Interesse an nachhaltigen Geldanlagen schwindet

18.03.2024

Foto: © Irina - stock.adobe.com

Spätestens mit dem so genannten „Green Deal“ der Europäischen Kommission haben nachhaltige Geldanlagen auch eine erhebliche politische Dimension. So sollen nach dem Willen der Kommission Finanzinstitute nachhaltige Anlagen anbieten, und die Vermittler müssen im Rahmen ihrer Beratungsgespräche die Präferenzen der Anleger abfragen und ggf. entsprechende Angebote unterbreiten. Das Deutsche Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) hat vor diesem Hintergrund bereits im Winter 2020/21 damit begonnen, im Rahmen von repräsentativen Umfragen unter rund 2000 Befragten das Stimmungsbild in der Bevölkerung einzuholen. Nunmehr liegen die neuen Ergebnisse der Umfrage aus dem Winter 2023/24 vor.

Relevanz von Nachhaltigkeit als Anlagekriterium nimmt ab

Fragt man die Menschen danach, ob sie das Kriterium Nachhaltigkeit bei der letzten Geldanlageentscheidung berücksichtigt haben, nimmt die Relevanz im Zeitablauf leicht ab. Stimmten im Sommer 2022 noch 40,6% der Befragten zu, sind es aktuell nur noch 37,5%. Umgekehrt spielt Nachhaltigkeit bei 62,5% Prozent der Anleger explizit keine Rolle. Immer mehr (50,9% der Befragten) sehen im Thema lediglich eine Modeerscheinung (Winter 2020/21: 46,8%).

Dazu Prof. Dr. Michael Heuser, Wissenschaftlicher Direktor des DIVA: „Man muss klar konstatieren, dass politischer Wille und Verhalten der Bevölkerung nicht übereinstimmen. Bislang hat die Regulierung der Finanzbranche in Richtung Nachhaltigkeit bei den privaten Geldanlagern wenig bewirken können.“

Dr. Helge Lach, Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Vermögensberater (BDV), einer der Trägerverbände des DIVA, ergänzt: „Das mehr oder weniger politisch erzwungene Angebot nachhaltiger Geldanlagen und die gesetzliche Verpflichtung der Berater, den Kunden darauf ansprechen zu müssen, sind nicht die Hebel, mit denen sich private Ersparnisse lenken lassen. Vielmehr scheint es in breiten Bevölkerungskreisen immer noch viel Misstrauen zu geben. Kein Wunder, denn wenn die EU die Energiegewinnung mit Atomkraftwerken als nachhaltige Übergangstechnologie einstuft, stößt dies natürlich gerade bei den Deutschen auf Ungläubigkeit“. Untermauert werden diese Aussagen durch die Tatsache, dass die meisten Menschen die Zusammenhänge sehr wohl verstehen. Denn 64,7% der Befragten bestätigen, dass mit nachhaltigen Geldanlagen ein Beitrag für eine nachhaltigere Gesamtwirtschaft geleistet werden kann.

Sicherheit und Rendite dominieren als Anlagekriterien

Aufschlussreich sind die Antworten auf die Frage, welches Kriterium bei der Geldanlage die höchste Priorität hat. Die Reihenfolge ist hier seit der ersten Erhebung des so genannten „Magischen Vierecks der Geldanlage“ mit den Polen Sicherheit, Rendite, Liquidität und Nachhaltigkeit nahezu unverändert: Aktuell ist für 44% der Befragten die Sicherheit der Geldanlage besonders wichtig, bei 30% ist es die Rendite, bei 17% die Liquidität und bei nur 10% die Nachhaltigkeit. Dazu Heuser: „Die Abfrage der Anlagepräferenzen suggeriert zwar, dass möglicherweise Nachhaltigkeit zu Lasten der Sicherheit oder der Rendite gehen könnte, was so absolut nicht stimmt. Im Gegenteil: Immerhin gehen 49,9% der Befragten davon aus, dass nachhaltige Anlagen langfristig sogar eine höhere Rendite abwerfen können. Umso bedauerlicher ist es, dass sich hier bisher so wenig tut.“

„Green Bonds“ als möglicher Motor für nachhaltige Geldanlagen

Der BDV-Vorsitzende  auch die Politik in der Pflicht: „Es ist seit Jahrzehnten bekannt, dass gerade die Deutschen, wenn es um ihre Ersparnisse geht, der Sicherheit eine hohe Priorität einräumen. Dies bestätigen auch Auswertungen zu dem im internationalen Vergleich niedrigen Wert des Anteils der Aktiensparer. Folgt man dieser Logik, benötigen wir viel mehr Anlageprodukte, die gleichermaßen sicher sind und nachhaltig investieren. Erforderlich sind mehr grüne Anleihen, also Mittel, die die Bürger der Politik für zweckgebundene Nachhaltigkeitsprojekte zur Verfügung stellen. Gerade in der jetzt wieder besseren Zinssituation ließen sich solche Anleihen ganz sicher in großem Stil problemlos platzieren. Allein schon die deutschen Lebensversicherer wären dafür Großkunden. Das funktioniert aber nur dann, wenn nicht die EZB solche Anleihen mit Dumpingzinsen vom Markt nimmt und so weder private Anleger noch die Lebensversicherer überhaupt zum Zuge kommen können.“(ml)