Markterwartungen an die Fed überzogen – erstmals in diesem Jahr positiv gegenüber US-Staatsanleihen

29.06.2026

Nicolas Jullien - Foto: Copyright Candriam

Die Konjunktur überrascht positiv – aber die Inflation bleibt das größte Hindernis. In diesem Spannungsfeld justiert Candriam seine Fixed-Income-Positionierung neu und geht erstmals in diesem Jahr in eine positive Haltung gegenüber nominalen US-Staatsanleihen. Die Begründung: Die Märkte haben zusätzliche geldpolitische Straffung durch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) überzogen eingepreist. Im Marktkommentar ordnet Nicolas Jullien, Global Head of Fixed Income bei Candriam, das aktuelle Zinsumfeld ein.

Die wichtigsten Einschätzungen im Überblick:

  • US-Zinsmärkte – erstmals positiv: Candriam stuft US-Staatsanleihen von neutral auf moderat positiv hoch und setzt diese Positionierung über das kurze Ende der Zinskurve um. Die aktuellen OIS-Kurven (Overnight Index Swap) spiegeln aus Julliens Sicht eine weitere Fed-Zinserhöhung bis Jahresende wider – ein Szenario, das er als zu restriktiv erachtet.
  • KI-Investitionen – möglicher Inflationstreiber: Neben den Energiepreisen beobachtet Candriam zunehmend inflationäre Impulse aus dem KI-Investitionszyklus. Am langen Ende der Kurve bleibt die Positionierung daher vorsichtig – mit unverändertem Fokus auf inflationsgeschützte US-Anleihen.
  • Euro-Zinsmärkte – Bunds bevorzugt: Candriam hält an der moderat positiven Einschätzung für deutsche Bundesanleihen fest und bevorzugt Duration gegenüber Non-Core-Spreadrisiken. Die Renditeunterschiede zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen (BTP-Bund-Spreads) erscheinen eher auf ein günstigeres makroökonomisches Umfeld ausgerichtet.
  • Schwellenländer – konstruktiv, aber selektiv: Schwellenländerwährungen bleiben die bevorzugte Ausdrucksform der konstruktiven Grundhaltung. Hartwährungsanleihen erscheinen nach einer deutlichen Spread-Kompression weniger attraktiv.