Erst rund jeder vierte Vermittler arbeitet täglich mit KI
17.09.2026

AfW-Vorstand Frank Rottenbacher Foto: © AfW
Die Nutzung generativer Künstlicher Intelligenz (zum Beispiel ChatGPT) in der Finanz- und Versicherungsvermittlung nimmt weiter zu, bleibt insgesamt aber auf moderatem Niveau. Erst die Hälfte der Vermittler setzt überhaupt KI-Anwendungen ein – und auch innerhalb dieser Gruppe ist die intensive Nutzung nicht selbstverständlich. Das ergibt die Auswertung des 18. AfW-Vermittlerbarometers, das der AfW Bundesverband Finanzdienstleistung zwischen Dezember 2025 und Februar 2026 rund 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durchgeführt hat.
50 Prozent der Vermittler nutzen aktuell KI-Tools wie ChatGPT in ihrer beruflichen Tätigkeit. Damit hat sich die Verbreitung gegenüber dem Vorjahr (35 Prozent) weiter erhöht; gegenüber 2023 (16 Prozent) hat sie sich mehr als verdreifacht.
Entscheidend ist allerdings die Intensität der Nutzung. Unter denjenigen, die KI bereits einsetzen, arbeiten 46 Prozent täglich und 35 Prozent wöchentlich mit entsprechenden Anwendungen. Bezogen auf die gesamte Vermittlerschaft bedeutet das: Rund 23 Prozent aller Vermittlerinnen und Vermittler nutzen KI täglich, weitere etwa 17,5 Prozent immerhin wöchentlich. Mehr als die Hälfte der Branche setzt KI dagegen entweder gar nicht oder nur sporadisch ein.
Bei den Vermittlern, die KI bislang nicht nutzen, plant lediglich rund jeder Fünfte (19 Prozent), in den kommenden drei Monaten erste Anwendungen einzuführen. 69 Prozent schließen eine Nutzung weiterhin aus.
Frank Rottenbacher, Vorstand des AfW, ordnet die Ergebnisse ein: „Die Zahlen zeigen vor allem eines: Es ist noch viel Luft nach oben. Erst die Hälfte der Vermittlerschaft setzt überhaupt KI ein, und nur rund 23 Prozent arbeiten täglich damit. Gerade verwaltungsnahe Tätigkeiten – Dokumentation, Datenauswertung, Backoffice – ließen sich mit KI deutlich effizienter gestalten. Dieses Potenzial wird derzeit nur von einem kleinen Teil der Branche wirklich ausgeschöpft.“ Zugleich stellt Rottenbacher aber auch klar: „Klar ist auch: KI ergänzt die Beratung, sie ersetzt sie nicht. Die persönliche Vertrauensbeziehung zwischen Vermittler und Kunde bleibt das Fundament unserer Arbeit.“
Die häufigsten Einsatzfelder sind nach wie vor Texterstellung (77 Prozent), Informationsbeschaffung (57 Prozent) und Ideenfindung (44 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr verschiebt sich die Nutzung jedoch erkennbar in Richtung verwaltungsnaher Tätigkeiten: Datenauswertung und Backoffice-Aufgaben legen deutlich zu, während die Nutzung zur Ideenfindung zurückgeht. Der direkte Kundendialog über KI-gestützte Chatbots bleibt mit 4,5 Prozent dagegen weiterhin die Ausnahme.
Als wichtigste Erwartung an den KI-Einsatz nennen die Befragten ganz überwiegend Zeitersparnis (93 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen Vertriebsunterstützung (45 Prozent), Kosteneffizienz (40 Prozent), bessere Kundenbetreuung (37 Prozent) und eine verbesserte Datenanalyse (34 Prozent). Die Vorbehalte gegenüber dem KI-Einsatz bleiben substantiell. 69 Prozent der Befragten verweisen auf die Fehleranfälligkeit der Systeme, 44 Prozent auf Datenschutzbedenken, 34 Prozent auf einen möglichen Kontrollverlust und 33 Prozent auf die Komplexität der Technologie. Lediglich 9 Prozent geben an, keinerlei Bedenken zu haben.
Der Wunsch nach konkreter Unterstützung hat sich gegenüber dem Vorjahr kaum verändert. 75 Prozent der Vermittlerinnen und Vermittler erwarten Hilfestellung bei der Auswahl geeigneter Tools, 61 Prozent bei der technischen Implementierung und 56 Prozent bei rechtlichen Anforderungen. (mho)

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