Selbst ist die Frau in der Versicherungsbranche

15.03.2024

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Wie man es dreht und wendet – auch in der „modernen“ Gesellschaft haben es Frauen deutlich schwerer als Männer. Es gibt immer noch Männer-Berufe und Frauen-Berufe und die Überraschung – oder Freude! – ist immer noch groß, wenn Frauen sich in „typische“ Männerberufe wagen. Inzwischen beginnen sich genau deswegen die entstandenen Marktlücken langsam zu füllen.

Die Geschichte von Femance Finanzen beginnt im März 2018 als Blog von Expertin Hava Misimi. Ein Blog, der so informativ ist, dass er im November des Jahres darauf mit dem Finanzblog-Award ausgezeichnet wird. Die Beratung Femance gründet Misimi schließlich, um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden. „Vor allem die Nachfrage nach Vorsorge-Versicherungen steigt“, weiß sie aus Erfahrung. Bekanntermaßen ist das Einkommen von Frauen geringer als das von Männern und folglich sind auch die Renten niedriger, beziehungsweise werden es sein, wenn nicht rechtzeitig vorgesorgt wird. Wie Sie auf Seite 8 dieser Ausgabe lesen können, ist Care-Arbeit einer der Gründe für Erwerbsunterbrechungen und die dadurch entstehenden finanziellen Lücken. Die Gründerin und Geschäftsführerin freut sich besonders über eine positive Entwicklung in dieser Hinsicht. Es passiere selten, dass Personen in Elternzeit ihre Beiträge reduzieren oder ihre Verträge auflösen. Im Gegenteil: Es sei besonders aufgefallen, dass Frauen, die Kinder planten oder schwanger wurden, eher ihre Beiträge aufstockten. „Wir beobachten auch, dass die Personen, die heute in unsere Beratung kommen, ein größeres Vorwissen haben als noch vor zwei Jahren“, so Misimi. Davon profitiere auch die Beratung, da man weniger erklärten müsse und schneller die richtigen Produkte für Kundinnen und Kunden finde. „Deshalb ist auch das Thema Finanzbildung eine wichtige Säule von Femance – neben einer transparenten Beratung auf Augenhöhe.“ Zum Thema Finanzbildung können Sie übrigens auch auf Seite 6 noch mehr lesen.

Es könnte so einfach sein

Das Bild der Frau im finanziellen Nachteil hält sich hartnäckig. Laut des Gender Gap Report 2023 (World Economic Forum, WEF) würde es bei derzeitigem Tempo – seit dem 1. Report im Jahr 2006 hat sich die Lage insgesamt um lediglich 4,1 % verbessert – ganze 131 Jahre dauern, den Gender Gap zu schließen. Eine wirtschaftliche Gleichstellung würde in 169 Jahren erreicht werden und eine politische in 162 Jahren. Die skandi navischen Länder sind mit gutem Beispiel vorangegangen. Die Frage, warum Frauen in Deutschland dann immer noch durchschnittlich 4,46 Euro/Std. weniger Bruttogehalt als Männer (DeStatis, 18. Januar 2024) haben, bleibt. Um als Berater oder Beraterin das bestmögliche Angebot für die Eventualitäten des Lebens bieten zu können, sei ein vielfältiges Beratungsangebot wichtig, erklärt die Femance-Bloggerin. „Zentral ist auch, dass man sensibel auf die verschiedenen Lebenssituationen eingeht und zum Beispiel das Thema Elternzeit und Kinderwunsch immer mitdenkt.“ Jede Beratungssituation sei zwar individuell, aber es gäbe Themen, auf die man sich ganz allgemein vorbereiten könne. „Dementsprechend sollte auch das Produktangebot vielfältig sein und die Beraterinnen und Berater sollten ein breites Wissen haben, welche Produkte es auf dem Markt gibt.“ Im Femance-Team gibt es dementsprechend für jede relevante Kategorie eine verantwortliche Person. Die zuständige Kollegin, beispielsweise für die Altersvorsorge, hat dann den Markt im Blick und die Aufgabe, Neuerungen zu verfolgen und Updates an das gesamte Team weiterzugeben.

Die Finanz- und Versicherungsbranche gilt als Männerdomäne.

Für mehr Diversität müsse sie unter anderem transparenter und digitaler werden, betont Hava Misimi. „Zum einen, weil es ein großes Nachwuchsproblem innerhalb der Branche gibt, zum anderen, weil sich die Anforderungen an Beratung verändert haben.“ Frauen seien in der Branche stark unterrepräsentiert und weibliche Vorbilder wären für eine Veränderung entscheidend. Auch die Arbeitsbedingungen müssten sich verändern, meint sie und spricht damit über die jüngere Generation, die in Zukunft ins Arbeitsleben eintreten wird – mehr dazu auf Seite 10 dieser Ausgabe. Um die Finanz- und Versicherungsbranche vor einem ereignislosen und stummen Austrocknen zu bewahren, muss etwas getan werden. „Wir müssen daran arbeiten, die Branche attraktiver zu machen“, so die Expertin. „Und dazu gehört neben den Arbeitsbedingungen auch das Image.“ Dabei ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass es bei Versicherungen nicht nur um das verkaufte Produkt und die Provision geht. Es geht um die Zusammenarbeit mit Menschen, die eigene Geschichten und verschiedene Motivationen haben, wenn sie sich für eine professionelle Beratung entscheiden. „Versicherungen sind nicht einfach nur ein Produkt“, sagt Hava Misimi abschließend. „Sie geben den Menschen Sicherheit und Sorgenfreiheit. Man kann in diesem Beruf wirklich etwas bewirken und für Menschen einen Unterschied machen – das sollten wir in den Vordergrund stellen. Denn viele junge Menschen suchen in ihrer Arbeit nach einem höheren Sinn.“ (ml)