Die Weltwirtschaft als Schlachtfeld

08.09.2026

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Er begann mit Bomben und Raketen, doch mittlerweile wird der Krieg zwischen Iran und den USA mehr und mehr auf ökonomischem Feld ausgetragen: Teheran blockiert Öltransporte, was Inflation und Zinsen weltweit nach oben treibt. Die US-Regierung versucht, das Regime per Wirtschaftssanktionen niederzuringen. „Das kann funktionieren, doch solche Sanktionen brauchen Zeit, um zu wirken“, kommentiert Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM. Bis dahin leiden Finanzmärkte, Weltkonjunktur und Anleger.

Für die Finanzmärkte bedeutet das viel Unruhe. Die Renditen der Staatsanleihen sind so hoch geklettert wie seit vielen Jahren nicht mehr. 30-jährige US-Staatsanleihen kratzen an 5,3 Prozent, das ist so hoch wie zuletzt 2007. Die zehnjährige Bundesanleihe ist auf 3,3 Prozent gestiegen, das japanische Pendant erreicht erstmals seit 1996 die drei Prozent. Die Zinssteigerungen belasten private wie öffentliche Haushalte ebenso wie die Aktienmärkte und die globale Konjunktur.

Wesentlicher Grund für das Rendite-Hoch: die Schuldensituation und die Inflation. In der Euro-Zone lag sie im August bei 3,3 Prozent, angetrieben vom Iran-Krieg, der Öl immer teurer macht. Die Energiepreise stiegen mit einer Rate von 14,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, in Deutschland sprangen sie um mehr als zehn Prozent in die Höhe. Die Europäische Zentralbank wird daher wahrscheinlich die Leitzinsen im September erhöhen. Die US-Notenbank stellt Ähnliches in Aussicht.

Indem sie die Straße von Hormus blockieren, sendet Irans Führung ökonomische Schockwellen über den ganzen Globus. Auf wirtschaftlichen Druck setzt aber auch die US-Regierung: Finanzminister Scott Bessent hat eine neue Sanktionswelle gegen den Iran und die Länder angekündigt, die mit ihm Handel treiben. Ziel sei die „wirtschaftliche Erstickung“ des Regimes, um den in den USA unbeliebten Krieg zu gewinnen. „Da amerikanische Wähler keinen weiteren Nahost-Krieg wollen, versucht Trump nun, zur Sanktionspolitik der Vorkriegszeit zurückzukehren“, sagt Fischer.

Dabei steht aus Sicht der zunehmend mächtigeren Revolutionsgarden auch das Überleben des Regimes auf dem Spiel. Fischer: „Und angesichts der zumindest strategischen Niederlage der USA sieht die iranische Regierung nun die lang ersehnte Gelegenheit, einen US-Rückzug aus dem Nahen Osten zu erzwingen. Das Ziel verfolgt sie seit der Geiselnahme von 1979.“ Dafür wird ökonomischer Gegendruck mobilisiert: Teheran warnte alle Staaten davor, sich am US-Wirtschaftskrieg zu beteiligen, andernfalls würden sie als Feind betrachtet. Gleichzeitig treibt das iranische Parlament seinen Plan voran, dauerhaft Gebühren für Schiffe zu erheben, die die Straße von Hormus passieren. Ein Versuch, aus der Kontrolle der Route eine neue, dringend benötigte Staatseinnahmequelle zu machen. „Statt einer Deeskalation verhärten sich damit die Fronten“, sagt Fischer. „Washington setzt auf finanzielle Erdrosselung, Teheran auf faktische Souveränitätsansprüche über eine der wichtigsten Öltransportrouten der Welt.“ Das hat tiefgreifende Folgen für Anleger. „Solange die Revolutionsgarden fähig bleiben, Tanker, US-Basen und Energieinfrastruktur am Golf anzugreifen, hat Iran faktisch ein Veto gegen dauerhaften Frieden in der Hand“, so Fischer. Ölpreis- und Sicherheitsrisiken am Golf dürften strukturell erhöht bleiben, auch wenn eine akute globale Ölkrise bislang ausbleibt. Die jüngste Sanktionswelle sowie Teherans Vorstoß, Durchfahrtsgebühren gesetzlich zu verankern, zeigen: Beide Seiten setzen zunehmend auf wirtschaftliche statt militärische Druckmittel und verlängern damit die Unsicherheit, statt sie aufzulösen.

Für Anleger bedeutet das weiterhin höhere Prämien auf Energiepreise, mehr Volatilität und ein erhöhtes Niveau bei Inflation und Anleiherenditen. Sicherheits-, Verteidigungs- und Energiewerte bleiben taktisch relevant, sichere Häfen wie Gold nicht nur wegen der globalen Schuldenthematik interessant. „Der Konflikt“, so Fischer, „wird eher zu einem Dauerzustand zu einem bald lösbaren Ereignis.“ (fw)