Nachgefragt bei Ait Voncke, CEO von blau direkt

11.03.2026

Ait Voncke, CEO blau direkt GmbH / Foto: © blau direkt

Exklusiv

Vor kurzem wurde der Zusammenschluss der Netfonds AG mit der blau direkt Gruppe unter dem Dach des Wachstumsinvestors Warburg Pincus bekannt gegeben. Im Interview spricht Ait Voncke, CEO von blau direkt, über die strategischen Ziele, Synergien, mögliche weitere Übernahmen und die Auswirkungen auf Makler.

Herr Voncke, mit Netfonds und blau direkt entsteht ein Verbund mit über 550 Millionen Euro Umsatz. Was war aus Ihrer Sicht der entscheidende strategische Grund für diesen Zusammenschluss: Größe, Technologie oder der Zugang zu neuen Maklergruppen?

Ait Voncke: Mit dem Anschluss von Netfonds wächst die Gruppe weiter und stärkt ihre Position als Anbieter von Software- und Infrastrukturdienstleistungen in der Finanz- und Versicherungsbranche. Ziel ist es, die jeweiligen Stärken beider Unternehmen zu bündeln und zusätzliche Innovations- und Wachstumspotenziale zu erschließen. Ein zentraler Fokus liegt dabei auf der Bündelung technologischer Kompetenzen, um Prozesse weiter zu automatisieren und neue Lösungen für Partner und Kunden zu entwickeln. Netfonds ergänzt das bestehende Portfolio insbesondere im Investmentbereich und erweitert damit die Kompetenzen der Gruppe.

In welchen Bereichen ergänzen Sie sich? Wo gibt es Einsparpotenziale durch Synergien?

Voncke: Beide Unternehmen zählen in ihren jeweiligen Segmenten bereits heute zu den Technologieführern. Gemeinsam wollen wir diese Position weiter ausbauen – unter anderem durch die Entwicklung einer ganzheitlichen KI-Infrastruktur, um Automatisierungsprozesse auf ein neues Niveau zu heben und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Partner deutlich zu stärken.

Warburg Pincus nimmt Netfonds zu einem sehr hohen Aufschlag von der Börse. Warum ist eine private Eigentümerstruktur Ihrer Meinung nach besser geeignet, um die gemeinsamen Wachstumspläne umzusetzen?

Voncke: Warburg Pincus ist mit umfangreicher Sektorerfahrung in den Bereichen Finanzdienstleistungen und Technologie sowie dem Fokus auf nachhaltiges Wachstum der Portfoliounternehmen der ideale Partner, um unsere gemeinsamen Wachstumspläne umzusetzen. Der Rückzug von der Börse ermöglicht zusätzliche strategische Freiheiten sowie einfachere und schnellere Investitionen.

blau direkt hat bereits 2025 Phönix Maxpool übernommen. Ist der Netfonds-Deal Teil einer größeren Konsolidierungsstrategie im Maklermarkt und können weitere Übernahmen folgen?

Voncke: Der Zusammenschluss mit Netfonds ist aus meiner Sicht keine klassische Konsolidierung. Es kommen zwei komplementäre Welten zusammen, weil sich der Markt genau in diese Richtung bewegt. Der Fokus liegt aktuell darauf, die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe weiterzuentwickeln und die gemeinsamen Potenziale zu nutzen. Gleichzeitig beobachten wir den Markt kontinuierlich und prüfen strategische Chancen.

Der Wettbewerb im Maklermarkt investiert ebenfalls massiv in Technologie. Was unterscheidet die IT-Strategie von blau direkt und Netfonds künftig von anderen Plattformanbietern?

Voncke: Die Systemarchitekturen von Netfonds und blau direkt folgen einem ähnlichen Prinzip. Beide Häuser legen seit vielen Jahren einen großen Schwerpunkt auf Datenqualität, Automatisierung und Prozesseffizienz. In der KI-Ära wird diese Fokussierung zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Gemeinsam werden wir dieses Potenzial noch stärker heben und das KI-Betriebssystem der Branche entwickeln.

Sie betonen, dass Netfonds als eigenständige Marke bestehen bleibt. Wie stellen Sie sicher, dass die Unternehmenskulturen und Partnernetzwerke tatsächlich erhalten bleiben und nicht schleichend integriert werden?

Voncke: Sowohl Netfonds als auch blau direkt bleiben eigenständige Unternehmen mit eigener Marke, eigenem Management und bewährter Struktur innerhalb der gemeinsamen Holding. Der Zusammenschluss ist in erster Linie ein strategischer Wachstumsschritt. Ziel ist es, Kompetenzen zu bündeln und neue Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen. Der Fokus liegt daher auf der Weiterentwicklung der bestehenden Aktivitäten.

Welche Auswirkungen hat der Zusammenschluss für die Makler?

Voncke: Für bestehende Partner und Kunden ändert sich nichts. Bestehende Kooperationen, Verträge und Ansprechpartner bleiben unverändert bestehen. Perspektivisch kann die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe zusätzliche Möglichkeiten eröffnen.

Wie wird sich der deutsche Pool-Markt durch diesen Zusammenschluss verändern und welche Rolle soll der neue Verbund darin spielen?

Voncke: Die Finanz- und Versicherungsbranche befindet sich bereits seit einigen Jahren in einem strukturellen Wandel, in dem technologische Innovation und Skalierbarkeit eine immer größere Rolle spielen. Unser Zusammenschluss ist vor allem ein strategischer Schritt, um Kompetenzen zu bündeln und gemeinsam stärker in Zukunftstechnologien zu investieren und Kunden und Mitarbeitern Sicherheit zu geben. (mho)

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