EZB vor dem Zinsentscheid: Ist bei 2,5 Prozent Schluss?
09.09.2026

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Wir gehen davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer Sitzung im September die Zinsen um 25 Basispunkte anheben und den Einlagensatz damit auf 2,50 Prozent erhöhen wird. Das entspricht den Marktpreisen und dem Konsens. Da die Entscheidung selbst bereits fast vollständig eingepreist ist, wird sich die Aufmerksamkeit vor allem auf die aktualisierten makroökonomischen Projektionen und die Signale zum weiteren Zinspfad richten.
Die Daten seit der Juli-Sitzung entsprachen weitgehend den früheren Prognosen der EZB: Die Inflation stieg aufgrund der anhaltend hohen Energiepreise leicht an, während das Wachstum relativ robust bleibt. Zwar gibt es in der Wirtschaft der Eurozone nach wie vor kaum Anzeichen, dass es bei der Inflation zu Zweitrundeneffekten kommt. Allerdings bleiben die Energiepreise hoch: Erneute Feindseligkeiten im Nahen Osten ohne Ausblick auf eine klare Lösung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran sowie ukrainische Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur haben den Preisdruck an den Energiemärkten erhöht. Der Ölpreis bewegt sich weiterhin nahe den Werten, die im Basisszenario der EZB vom Juni veranschlagt wurden, doch der Anstieg der Erdgaspreise gibt Anlass zu größerer Sorge. Das Risiko eines Inflationsanstiegs ist keineswegs vom Tisch.
Spielraum für weitere Straffung wird kleiner
Die Sitzung im September gibt den Ton für den Rest des Jahres vor. Entscheidend dürften die aktualisierten Projektionen und die Erläuterungen von Präsidentin Christine Lagarde sein. Sie geben dem Markt Aufschluss darüber, ob die EZB einen Zinssatz von 2,5 Prozent für ausreichend hält – vorausgesetzt, sie hebt die Zinsen diese Woche um 25 Basispunkte an. Andernfalls könnten weitere Straffungsmaßnahmen erforderlich werden, um die Inflation wieder auf das Zielniveau zu bringen. 2,5 Prozent wurden im EZB-Rat bisher als oberes Ende des sogenannten neutralen Bereichs charakterisiert, und es stellt sich die Frage, ob diese Einschätzung weiterhin gilt. Die Hürde für eine Anhebung über diesen Wert hinaus könnte deutlich höher liegen, denn das würde die Geldpolitik in restriktives Terrain führen.
Wir rechnen damit, dass die EZB-Präsidentin ihre Kommunikation ausgewogen und unverbindlich hält: Sie dürfte das Bekenntnis zum 2-Prozent-Ziel bekräftigen und zugleich auf die verbleibenden Inflationsrisiken hinweisen. Sie dürfte jedoch die vom Markt bereits eingepreisten zusätzlichen Straffungsmaßnahmen nicht uneingeschränkt bestätigen.
Weiterer Renditeanstieg möglich
Die erneut gestiegenen Inflationsrisiken haben am kurzen Ende der Zinskurve bereits zu einer deutlichen Neubewertung geführt. Hinzu kamen Impulse aus anderen Staatsanleihemärkten, während die Renditen in den Industrieländern auf Mehrjahreshochs stiegen. Bestätigt die EZB die derzeit eingepreisten Erwartungen, könnten die Renditen weiter steigen. Ein ausgewogenerer Ton dürfte die Anleihen der Eurozone dagegen etwas stabilisieren – insbesondere, wenn die EZB betont, dass die Inflation weiterhin vor allem von den Energiepreisen getrieben wird und Zweitrundeneffekte bislang begrenzt bleiben.

Marktkommentar von Niall Scanlon, Fixed Income Portfolio Manager bei Mediolanum International Funds.

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