„Prävention und digitale Angebote werden immer wichtiger“

12.05.2026

Foto: Sascha Marquardt, Leiter des Kompetenzcenters Firmenkunden der Hallesche Krankenversicherung © Hallesche Krankenversicherung

Wie entwickelt sich das bKV-Geschäft in Ihrem Unternehmen?

Marquardt: Die bKV gehört seit Jahren zu den stärksten Wachstumsfeldern in unserem Haus. Wir verzeichnen eine kontinuierlich steigende Nachfrage sowie eine zunehmende Verbreitung über verschiedene Branchen hinweg. Insbesondere seit Einführung der Budgettarife wächst das Neugeschäft Jahr für Jahr weiter.

Budgettarife werden von Unternehmen bevorzugt, weil sie flexibel einsetzbar sind und von den Mitarbeitenden intensiv genutzt werden. Gleichzeitig beobachten wir eine steigende Nachfrage nach ergänzenden Leistungen, etwa im Bereich mentale Gesundheit, Assistance-Services und Pflege.

Insgesamt entwickelt sich die bKV zunehmend von einer Zusatzleistung hin zu einem festen Bestandteil moderner Benefits-Strategien.

Wie ist Ihr bKV-Ausblick für 2026 – für den deutschen Markt und speziell für Ihr Unternehmen?

Marquardt: Für den deutschen Markt erwarten wir auch im Jahr 2026 eine weiterhin hohe Dynamik. Die strukturellen Treiber wie Fachkräftemangel, steigende Gesundheitskosten und der Wunsch nach attraktiven Arbeitgeberleistungen bleiben bestehen und werden die Nachfrage weiter ankurbeln. Insbesondere im Mittelstand sehen wir noch erhebliches Potenzial, da viele Unternehmen die bKV zwar als relevant einschätzen, sie aber noch nicht flächendeckend einsetzen. Die bKV wird sich hier zunehmend als Standard-Benefit etablieren. Für unser Unternehmen gehen wir davon aus, dass sich das Wachstum fortsetzt. Gleichzeitig werden wir unsere Lösungen kontinuierlich weiterentwickeln, insbesondere im Hinblick auf digitale Services und ergänzende Versorgungsbausteine, um den steigenden Anforderungen von Unternehmen und Mitarbeitenden gerecht zu werden.

Die Kostenexplosion im Gesundheitswesen setzt die Politik unter Handlungsdruck. Welche Themen sollte die Politik am dringendsten angehen im Hinblick auf die bKV?

Marquardt: Aus unserer Sicht sollte die Politik die betriebliche Krankenversicherung stärker als Teil der Lösung begreifen. Sie kann dazu beitragen, Versorgungslücken zu schließen, Prävention zu stärken und das Gesundheitssystem insgesamt zu entlasten. Wichtig sind vor allem verlässliche und langfristig stabile Rahmenbedingungen, die Unternehmen Planungssicherheit geben und Investitionen in betriebliche Gesundheitsleistungen fördern. Gleichzeitig sollte der Fokus stärker auf Prävention und frühzeitige Versorgung gelegt werden, um Kostenentwicklungen nachhaltig zu begrenzen. Darüber hinaus braucht es Offenheit für innovative Versorgungsformen, etwa im Bereich digitaler Gesundheitsangebote und telemedizinischer Leistungen, sowie Impulse, um die Verbreitung der bKV insbesondere im Mittelstand weiter zu erhöhen. Die vorhandenen Strukturen bieten bereits eine gute Basis, werden aber noch nicht in vollem Umfang genutzt. (mho)