Rauschen in der Leitung

28.02.2022

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Wenn das Gespräch auf die Wohngebäudeversicherung kommt, richtet sich der Blick automatisch auf die Hochwasser-Katastrophe vom vergangenen Sommer in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Dabei findet jeden Tag – eher im Stillen – ein ganz anderes Desaster statt. Und das kommt aus den Wasserleitungen der Häuser. Die Versicherer kostet es viele Milliarden Euro.

Geplatzte Rohre, leckende Armaturen oder auslaufende Heizboiler: Leitungswasserschäden werden für die Versicherer immer teurer. Die Wohngebäudeversicherer leisteten dafür 2019 zum ersten Mal mehr als 3 Mrd. Euro. Am stärksten betroffen war erneut Köln. Der Indexwert für Leitungswasserschäden war in der Kölner Innen- und Südstadt mit 204 mehr als doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt (100). Das geht aus Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor. Hauptursache für Leitungswasserschäden sind Installations- und Montagefehler. Mangelhafte Rohrverbindungen und kaputte oder falsche Dichtungen sorgen für jeden vierten Schaden. Wichtig ist deshalb eine regelmäßige Wartung der Heizungs- und Sanitäranlage. „Um Leitungswasserschäden zu begrenzen, müssen Absperrventile leicht zugänglich und klar gekennzeichnet sein und vor allem im Notfall auch funktionieren“, sagt Oliver Hauner, Leiter der Abteilung Sach und Technische Versicherung. Allein im Jahr 2019 zählten die Wohngebäudeversicherer deutschlandweit rund 1,1 Millionen Leitungswasserschäden. Die Kosten summierten sich auf 3,1 Mrd. Euro. Der Schadendurchschnitt erhöhte sich um knapp 7 % auf 2.881 Euro. Hinzu kommen 280 Mio. Euro Schäden in der Hausratversicherung. Von 2002 bis 2019 leisteten die Gebäudeversicherer für alle versicherten Gefahren (Sturm/Hagel, Feuer, Leitungswasser und weitere Naturgefahren) insgesamt 77 Mrd. Euro. 38 Mrd. Euro – also fast die Hälfte der Leistungen – entfielen auf Leitungswasserschäden.

Nachhaltigkeit als Qualitätsmerkmal

Natürlich spielen diese Schäden auch eine wichtige Rolle, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht, denn Wasser ist eine wertvolle Ressource. Und es stellt sich automatisch die Frage, welche Rolle dieser Aspekt in der Wohngebäudeversicherung spielen sollte. Michael Groß, Leiter Sachversicherung bei den Barmenia Versicherungen, sagt dazu: „Wir prüfen bei jeder Produktneugestaltung, ob und in welchem Umfang nachhaltige Aspekte umgesetzt werden können. Bei der Neugestaltung der Barmenia-Wohngebäudeversicherung, mit der wir seit dem 29. November 2021 am Markt vertreten sind, haben wir etliche Leistungen mit besonderen ökologischen und sozialen Inhalten im Versicherungsschutz berücksichtigt.“ Wichtig sei auch zu beachten, dass die Barmenia für Mehrkosten aufkomme, die durch öffentlich-rechtliche Auflagen entstünden – und zwar in vollem Umfang Dies könne der Fall sein, wenn sich der Neubau des Gebäudes wegen geänderter Bauvorschriften zum Beispiel zur Wärmedämmung nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) verteuere. Solchen Kosten werde künftig immer mehr Bedeutung zukommen. So hätten bereits einige Bundesländer (Baden-Württemberg, Hamburg, Berlin) eine „Solarpflicht“ beschlossen. Danach müssen in der Tat neu zu errichtende Wohngebäude mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet werden. Für bereits bestehende Häuser gilt das auch bei einer umfassenden Sanierung des Daches. Die Länder sehen allerdings auch Ausnahmeregelungen vor. In Baden-Württemberg gilt die Solarpflicht ab 1. Mai 2022, in Berlin ab dem 1. Januar 2023. Groß fährt fort: „Zusätzlich bieten wir eine erweiterte Absicherungsmöglichkeit aller haustechnischen Anlagen gegen Elektronikgefahren, insbesondere auch für Photovoltaikanlagen, Solarthermie-, Geothermie- sowie sonstige Wärmepumpenanlagen, Smart-Home-Anlagen/-Geräte und für alle übrigen elektrotechnischen und elektronischen Anlagen und Geräte des Gebäudes, einschließlich Wandladestationen (sog. Wallboxen) zum Aufladen von Elektrofahrzeugen.“ Darin abgedeckt sei auch der Diebstahl (auch Raub und Plünderung) dieser Anlagen beziehungsweise von Teilen davon sowie der Ertragsausfall der Photovoltaikanlage nach einem Schaden.

Es könnte teurer werden

Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf die Beitragskalkulation? Groß hat darauf eine klare Antwort: „Unter der Annahme, dass katastrophale Naturereignisse, wie zuletzt die Sturzfluten im Juli 2021, vermehrt auftreten, ist damit zu rechnen, dass sich diese mittel- und langfristig in der Beitragskalkulation niederschlagen werden.“ Es ließe sich allerdings jetzt nicht voraussagen, ob und in welchem Umfang diese Einflüsse haben würden. Darüber hinaus sei die Versicherungslösung aber Teil eines Gesamtkonzeptes, zu dem auch Prävention und Aufklärung gehörten. An die Trennung von Beständen in besonders gefährdeten Regionen denke man bei der Barmenia jedoch nicht. (hdm)