Nachgefragt bei Imke Brammer-Rahlfs, Vorstandsvorsitzende der Uelzener Versicherungen
10.02.2026
Imke Brammer-Rahlfs, Vorstandsvorsitzende der Uelzener Versicherungen. Foto: © Uelzener Versicherungen
Mit dem „LORE-Preis für starke Frauen“ hat der Soroptimist-Club Uelzen vor kurzem Imke Brammer-Rahlfs, Vorstandsvorsitzende der Uelzener Versicherungen ausgezeichnet. Das Netzwerk berufstätiger Frauen würdigt damit ihr herausragendes Engagement für die Region ebenso wie ihren außergewöhnlichen Karriereweg. finanzwelt hat nachgefragt, wie Imke Brammer-Rahlfs die Vereinbarkeit von Familie und Führungsaufgaben gemeistert hat und wie Unternehmen Frauen unterstützen können.
Frau Brammer-Rahlfs, Sie haben Ihre Karriere bei den Uelzener Versicherungen in der Sachbearbeitung begonnen und stehen heute an der Unternehmensspitze. Welche strukturellen Veränderungen brauchen Unternehmen aus Ihrer Sicht, damit solche Karrierewege für Frauen häufiger Realität werden?
Imke Brammer-Rahlfs: Aus meiner Sicht braucht es vor allem Transparenz und Flexibilität. Unternehmen sollten von Beginn an offen kommunizieren, welche Entwicklungsschritte möglich sind und nach welchen Kriterien Entscheidungen getroffen werden. Unklare Perspektiven sind ein häufiger Grund dafür, dass Frauen Unternehmen verlassen. Ein anderer Grund sind unfaire Bewertungsmaßstäbe. Karriere darf nicht an die Anzahl der Präsenzstunden oder kurzfristige Verfügbarkeiten gekoppelt sein. Langfristige Entwicklung, fachliche Kompetenz und Zuverlässigkeit müssen stärker zählen als Selbstinszenierung oder Lautstärke.
Einen Crashkurs in Sachen Flexibilität haben viele Unternehmen während der Corona-Lockdowns machen dürfen. Da hat sich gezeigt, dass Präsenz nicht alles ist. Vor allem, wenn es um das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht, war diese Erkenntnis von immenser Bedeutung.
Sie sind Mutter zweier erwachsener Kinder und haben parallel eine anspruchsvolle Karriere aufgebaut. Was waren rückblickend die größten Herausforderungen in der Vereinbarkeit von Familie und Führungsaufgaben? Was hat Ihnen ganz konkret geholfen, diese zu bewältigen?
Brammer-Rahlfs: Als größte Herausforderung empfand ich damals die dauerhafte Gleichzeitigkeit von Verantwortung. Man will im Beruf einhundert Prozent geben, aber auch voll und ganz für die Familie da sein. Als meine Kinder klein waren, gab es viele der heutigen Unterstützungsstrukturen noch nicht. Das Elternzeit-Angebot war damals noch sehr starr und finanziell wenig attraktiv, flexible Arbeitszeiten waren kaum etabliert und von mobilem Arbeiten von zu Hause aus konnte keine Rede sein.
Was mir geholfen hat, war zum einen eine sehr klare innere Haltung. Ich wollte mich nicht entscheiden, sondern beruflich und familiär Verantwortung übernehmen. Das war nur möglich, indem ich bewusst Prioritäten gesetzt habe.
Zum anderen war es aber auch der Rückhalt durch mein privates Umfeld, der mir meinen Weg ermöglicht hat. Mein Mann hat mich von Anfang an stark unterstützt und mir viel Verantwortung abgenommen.
Was müssen Unternehmen heute anders machen, damit Elternschaft kein Karrierehemmnis mehr ist, sondern als Kompetenz wahrgenommen wird?
Brammer-Rahlfs: Die Unternehmenskultur spielt hier eine ganz wichtige Rolle. Wo der Mensch als Ganzes gesehen wird, da ist es möglich, Elternschaft als Chance zu betrachten, nicht als Hindernis oder gar Störfaktor. Mitarbeitende, die Kinder haben, entwickeln Fähigkeiten, die in Führung sehr relevant sind: Sie lernen zu priorisieren, Verantwortung zu tragen, Entscheidungen zu treffen, Menschen mit Empathie zu begegnen und ihre eigene Belastbarkeit richtig einzuschätzen. Wichtig sind Führungskräfte, die diese Kompetenzen erkennen und wertschätzen.
Darüber hinaus braucht es im Unternehmen Strukturen, die es Menschen ermöglichen, auch in fordernden Lebensphasen Verantwortung zu übernehmen und ihre Karriere voranzubringen. Flexible Arbeitsmodelle und verlässliche Rückkehrperspektiven nach Familienzeiten sind in diesem Zusammenhang unverzichtbar. Wo die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, entwickeln sich Führungskräfte, die den Ansprüchen einer komplexer werdenden Arbeitswelt gewachsen sind. Davon bin ich fest überzeugt. (mho)

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