"Plötzliche oder geplante Unternehmensnachfolge: Wie Netzwerke und Kommunikation helfen"
28.11.2025

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Rund 40.000 Unternehmen werden Schätzungen zufolge pro Jahr in Deutschland an die nächste Generation übergeben. Doch nur ein Bruchteil davon dürfte vollkommen planmäßig und ohne Komplikationen über die Bühne gehen. Im Rahmen eines digitalen Presse-Workshops, veranstaltet von der Initiative “Frauen*Finanzplanung” des FPSB Deutschland, diskutierten erfahrene Finanz- und Nachfolgeplanerinnen des FPSB Deutschland mit renommierten Unternehmerinnen über persönliche Erfahrungen, Herausforderungen und Erfolgsfaktoren bei der Unternehmensnachfolge, insbesondere von Frauen – und was andere daraus lernen können.
Der von Svenja Lassen, Journalistin und Gründerin des Female Investors Network (FIN), moderierte Presse-Workshop, der bereits zum fünften Mal stattfand und auf große Resonanz stieß, stand in diesem Jahr unter dem Motto: „Next Generation – Von Stolpersteinen zu Erfolgsgeschichten: Exklusive Insights zur Unternehmensnachfolge von Frauen“. Und so berichteten sowohl Larissa Zeichhardt, Geschäftsführerin der LAT-Gruppe, als auch Dr. Alexandra Kohlmann, Geschäftsführerin der ROWE Mineralölwerke GMBH, sehr anschaulich, wie sie größtenteils ungeplant plötzlich Verantwortung für die Firma übernehmen und in die Fußstapfen ihrer Väter treten mussten.
Ein wichtiges Instrument, um nach der Unternehmensübergabe schnell die Mitarbeitenden mitzunehmen, war Kommunikation. „Veränderungen machen Angst und wenn nicht kommuniziert wird, wächst die Angst. Deswegen haben wir bei LAT sofort angefangen, in großen Runden, von der Führungskraft über den Lagermitarbeiter bis hin zur Putzfrau, zu kommunizieren, wie es weitergeht“, berichtet Zeichhardt, die nach dem plötzlichen Tod des Vaters seit 2015 zusammen mit ihrer Schwester die LAT-Gruppe, einen Spezialisten für Bahnstrom-, Sicherheits- und Netzwerktechnik, führt.
Dr. Alexandra Kohlmann berichtete, dass sie ihre Rolle bei der ROWE MINERALÖLWERK GmbH erst finden musste. „Das ist ein sehr emanzipatorischer Prozess. Ich habe zunächst verschiedene Abteilungen durchlaufen, um meine zukünftigen Aufgabengebiete herauszufinden. Dafür muss man auch erst einmal das notwendige Selbstbewusstsein entwickeln“, so die Chefin, die als Mitglied der Geschäftsleitung ab 2016 langsam in die Fußstapfen ihres Vaters trat. Es gehe darum, eine eigene Vision für das Unternehmen zu entwickeln und die entsprechenden Schritte einzuleiten, um es für die Zukunft erfolgreich aufzustellen, betonte Kohlmann.
Ungelöste Nachfolge ist größtes Problem im Mittelstand
Welche enorme Bedeutung eine erfolgreiche Nachfolge generell für die deutsche Wirtschaft hat, machte Viktoria Preuß, Wealth Managerin bei der DekaBank und CFP®-Professional, klar: „Die größte Herausforderung im Mittelstand sind nicht der Fachkräftemangel oder die Digitalisierung. Viel häufiger ist es die ungelöste Nachfolge.“ Das liege auch an traditionellen Rollenbildern. „Frauen werden häufig nicht als erste Wahl für die Nachfolge betrachtet“, berichtete Preuß.
Aktuell liege der Anteil der Frauen, die ein Unternehmen übernehmen, bei 20 Prozent, so die Wealth Managerin. Dabei zeigten Studien, dass Unternehmen, die von Frauen geführt würden, oft nachhaltiger und langfristig wirtschaftlicher sowie resilienter und innovationsfreudiger seien. „Frauen bringen häufig eine andere Perspektive in die Unternehmensführung mit ein, was in einer zunehmend diversifizierten Wirtschaft von Vorteil ist“, sagte Preuß.
Die beiden Unternehmenslenkerinnen Zeichhardt und Kohlmann arbeiten mit Universitäten und Forschungseinrichtungen zusammen und sind in zahlreichen Netzwerken und Verbänden, etwa dem Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU), aktiv. Für das verschiedene Engagement wurden beide schon mehrfach ausgezeichnet, etwa mit dem „Next Generation Award“, vorbildliches familienfreundliches Engagement oder mit dem Innovationspreis Berlin Brandenburg.
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