Prävention als Schlüssel für bezahlbare Versicherungen
06.07.2026

Prof. Dr. Frank Walthes, Vorstandsvorsitzender, Konzern Versicherungskammer Foto: © Versicherungskammer
Beim diesjährigen Naturgefahrenforum der Versicherungskammer Bayern stand die wachsende Bedrohung durch Starkregen und Überschwemmungen im Mittelpunkt. Rund 100 Fachleute aus Kommunen, Ministerien, Hochschulen, Verbänden und der Versicherungswirtschaft diskutierten am 29. Juni über Strategien, wie sich die Gesellschaft gegen die Folgen des Klimawandels wappnen kann. Ein zentrales Ergebnis: Nur durch ein Zusammenspiel von privater und öffentlicher Prävention, Klimafolgenanpassung sowie umfassendem Versicherungsschutz lassen sich Menschen und Werte langfristig schützen.
Prof. Dr. Frank Walthes, Vorstandsvorsitzender des Konzerns Versicherungskammer, betonte die Notwendigkeit eines verantwortungsvollen Handelns aller Beteiligten: „Die Zunahme von Naturgefahren verlangt verantwortungsvolles Handeln – von Immobilienbesitzern, Versicherern und dem Staat. Prävention und angepasste Bauweisen müssen zur Selbstverständlichkeit werden. Das Naturgefahrenforum zeigt auf, wie wir aus extremen Szenarien konkrete Handlungsempfehlungen ableiten und gemeinsam Lösungen für den Schutz von Menschen und Werten entwickeln.“
Die Dimension der Herausforderungen verdeutlichte Dr. Markus Juppe, Vorstandsmitglied der Versicherungskammer Bayern, verantworlich für den Bereich Komposit: „5,6 Milliarden Euro Schadenaufwand in der Sach- und Kraftfahrtversicherung allein im Jahr 2024, dazu weit über eine Million Sturm- und Hagelschäden an Gebäuden und Fahrzeugen – diese Zahlen belegen, wie bedeutsam Prävention und Absicherung sind.“ Besonders kritisch sieht Dr. Juppe die Deckungslücke bei Elementargefahren wie Starkregen oder Überschwemmungen: Während die meisten Hausbesitzer gegen Feuer, Sturm und Leitungswasser versichert sind, liegt die Versicherungsdichte bei Elementarschäden bundesweit nur bei 57 Prozent, in Bayern sogar nur bei 50 Prozent. Doch es genügt nicht, allein die Versicherungsdichte zu erhöhen.
Dr. Juppe bertont: „Ohne wirksame Prävention werden Versicherungsprämien künftig für viele Menschen unbezahlbar. Wenn wir die wachsenden Risiken nicht konsequent reduzieren, erreichen wir eine Grenze, an der Versicherungsschutz nicht mehr für alle gewährleistet werden kann. Prävention ist daher nicht nur ein Instrument zur Risikominderung, sondern die zentrale Voraussetzung für ein bezahlbares und funktionierendes Versicherungssystem.“
Auch die öffentliche Hand sieht sich in der Verantwortung: Christian Leeb vom Bayerischen Umweltministerium stellte das Programm„ProGewässer 2030“ als Teil der Strategie „Wasserzukunft 2050“ vor, mit dem der Freistaat Kommunen beim Hochwasserschutz unterstützt. Dr. Andreas Gaß vom Bayerischen Städtetag betonte die Notwendigkeit eines Engagements aller relevanten gesellschaftlichen Akteure und unterstrich die Bedeutung ausreichender finanzieller Mittel von Land und Bund, um Schutzmaßnahmen vor Ort umsetzen zu können.
Matthias Borst vom Bayerischen Bauernverband hob die Rolle der Landwirte bei der Schaffung von Retentionsflächen hervor, forderte aber zugleich bessere Zusammenarbeit und Kompensation bei Flächenumwidmungen.
Das Naturgefahrenforum machte deutlich: Nur durch gemeinsames, vorausschauendes Handeln aller Akteure können die Folgen von Naturgefahren wirksam begrenzt und Versicherungsschutz auch in Zukunft bezahlbar gehalten werden. (mho)

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