Europa und Schwellenländer holen auf

13.07.2026

Terry Ewing, Head of Equities bei Mediolanum International Funds. Foto: © Mediolanum

Zyklisch schlägt Defensiv

Auf Sektorebene spricht das dafür, zyklischen Werten den Vorzug vor defensiven Titeln zu geben – zumindest sofern sich die erwartete Erholung der Einkaufsmanagerindizes (PMIs) tatsächlich einstellt. Wir bevorzugen Unternehmen aus den Bereichen Industrieausrüstung und Halbleiter, die vom Investitionszyklus profitieren. Daneben sehen wir auch Chancen im Bergbausektor, wo ein knappes Angebot und die strukturelle Nachfrage seitens der Rechenzentren die Preise stützen. Banken sollten sich dank eines stärkeren Kreditwachstums und höherer Kreditmargen gut entwickeln. Konsumwerte sind als einzige zyklische Gruppe bislang zurückgeblieben – und könnten nun aufholen.

Vorsicht ist dagegen bei Energieaktien sowie im Software- und Mediensektor geboten. Der Energiesektor ist der offensichtlichste Verlierer des gesunkenen Ölpreises, und die Bewertungen bieten hier kaum noch Puffer. Aufpassen sollten Anleger außerdem bei den Bereichen der Software- und Medienbranche, die stärker gegenüber der KI exponiert sind. Nach der außergewöhnlichen Kursrallye im Verteidigungssektor halten wir es zudem für sinnvoll, Gewinne mitzunehmen und unsere Positionen weiter abzubauen.

Schluss mit „einfachen“ Gewinnen

Auch wenn der Ausblick positiv ist, sollten Anleger Risiken nicht außer Acht lassen:

·         Die Bewertungen sind hoch: Globale Aktienmärkte sind im historischen Vergleich hoch bewertet. Jede Enttäuschung bei den Gewinnen oder eine erneute Eskalation im Nahen Osten würde daher auf wenig Puffer treffen.

·         Geldpolitik könnte enttäuschen: Die Märkte rechnen immer weniger mit Zinssenkungen und haben zeitweise sogar wieder Zinserhöhungen eingepreist – besonders deutlich am kurzen Ende der US-Zinskurve. Diese Entwicklung könnte länger anhalten als erwartet. Zentralbanken könnten aus Sorge vor Zweitrundeneffekten bei der Inflation weiterhin vorsichtig bleiben und von Lockerungen absehen – und das könnte Aktienbewertungen belasten. Die Furcht vor einer steigenden Inflation wird aktuell durch das Ende der Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA bestärkt. Derzeit ist das Hauptanliegen der Finanzmärkte die Wiedereröffnung der Handelswege. Das kann sich aber gut und gerne auch noch verzögern. Wir gehen allerdings davon aus, dass sich die Lage bald entspannen wird.

·         Wirtschaftsrisiko El Niño: Ein starker, möglicherweise rekordverdächtiger El Niño gilt bis Anfang 2027 als Basisszenario. Für Anleger ist dieses Risiko noch kaum präsent. Zwar dürften die direkten Auswirkungen des Wetterphänomens für die Industrieländer begrenzt bleiben. Doch El Niño könnte Lebensmittelversorgung, Wasserkraft und agrarisch geprägte Volkswirtschaften unter Druck setzen. Damit droht ein Angebotsrisiko, dass die Gesamtinflation hartnäckig hochhalten und den erhofften Rückgang der Teuerung erschweren könnte – genau jenen Disinflationstrend, auf den sich die Aktienmärkte derzeit stützen.

·         Ansteckungsgefahr durch Private Credit: Auch den Markt für Private Credit sollten Anleger im Auge behalten. Wenn die geopolitischen Risiken in den Hintergrund treten, könnten die wachsenden Spannungen im Private-Credit-Markt stärker sichtbar werden. Das könnte auch die Aktienkurse jener Unternehmen in Mitleidenschaft ziehen, die besonders auf diese Art der Finanzierung angewiesen sind – vor allem in Teilen des Softwaresektors und beim Ausbau von Rechenzentren. Ein systemisches Risiko ist das wohl nicht, wohl aber eine mögliche Quelle zusätzlicher Volatilität.

Insgesamt bleiben wir für die zweite Jahreshälfte bei globalen Aktien zuversichtlich. Die Zeiten einfacher Gewinne liegen jedoch hinter uns – während sich die Risiken allmählich häufen. Die besseren Anlagechancen sehen wir weniger bei den überlaufenen Marktführern, sondern vielmehr in den Teilen des Marktes, die bisher noch nicht an der Rallye teilgenommen haben.

Ein Kommentar von Terry Ewing, Head of Equities bei Mediolanum International Funds.

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