„Narzisstische Dynamiken kosten Milliarden“
30.03.2026

Dr. Linda Dahm Foto: © Dr. Linda Dahm
Narzissmus in Unternehmen ist ein oft unterschätzter Risikofaktor mit erheblichen wirtschaftlichen Folgen. In ihrem Buch „30 Minuten Narzissmus“ analysiert die Organisationsentwicklerin Dr. Linda Dahm, warum toxisches Führungsverhalten häufig lange toleriert wird und welche Dynamiken dahinterstecken.
Im Interview spricht sie über die gefährliche Faszination charismatischer Persönlichkeiten und erklärt, warum viele Unternehmen das Problem erst erkennen, wenn es zu spät ist.
Frau Dr. Dahm, was hat Sie dazu bewogen, dieses Buch zu schreiben? Welche Zielgruppe sprechen Sie an?
Dr. Linda Dahm: Dem Thema gebührt eine saubere wissenschaftliche und gleichzeitig praxistaugliche Einordnung. Meine Mission ist es, zu informieren und Klarheit zu schaffen – für alle und insbesondere für Menschen in Unternehmen: Mitarbeitende, Führungskräfte, HR, Gremien. Schädlicher Narzissmus als subklinische Form menschlichen Verhaltens ist weiter verbreitet, als viele glauben. Hinter der Unzufriedenheit der Mitarbeitenden in den Unternehmen, hinter Konflikten, Fluktuation oder mangelndem Engagement steckt oft „nur“ schlechte Führung. Zuweilen aber auch mehr: toxisches Verhalten in Form von Narzissmus.
Narzissmus ist ein Modebegriff. Was unterscheidet Selbstbewusstsein von problematischem Narzissmus?
Dahm: Narzissmus ist ein dimensionales Charaktermerkmal, das wir alle in uns tragen. Das Spektrum reicht von einer gesunden Selbstliebe bis hin zu einer ausgeprägten Persönlichkeitsstörung. Selbstbewusste Menschen sind stark und souverän. Damit bleiben sie anschlussfähig. Menschen mit starker narzisstischer Akzentuierung hingegen zeigen ein schwieriges Sozialverhalten. Sie sind arrogant und machen andere klein, um selbst groß zu sein.
Welche Schäden können Narzissten in Unternehmen verursachen?
Dahm: Im Extrem verursachen sie großes menschliches Leid und damit verbunden Kosten in Milliardenhöhe. Der renommierte Stanford-Professor und Organisationspsychologie Robert I. Sutton hat eine Kennzahl entwickelt – die TAC, Total Asshole Costs. Ungeachtet der sprachlichen Provokation: Die Kosten stehen selten direkt in der Bilanz, sind aber real: Fluktuation, Krankenstand, Berufsunfähigkeit, direkte monetäre Verluste durch Betrug oder Diebstahl, Kosten für Rechtsstreitigkeiten, Abfindungen und vieles mehr. Diese Kosten sind kein Randthema. Sie betreffen die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen unmittelbar. Wer toxisches Verhalten toleriert, schwächt seine Organisation strukturell, oft über Jahre hinweg und mit kumulativen Effekten.
Warum wirken narzisstische Persönlichkeiten oft wie ideale Führungskräfte?
Dahm: Sie betreten die Bühne im Gewand der Prinzessin oder des Prinzen Charming: Sie sind gutaussehend, präsent, intelligent, eloquent, entscheidungsfreudig, risikobereit. Das sind häufig definierte Auswahlkriterien von Arbeitgebern. Die zuweilen auftretenden Schattenseiten oder zu starken Akzentuierungen werden gerne übersehen. Es wird unzureichend geprüft. Und die Maske fällt spät.

INFITECH GmbH übernimmt verticus Finanzmanagement AG









