Jede dritte Firmenpleite in Westeuropa kommt aus Deutschland

04.09.2026

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Die Zahl der Großinsolvenzen in Deutschland bleibt auf Rekordniveau. Im ersten Halbjahr 2026 registrierte der weltweit führende Kreditversicherer Allianz Trade 33 Unternehmensinsolvenzen von Firmen mit mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz. Das sind 10 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit setzt sich der Negativtrend nach dem Rekordjahr 2025 fort.

Im vergangenen Jahr verzeichnete Allianz Trade mit insgesamt 94 Großinsolvenzen in Deutschland (2024: 87 Fälle, +8 %) den bislang höchsten Wert seit Beginn der Auswertung von Großinsolvenzen im Jahr 2015. „Es gibt auch 2026 keine Verschnaufpause bei den Großinsolvenzen“, sagt Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Der Negativtrend aus dem Vorjahr verfestigt sich. Das ist ein Warnsignal für die deutsche Wirtschaft. Es zeigt, dass der Anpassungsdruck in vielen Branchen weiterhin enorm ist. Großunternehmen stehen häufig im Zentrum komplexer Wertschöpfungsketten. Fällt ein Marktteilnehmer dieser Größenordnung aus, geraten oftmals auch Zulieferer, Dienstleister und andere Geschäftspartner unter Druck.“

Besonders betroffen waren im ersten Halbjahr 2026 die Automobilbranche mit sieben Großinsolvenzen, gefolgt vom Einzelhandel (5 Fälle) sowie Maschinenbau und Dienstleistungen (je 4 Fälle). Damit geraten zunehmend auch klassische industrielle Kernbranchen unter Druck.

Mit der steigenden Zahl der Fälle nahmen auch die wirtschaftlichen Schäden durch Großinsolvenzen zu: Der kumulierte Jahresumsatz der insolventen Großunternehmen erhöhte sich im ersten Halbjahr 2026 um 3 % auf rund 4,5 Mrd. Euro. Der durchschnittliche Umsatz insolventer Großunternehmen sank zwar um knapp 7 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf rund 137 Mio. Euro. Das deutet darauf hin, dass zuletzt etwas kleinere Unternehmen betroffen waren. Angesichts der weiterhin hohen Fallzahlen bleibt das Gesamtrisiko für Lieferanten und Kreditgeber jedoch erheblich.

In den vergangenen vier Quartalen verzeichnete Allianz Trade weltweit insgesamt 504 Großinsolvenzen. Davon entfielen 325 Fälle auf Westeuropa. Deutschland vereinte mit 97 großen Insolvenzen etwa 30 Prozent aller Großinsolvenzen in Westeuropa, gefolgt von Frankreich (69), Italien (62) und Großbritannien (45). „Jede dritte Insolvenz in Westeuropa in den vergangenen zwölf Monaten kommt aus Deutschland“, sagt Bogaerts. „Wir erwarten auch im weiteren Jahresverlauf keine nachhaltige Entspannung. Die Zahl der Großinsolvenzen dürfte 2026 auf einem erhöhten Niveau bleiben. Besonders Branchen mit hohen Investitions- und Energiekosten sowie Unternehmen mit geringer Preissetzungsmacht bleiben anfällig für finanzielle Schieflagen."

Deutschland ist mit diesem Trend nicht allein: Auch global kämpfen Unternehmen mit ähnlichen Entwicklungen. Die Zahl der weltweiten Großinsolvenzen nimmt im bisherigen Jahresverlauf weiter zu. Im ersten Halbjahr 2026 registrierte Allianz Trade weltweit insgesamt 247 Großinsolvenzen. Das sind 13 % mehr als im Vorjahreszeitraum.

Die meisten globalen Großinsolvenzen verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 der Einzelhandel (59 Fälle), der Dienstleistungssektor (38 Fälle) sowie das Baugewerbe (33 Fälle). Diese Branchen lagen auch im Vergleich zu ihren langfristigen Durchschnittswerten deutlich über dem historischen Niveau.

„Die Zahl der Großinsolvenzen steigt in vielen Regionen der Welt. Westeuropa bleibt jedoch besonders betroffen und steht für mehr als 60 Prozent aller weltweit erfassten Fälle“, sagt Maxime Lemerle, Leiter der Insolvenzforschung bei Allianz Trade. „Das zeigt: Die wirtschaftliche Erholung vieler europäischer Industriebranchen bleibt fragil. Besonders Unternehmen in energieintensiven und kapitalintensiven Bereichen stehen weiterhin unter erheblichem Druck. Dadurch steigt die Anfälligkeit für größere Unternehmensausfälle."

Neben den erwarteten Belastungen im Einzelhandel, im Dienstleistungssektor und in der Bauwirtschaft geraten zunehmend auch wichtige europäische Industriebranchen wie Chemie, Automobil und Maschinenbau unter Druck. Im Vergleich zu den historischen Durchschnittswerten verzeichnen sie überdurchschnittlich viele Großinsolvenzen. (mho)

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