größten Sorgen der Unternehmen dar. Gleichzeitig verhärten sich die Fronten bei der Kapitalbeschaffung.
Thomas Stanner, Chief Product Officer des Finanzierungsspezialisten DFKP, analysiert die Marktlage im Rahmen der Befragung wie folgt: „Für KMU ist der Finanzierungsmarkt für klassische Bankkredite aktuell zweigeteilt. Während für gute Bonitäten Liquidität vorhanden ist, wird es für saisonale Branchen oder bei schwächeren Ergebnismargen schnell eng. Parallel dazu ziehen steigende Unternehmensinsolvenzen die Risikoprämien im KMU-Segment nach oben. Bankenunabhängige Finanzierungslösungen spielen daher eine immer wichtigere Rolle, besonders wenn es ums Tempo geht.“
Trotz des schwierigen Umfelds ist der Finanzierungsbedarf ungebrochen hoch. Die Hälfte (50 Prozent) der von iwoca befragten Expert*innen berichtet von einem Anstieg der Anträge für unbesicherte Finanzierungen im Vergleich zum Vorquartal. Diese Nachfrage trifft jedoch auf einen Bankensektor, der sich zunehmend von KMU-Kunden distanziert. 81 Prozent stufen das aktuelle Kreditvergabe-Verhalten der Großbanken als zurückhaltend ein, 38 Prozent berichten zudem von steigenden Ablehnungsquoten. Für die nähere Zukunft wird keine Entspannung erwartet, da mehr als drei Viertel (77 Prozent) der Befragten von einer weiter steigenden Finanzierungsnachfrage im KMU-Segment ausgehen.
„Die Daten sind ein Alarmsignal. Wir sehen eine deutliche Diskrepanz zwischen dem unternehmerischen Willen, durch Investitionen auf wirtschaftliche Krisen zu reagieren, und den harten Realitäten bei der dafür notwendigen Finanzierung“, kommentiert Fabian Platzen, General Manager von iwoca Deutschland. „Wenn für KMU in dieser angespannten Lage der Zugang zu Kapital durch restriktive Vorgaben der Großbanken noch zusätzlich erschwert wird, müssen bankenunabhängige, digitale Finanzierungslösungen die entstandene Lücke füllen. Sonst ist die Handlungsfähigkeit deutscher KMU langfristig gefährdet.“
Die bankenunabhängige Kreditvergabe wirkt sich gesamtwirtschaftlich positiv aus: Laut einer Untersuchung von Capital Economics schufen deutsche KMU allein durch erhaltene iwoca-Kredite innerhalb eines Jahres rund 9.000 neue Arbeitsplätze, Steuermehreinnahmen von 217 Millionen Euro sowie eine Bruttowertschöpfung in Höhe von 600 Millionen Euro. (fw)

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