Betriebliche Altersvorsorge neu denken: Lebenszyklusmodelle bieten mehr Flexibilität

17.08.2026

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Die Diskussion über die Zukunft der Altersvorsorge gewinnt wieder an Dynamik. Mit dem Altersvorsorgedepot hat die Bundesregierung einen wichtigen Impuls für die private Kapitalanlage gesetzt. Daneben bleibt die betriebliche Altersvorsorge (bAV) eine unverzichtbare zweite Säule des deutschen Alterssicherungssystems – insbesondere für Beschäftigte im Mittelstand. Hier besteht jedoch Nachholbedarf.

Eine Studie der Generali in Zusammenarbeit mit FAZ Business Media vom Dezember 2025 zeigt, dass die Verbreitung der bAV im Mittelstand zuletzt sogar rückläufig ist. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein der Unternehmen für den Vorsorgebedarf ihrer Beschäftigten, insbesondere von Geringverdienern, Berufseinsteigern oder Teilzeitkräften. Arbeitgeber wünschen sich deshalb nicht nur mehr Beratungsangebote durch ihre bAV-Partner, sondern auch regulatorische Impulse, die den Zugang zur betrieblichen Altersvorsorge erleichtern. Das seit Anfang des Jahres geltende zweite Betriebsrentenstärkungsgesetz bietet die Chance, die bAV stärker zu verbreiten und bestehende Hürden abzubauen. Aktuell hat nur rund die Hälfte der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland eine bAV-Anwartschaft. Neben den Fragen der steuerlichen Förderung und der Durchführungswege sollte die politische Diskussion auch beleuchten, wie betriebliche Altersvorsorge sowohl für Unternehmen als auch für Beschäftigte langfristig attraktiv bleiben kann.

Beitragsorientierte Systeme

Ein zentraler Baustein sind moderne beitragsorientierte Versorgungssysteme (Englisch: Defined Contribution). Sie ermöglichen Unternehmen eine deutlich höhere Planbarkeit und eröffnen Beschäftigten gleichzeitig die Chance, stärker an der Entwicklung der Kapitalmärkte zu partizipieren. International hat sich dieser Ansatz längst etabliert. In Deutschland ist man auf einem guten Weg, sollte sich jedoch an den Erfolgsmodellen ein Beispiel nehmen und die reine Beitragszusage für alle Durchführungswege öffnen. Insbesondere um dem zentralen Anliegen, die betriebliche Altersversorgung (bAV) zu verbreitern, von Politik und Wirtschaft Rechnung zu tragen. Damit rückt die Qualität der Kapitalanlage stärker in den Mittelpunkt, denn die Anlagestrategie entscheidet in diesen Modellen maßgeblich über den langfristigen Vermögensaufbau. Genau hier setzt das Lebenszyklusmodell an, das sich konsequent an den Lebensphasen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern orientiert. Jüngere Beschäftigte verfügen über einen langen Anlagehorizont und können zwischenzeitliche Schwankungen an den Kapitalmärkten besser ausgleichen. In dieser Phase sollten wachstumsorientierte Anlageklassen wie Aktien im Vordergrund stehen. Mit zunehmendem Alter verschiebt sich der Schwerpunkt schrittweise hin zu defensiveren Investments wie Anleihen oder Geldmarktinstrumenten. So sinkt das Risiko kurz vor Renteneintritt deutlich, ohne die langfristigen Renditechancen in den frühen Berufsjahren ungenutzt zu lassen.

Individuell ausgerichtete Konzepte

Diese Dynamisierung stellt einen erheblichen Fortschritt dar. Unternehmen wie TRUMPF haben gemeinsam mit Amundi bereits entsprechende Lebenszyklusmodelle entwickelt und umgesetzt. Sie verbinden wissenschaftlich fundierte Kapitalmarktannahmen mit den individuellen Anforderungen des jeweiligen Unternehmens – etwa hinsichtlich Beitragsgarantie, Risikobudgets, Bilanzierung, Zielrenditen oder Nachhaltigkeitsaspekten. Dass moderne Kapitalanlagemodelle funktionieren können, zeigen aktuelle Marktdaten. Laut einer Mercer-Studie vom April 2026 haben sich die Anlagevermögen deutscher Defined-Contribution-Pläne innerhalb eines Jahres nahezu verdoppelt. Begünstigt wurde diese Entwicklung sowohl durch die positive Kapitalmarktentwicklung als auch durch die zunehmende Verbreitung beitragsorientierter Versorgungssysteme. Gleichzeitig erzielten viele Unternehmen 2025 Renditen zwischen 6 und 7 %. Diese Ergebnisse verdeutlichen das Potenzial professionell gesteuerter Kapitalanlagen innerhalb der betrieblichen Altersversorgung.

Kommunikation und Flexibilität

Moderne bAV endet jedoch nicht mit der richtigen Asset Allokation. Ebenso wichtig sind transparente Kommunikation, digitale Verwaltung, verständliche Beratung sowie flexible Auszahlungsoptionen. Beschäftigte erwarten heute nachvollziehbare Informationen über ihre Vorsorge ebenso wie individuelle Wahlmöglichkeiten beim Übergang in den Ruhestand. Unternehmen wiederum benötigen effiziente Verwaltungsprozesse, verlässliches Risikomanagement und kosteneffiziente Umsetzungslösungen. Auch die Rentenphase verdient künftig mehr Aufmerksamkeit, damit das angesparte Kapital möglichst effizient über den gesamten Ruhestand hinweg genutzt werden kann. Flexible Entnahmepläne, Ratenzahlungen oder lebenslange Rentenmodelle können – abhängig von der jeweiligen Versorgungslösung – unterschiedliche Bedürfnisse abdecken und helfen, Langlebigkeits-, Inflations- und Kapitalmarktrisiken sinnvoll auszubalancieren.

Erfolgsfaktoren der betrieblichen Altersvorsorge

Politik, Unternehmen und Kapitalmarktakteure haben jetzt die Chance, gemeinsam die nächste Entwicklungsstufe der bAV einzuleiten. Mehr Verbreitung wird es jedoch nicht allein durch zusätzliche Förderinstrumente geben. Ebenso entscheidend sind moderne Versorgungskonzepte, die den Lebensrealitäten der Beschäftigten gerecht werden, und generell die Steigerung der Bekanntheit – gerade bei kleineren und mittleren Unternehmen. Lebenszyklusmodelle verbinden langfristige Renditechancen mit einer systematischen Risikosteuerung und schaffen so einen zeitgemäßen Rahmen für eine leistungsfähige betriebliche Altersvorsorge. Wer die bAV zukunftsfest machen will, sollte deshalb nicht nur über höhere Beteiligungsquoten sprechen, sondern auch über die Qualität der Kapitalanlage und eine damit verbundene vollständige Kostentransparenz.

Ein Beitrag von Torsten Isecke, Head of Corporate & Corporate Pensions, Amundi Deutschland