Haftpflicht für Hund und Pferd: Erhebliche Unterschiede

10.04.2026

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Franke und Bornberg hat das Marktangebot bei Tierhalter-Haftpflichtversicherung (THV) erneut durchleuchtet und bewertet in diesem Jahr 173 Tarife von 88 Anbietern im Segment Hund sowie 136 Tarife von 76 Anbietern im Segment Pferd. Der Markt wächst – die Qualität folgt, aber zögerlich.

Die Zahl der bewerteten Anbieter ist erneut gestiegen: Im Segment Hund sind 88 Gesellschaften im Rating vertreten, im Segment Pferd 76 – jeweils mehr als im Vorjahr. Die Ratingkriterien selbst bleiben unverändert; im Hunde-Segment prüft Franke und Bornberg weiterhin 35, im Pferde-Segment 37 Kriterien. Das gewährleistet direkte Vergleichbarkeit mit den Vorjahresergebnissen und macht Fortschritte – oder deren Ausbleiben – unmittelbar sichtbar.

Für Top-Noten gelten in beiden Segmenten gleiche Kernstandards: eine Deckungssumme von mindestens 20 Mio. Euro für Personen- und Sachschäden sowie Versicherungsschutz für Schäden an gemieteten und geliehenen beweglichen Sachen. Die Pferde-THV verlangt darüber hinaus, dass Fohlen und Jungtiere mindestens zwölf Monate mitversichert sind.

Ergebnisse: Notenverteilung Tierhalterhaftpflicht Hund 2026

Von 173 analysierten Hunde-Tarifen erreichen 9,8 Prozent die Bestnote FFF+ (hervorragend). Im Vorjahr schafften das 8,7 Prozent der Tarife. Fast ein Drittel der Tarife (29,5 Prozent) erhält die Note FFF (sehr gut). Ein solider, aber kein spektakulärer Fortschritt.

Schwachstellen bewerteter Tarife liegen häufig – wie in den vergangenen Jahren bereits angemerkt - bei der Deckung von Schäden an gemieteten oder geliehenen beweglichen Sachen und am Inventar der Reiseunterkunft. Auch Forderungsausfalldeckung und Neuwertentschädigung zeigen in schwächeren Tarifen wiederholt Lücken. Gleiches gilt für Leistungen bei Schäden an Figuranten – also Menschen, die bei der Ausbildung von Schutz- und Rettungshunden als Übungspartner eingesetzt werden.

Ergebnisse: Notenverteilung Tierhalterhaftpflicht Pferd 2026

Im Segment Pferd analysierte Franke und Bornberg 136 Tarife. 12,5 Prozent erhalten die Höchstnote FFF+, nach 12,7 Prozent im Vorjahr. Besonders auffällig: 36,0 Prozent der Tarife landen in der Klasse FFF (sehr gut) – fast 7 Prozentpunkte mehr als 2024. Auch hier sind also Qualitätsfortschritte zu verzeichnen.

Schwächen zeigen sich bei der Forderungsausfalldeckung, Schäden an gemieteten oder geliehenen beweglichen Sachen – einschließlich Transportanhängern, Kutschen und Schlitten – sowie bei Neuwertentschädigung und Besitzstandsgarantie beim Versichererwechsel.

Der Markt für Tierhalterhaftpflichtversicherungen wächst – und er reagiert auf Bewertungsimpulse von außen. Die Zahl der Anbieter im Hunde-Segment stieg vom Erstrating bis heute von 83 auf 88, im Pferde-Segment von 71 auf 76. Gleichzeitig verschiebt sich die Notenverteilung schrittweise nach oben: Die Anteile in den unteren Bewertungsklassen gehen zurück, die oberen Klassen gewinnen. Doch der Befund bleibt ernüchternd: Rund 35 Prozent der Hunde-Tarife und gut 32 Prozent der Pferde-Tarife liegen nach wie vor bei befriedigend oder schlechter.

„Der Markt für Tierhalter-Haftpflicht wächst, und das ist gut so. Aber Wachstum allein schützt niemanden. Wer als Hundehalter oder Pferdebesitzer einfach den günstigsten Tarif wählt, riskiert im Ernstfall eine böse Überraschung – und der Ernstfall kann teuer werden", sagt Michael Franke, geschäftsführender Gesellschafter der Franke und Bornberg GmbH. Dabei ist guter Schutz keineswegs eine Frage des großen Geldbeutels: Empfehlenswerte Hunde-Tarife sind für einen Labrador Retriever bereits ab rund 60 Euro im Jahr zu haben, für einen Jack Russell Terrier ab etwa 45 Euro. Bei als gefährlich eingestuften Rassen wie dem American Staffordshire Terrier beginnen solide Tarife bei rund 85 Euro. Für Pferdehalter startet verlässlicher Schutz bei etwa 100 Euro jährlich.

Die Tierhalterhaftpflichtversicherung ist ein Wachstumsmarkt mit klarer Richtung: mehr Anbieter, mehr Wettbewerb, mehr gute Tarife. Doch der große Qualitätssprung bleibt aus. Wer als Hundehalter oder Pferdebesitzer auf den erstbesten oder günstigsten Tarif setzt, riskiert im Schadensfall empfindliche Lücken – bei einer Versicherung, die im schlimmsten Fall über die eigene finanzielle Existenz entscheiden kann. Neue Alltagsszenarien wie der Hund am Arbeitsplatz machen deutlich: Die Anforderungen an eine gute THV wachsen mit dem Leben ihrer Halter. Die Ratingkriterien von Franke und Bornberg geben Versicherern und Vermittlern gleichermaßen klare Orientierung, an welchen Stellschrauben zu drehen ist. Die nächsten Ratingjahrgänge werden zeigen, wer diese Chance konsequent nutzt. (mho)

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