Die DNA bleibt erhalten

19.08.2026

Dr. Oliver Pfeil, Vorstandsvorsitzender, ÖKOWORLD AG / Foto: © ÖKOWORLD

Nachhaltiges Investieren bleibt wichtig. Das ist Konsens. Die ÖKOWORLD AG als Vorreiter des ethisch-ökologischen Investierens ist in einem Transformationsprozess. Dr. Oliver Pfeil, der Anfang 2025 das Steuer übernommen hat, stand für ein weiterführendes Gespräch zur Verfügung.

finanzwelt: Herr Dr. Pfeil, bevor wir auf die ÖKOWORLD zu sprechen kommen, zunächst der Blick auf die Märkte. Wie nehmen Sie die Lage wahr?

Dr. Oliver Pfeil: 2026 zeigt sich volatil und durch diverse geopolitische Krisen geprägt. Ungeachtet dessen sind die globalen Aktienmärkte teilweise auf neue Höchststände gestiegen. Die KI-Euphorie hat die Märkte getragen und andere Faktoren, wie die wieder angestiegene Inflation, in den Schatten gestellt. Rücksetzer, wie beispielsweise Ende März gesehen, wurden schnell wieder egalisiert. Insofern ein aus Aktiensicht guter Verlauf des 1. Halbjahres mit den sich damit ergebenden Chancen.

finanzwelt: Lassen Sie uns einige Takte zu Ihrem Haus, dem Pionier des ethisch-ökologischen Investierens, verlieren. Seit Anfang 2025 sind Sie als Vorstandsvorsitzender tätig. An welchen Stellschrauben haben Sie bereits gedreht?

Dr. Pfeil: Ich bin mit der Maßgabe angetreten, den Kern des Unternehmens zu erhalten und zugleich einen Transformationsprozess anzuschieben, um neues Wachstum zu erzielen. Das gleicht natürlich eher einem Marathon, keinem Sprint. Unsere DNA, das unverrückbare Bekenntnis zum ethisch-ökologischen Investieren, bleibt erhalten. Gleichzeitig haben wir die Zeit genutzt, um beispielsweise neue Produkte an den Markt zu bringen und die Marke ÖKOWORLD attraktiver zu gestalten. Ein Schwerpunkt unseres Handels ist, Prozesse einfacher, agiler und effizienter zu gestalten. Dafür setzen wir gezielt auf Künstliche Intelligenz. Insgesamt haben wir in den vergangenen eineinhalb Jahren bereits einiges erreicht, um die Erfolgsgeschichte von ÖKOWORLD weiterzuschreiben.

finanzwelt: Sie haben es angesprochen – zwei neue Fonds gibt es im Produktuniversum. Was hat es damit auf sich?

Dr. Pfeil: Wir haben den Markt analysiert und Anregungen aufgenommen. Das mündete in den beiden Produktinnovationen ÖKOWORLD SMART PORTFOLIO 70 (vormals ÖKOWORLD ROCK ‚N‘ ROLL FONDS) und ÖKOWORLD GLOBAL TRANSITION (vormals ÖKOWORLD WATER FOR LIFE). Wichtig ist: Die Anlagestrategien der Fonds sind neu und wurden an das sich veränderte Marktumfeld angepasst. Der Investmentprozess dahinter aber bleibt unverändert. Unsere hohen Nachhaltigkeitsstandards gelten nach wie vor.

finanzwelt: Können Sie das etwas ausführen?

Dr. Pfeil: Gerne. Der ÖKOWORLD SMART PORTFOLIO 70, ein Mischfonds, investiert 70 % in Aktien. Die restlichen 30 % legt das Fondsmanagement hälftig in ‚grünen Anleihen‘ (Green Bonds) und alternativen Investments mit Inflationsschutzwirkung an. Durch die Beimischung dieser defensiven Komponenten wird der gemischte Fonds robuster aufgestellt mit dem Ziel, Schwankungen abzufedern. Das zweite Produkt, der ÖKOWORLD GLOBAL TRANSITION, ist ein reiner Aktienfonds und allokiert ausschließlich in Aktien von Unternehmen, die sich der Dekarbonisierung verpflichtet haben, indem sie Emissionen senken oder ihre Geschäftsmodelle klimakompatibel ausrichten. Kernthema, wie der Fondsname schon sagt, ist die Transition. Dafür suchen wir gezielt nach Unternehmen, die sich glaubwürdig der Nachhaltigkeit verschrieben haben, auch wenn sie vielleicht noch nicht bei 100 % angekommen sind.

finanzwelt: Ebenfalls bereits angerissen: Ihr Schwerpunkt auf Künstliche Intelligenz. KI ist heutzutage eine Stabsstelle im Unternehmen, oder?

Dr. Pfeil: Ja. Mit der Verpflichtung von Michael Gram-Madsen zum Leiter KI & Innovation haben wir ein starkes Signal gesendet, um ÖKOWORLD noch leistungsfähiger zu machen, beispielsweise im Nachhaltigkeitsresearch oder im Vertriebsreporting. Wir leben in einer schnelllebigen, disruptiven Zeit. Den Wandel zu gestalten und neue Technologien sinnvoll in die Arbeitsprozesse zu integrieren, ist ein Gebot der Stunde. Es geht darum, die Stärken von Menschen und Maschinen zu kombinieren, Routineaufgaben zu automatisieren und den Innovationsgedanken zu fördern. Aber am Ende, das ist mir ganz wichtig, entscheidet bei ÖKOWORLD immer ein Mensch darüber, was getan wird.

finanzwelt: Zu einem anderen Punkt: Stabilität ist wichtig. Sie haben mit der Ökoworld Foundation eine Stiftung als Ankeraktionärin. Was bedeutet dieser Schritt für Sie?

Dr. Pfeil: Die Stiftung in ihrer Funktion als Ankeraktionärin sichert langfristig unsere Unabhängigkeit und schützt auch die Werte, für die ÖKOWORLD seit mehr als 50 Jahren einsteht. Sie steht nach innen und außen für Stabilität in einem herausfordernden Marktumfeld. Es ist schon etwas Besonderes zu wissen und zu spüren, dass Kontinuität damit gewährleistet wird. Klaus Odenthal, einer der Gründungsväter des Unternehmens, ist Vorsitzender des Stiftungsrats der Ökoworld Foundation und wurde jüngst zudem in den Aufsichtsrat der ÖKOWORLD AG berufen.

finanzwelt: Der aktive Dialog mit den Portfoliounternehmen war und ist Ihnen im Investmentprozess wichtig. Können Sie das mit einigen Zahlen untermauern?

Dr. Pfeil: Im vergangenen Jahr haben wir auf 284 Hauptversammlungen weltweit unsere Stimmrechte ausgeübt und in 156 Fällen den Kontakt mit Unternehmen gesucht. Dabei ging es beispielsweise um Themen wie ökologisches Produktdesign und Kreislaufwirtschaft, Menschen- und Arbeitnehmerrechte sowie Klimaschutz und Treibhausgasemissionen. Engagement ist ein wichtiger Bestandteil unseres Einsatzes für eine bessere Zukunft. Wir sind ein aktiver Aktionär, der für seine Überzeugungen eintritt, und wollen es auch bleiben.

finanzwelt: Zum Abschluss das Stichwort Altersvorsorge: Die Deutschen sollen für ihre finanzielle Vorsorge stärker am Kapitalmarkt investieren. Wie beurteilen Sie das im Januar 2027 startende Altersvorsorgedepot?

Dr. Pfeil: Endlich bewegt sich was. Es ist überfällig, dass für die Altersvorsorge nun auch die großen Renditechancen, die der Kapitalmarkt bietet, herangezogen werden sollen. Für ÖKOWORLD ist finanzielle Nachhaltigkeit – neben der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit – immer schon fester Bestandteil unserer DNA gewesen. Wir prüfen gerade, ob wir künftig Anlegerinnen und Anleger ein im deutschen Markt einzigartiges Angebot zur Verfügung stellen können: ein Altersvorsorgedepot, das nach streng nachhaltigen Kriterien gemanagt wird. (ah)