Die Möbelindustrie ist nur das jüngste Warnsignal
08.09.2026

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Der Wettbewerbsdruck aus China erreicht nach Einschätzung von Markus Sievers, Mitgründer und Fondsmanager bei apano Investments, immer mehr europäische Industriezweige. Die jüngsten Warnungen der deutschen Möbelhersteller seien deshalb nicht als isoliertes Branchenproblem zu verstehen.
„Die Möbelindustrie ist nur das jüngste Warnsignal“, sagt Sievers. Europa müsse darauf achten, dass aus offenem Handel kein dauerhaft verzerrter Wettbewerb werde. Zwischen 2017 und 2025 stiegen die chinesischen Möbelimporte nach Angaben der Branche um 81 Prozent. China ist mittlerweile Deutschlands wichtigster ausländischer Möbellieferant. Für Sievers ist die Branche damit ein weiteres Beispiel für eine Entwicklung, die sich bereits bei Solarmodulen, Batterien, Elektroautos, Stahl und Aluminium zeigt. Zunehmend geraten auch die Chemieindustrie und der Maschinenbau unter Druck. „Offene Märkte und internationaler Wettbewerb sind wichtige Voraussetzungen für Wohlstand. Aber freier Handel braucht faire Wettbewerbsbedingungen“, sagt Sievers.
OECD sieht hohe staatliche Förderung
Zweifel an fairen Wettbewerbsbedingungen nährt eine aktuelle Untersuchung der OECD. Im Rahmen ihrer MAGIC-Datenbank untersuchte sie große Unternehmen aus 15 Industriesektoren. Chinesische Unternehmen erhielten demnach zwischen 2005 und 2024 im Durchschnitt drei- bis achtmal so viel staatliche Unterstützung wie Unternehmen in OECD-Ländern. Zudem lassen sich bei den untersuchten chinesischen Unternehmen laut OECD fast 60 Prozent ihrer weltweiten Marktanteilsgewinne statistisch mit staatlicher Unterstützung erklären. Dazu zählen neben klassischen Subventionen auch steuerliche Vergünstigungen und staatlich beeinflusste Finanzierung zu günstigen Konditionen. Für Europa wächst zugleich das Risiko einer Handelsumlenkung. Je stärker die Vereinigten Staaten und andere große Absatzmärkte chinesische Produkte mit Zöllen und Handelsbeschränkungen belegen, desto größer wird die Gefahr, dass Waren aus bestehenden Überkapazitäten verstärkt auf den europäischen Markt gelangen.
Importe steigen, Exporte fallen
Auch die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen eine wachsende Unwucht im deutsch-chinesischen Warenhandel. Von Januar bis Mai dieses Jahres importierte Deutschland Waren im Wert von 72,4 Milliarden Euro aus China, 6,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig sanken die deutschen Exporte nach China um 14,5 Prozent auf 29,6 Milliarden Euro. Der Importüberschuss erreichte damit bereits nach fünf Monaten 42,8 Milliarden Euro. Bei nachweisbaren Wettbewerbsverzerrungen durch staatliche Förderung müsse Europa reagieren, fordert Sievers. Deutschland solle innerhalb der Europäischen Union auf eine genauere Beobachtung möglicher Handelsumlenkungen drängen. Anti-Dumping- und Anti-Subventionsverfahren müssten schneller durchgeführt und belegte Wettbewerbsverzerrungen konsequent mit WTO-konformen Instrumenten beantwortet werden. Dabei müsse eine Eskalation des Handelskonflikts vermieden werden. China bleibt für viele deutsche Unternehmen ein wichtiger Absatzmarkt und Lieferant.
Dennoch sieht Sievers politischen Handlungsbedarf. Wenn immer mehr europäische Branchen durch staatlich begünstigte Überkapazitäten unter Druck gerieten, drohe langfristig industrielle Wertschöpfung verloren zu gehen. Ein dauerhaft staatlich verzerrter Wettbewerb könne am Ende gerade jene offene Handelsordnung beschädigen, die Europa erhalten wolle. (fw)

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