PKV-Unternehmen bleiben solide aufgestellt
08.09.2026

Thorsten Saal, Bereichsleiter Mathematik und Rating bei MORGEN & MORGEN Foto: © MORGEN & MORGEN
MORGEN & MORGEN hat das aktuelle M&M Rating KV-Unternehmen veröffentlicht. Analysiert wurden 30 Private Krankenversicherer anhand ihrer Unternehmenskennzahlen aus den Bilanzjahrgängen 2021 bis 2025. Es zeigt sich ein differenziertes Bild: Der Bestand entwickelt sich positiv und die Solvabilität bleibt auf hohem Niveau. Gleichzeitig belasten steigende Leistungsausgaben weiterhin die versicherungsgeschäftlichen Ergebnisse und die Rückstellungen für Beitragsrückerstattung.
„Die PKV bleibt solide aufgestellt: Bestände und Solvabilität entwickeln sich stabil, während steigende Leistungsausgaben zunehmend Spuren in den Kennzahlen hinterlassen“, erklärt Thorsten Saal, Prokurist, Bereichsleiter Mathematik und Rating, MORGEN & MORGEN.
Die Sterneverteilung zeigt ein differenziertes Bild der Branche. Im Gesamtrating konzentrieren sich die Bewertungen klar im oberen Bereich: Sieben Unternehmen erreichen fünf Sterne, 15 weitere vier Sterne. Sechs Gesellschaften werden mit drei und zwei mit zwei Sternen bewertet; ein Ein-Stern-Ergebnis gibt es nicht.
In den Teilratings zeigen sich unterschiedliche Profile: Im Bereich Erfolgsbewertung ist die Verteilung breiter gestreut – sieben Unternehmen erreichen fünf und zehn vier Sterne, zugleich finden sich Bewertungen über alle fünf Ratingstufen. Die Bewertung des Bestands zeigt die Unterschiede zwischen den Unternehmen noch deutlicher: Zehn Gesellschaften erreichen die Höchstbewertung, gleichzeitig verteilen sich die übrigen Unternehmen vergleichsweise breit auf die weiteren Ratingstufen. Am stärksten präsentiert sich weiterhin die Betrachtung der Sicherheit: 16 der 30 Unternehmen erreichen hier fünf Sterne. Damit bleibt die finanzielle Stabilität eine besondere Stärke der PKV-Branche.
Wie entwickelt sich das Ratingergebnis im Vergleich zum Vorjahr? Gegenüber dem Vorjahr verschiebt sich die Verteilung leicht: Die Zahl der Fünf-Sterne-Bewertungen sinkt von neun auf sieben, während die Zahl der Vier-Sterne-Unternehmen von zwölf auf 15 steigt. Insgesamt bleibt das Qualitätsniveau damit hoch: 22 der 30 untersuchten Unternehmen erreichen eine sehr gute oder ausgezeichnete Bewertung.
Wie entwickelt sich die Ertragslage der PKV-Unternehmen? Das Bild auf der Ertragsseite bleibt gemischt. Die Nettoverzinsung liegt mit durchschnittlich 2,7 Prozent auf Vorjahresniveau. Auch die Überzinsquote bleibt mit durchschnittlich 0,7 Prozent stabil. Damit gelingt es der Mehrheit der Versicherer weiterhin, ihre Rechnungszinsanforderungen aus den Kapitalerträgen zu finanzieren. Der durchschnittliche Rechnungszins in den Beständen steigt nach mehreren Jahren mit fallender Tendenz erstmals wieder leicht auf rund 2,1 Prozent. Gleichzeitig gehen Abschluss- und Verwaltungskostenquote minimal zurück.
Deutlicher bleibt der Einfluss der Leistungsausgaben. Die versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote erholt sich zwar leicht von 7,0 auf 7,6 Prozent, bewegt sich jedoch weiterhin auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Nach den starken Rückgängen der vergangenen Jahre deutet dies auf eine gewisse Stabilisierung hin – der Druck aus den steigenden Leistungsausgaben bleibt jedoch bestehen.
Die Bestandsentwicklung fällt insgesamt positiv aus. Die durchschnittliche Wachstumsrate der natürlichen Personen in der Vollversicherung steigt von 0,3 auf 0,5 Prozent. Damit setzt sich die im Vorjahr erstmals wieder sichtbar positive Entwicklung fort. Auch die Ergänzungsversicherung bleibt mit durchschnittlich 2,2 Prozent Wachstum auf Expansionskurs, wenn auch etwas unter dem Vorjahreswert von 2,7 Prozent. Einzelne Versicherer erzielen sowohl in der Voll- als auch in der Zusatzversicherung deutlich überdurchschnittliche Wachstumsraten.
Das Teilrating Bestand bewertet die Entwicklung der natürlichen Personen in Voll- und Ergänzungsversicherung. Die Vollversicherung fließt dabei mit 60 Prozent, die Ergänzungsversicherung mit 40 Prozent in das Teilrating ein. Die Ergebnisse zeigen: Die PKV gewinnt im Bestand wieder an Dynamik. Wachstum entsteht dabei nicht nur über Beitragsanpassungen, sondern auch durch eine steigende Zahl versicherter Personen.
Die Sicherheitskennzahlen zeichnen weiterhin ein solides Bild. Die Solvency-II-Quoten bewegen sich auf einem vergleichbaren Niveau wie im Vorjahr und liegen bei allen betrachteten Unternehmen deutlich über den regulatorisch erforderlichen 100 Prozent. Gleichzeitig zeigen sich bei einzelnen HGB-Kennzahlen rückläufige Entwicklungen. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote sinkt erneut leicht von 14,9 auf 13,9 Prozent. Auch die RfB-Zuführungsquote geht von 7,5 auf 7,0 Prozent zurück. Die RfB-Quote fällt weiter von 31,1 auf 28,0 Prozent.
Diese Entwicklung ist vor allem vor dem Hintergrund gestiegener Leistungsausgaben zu sehen. Diese sorgen für geringere Zuführungen, und die höheren Entnahmen aus der RfB werden unter anderem genutzt, um Beitragsanpassungen abzumildern. Die RfB-Quote zeigt, in welchem Umfang zusätzliche Mittel für künftige Beitragsentlastungen oder Barausschüttungen zur Verfügung stehen. Auch bei den Bewertungsreserven zeigt sich nach der leichten Erholung der Vorjahre wieder eine schwächere Entwicklung. Die durchschnittliche Bewertungsreservequote fällt von -2,4 auf -4,1 Prozent. Im Marktdurchschnitt überwiegen damit weiterhin stille Lasten, einzelne Versicherer verfügen jedoch wieder über positive Reserven. (mho)

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