Stabilitätsanker Gold und Silber im Sturzflug

25.02.2026

Foto: Dr. Holger Schmitz, Vorstand der Schmitz & Partner AG © Schmitz & Partner AG

Exklusiv

Die Preise von Gold und Silber sind Anfang Februar stark gefallen. Aus Sicht von Dr. Holger Schmitz, Vorstand der SCHMITZ & PARTNER AG – Privates Depotmanagement, war das keine Trendwende, sondern eine überfällige Korrektur – die durch regulatorische Eingriffe noch verstärkt wurde. Die langfristigen Perspektiven sieht er positiv – auch weil viele Vermögensverwalter bisher noch gar nicht investiert sind.

Es war ein Beben am Edelmetallmarkt: Bis zum 29. Januar dieses Jahres war der Goldpreis auf rund 5.400 US-Dollar je Feinunze geklettert – um daraufhin bis auf weniger als 4.700 US-Dollar am 2. Februar abzustürzen. Silber traf es prozentual betrachtet noch heftiger: Von 116 US-Dollar je Feinunze ging es bis zum 5. Februar runter auf 73 US-Dollar – ein Minus von rund 37 Prozent. Aus meiner Sicht handelt es sich dabei aber keineswegs um eine Trendwende, sondern um einen überfälligen Rücksetzer nach einer Phase rasant gestiegener Preise.

Gerade bei Silber stiegen die Notierungen zuletzt in schwindelerregendem Tempo. Im Kurschart lag der Abstand zur 200-Tage-Linie zeitweise bei knapp 100 Prozent. Historisch betrachtet ruft so etwas geradezu nach einer Gegenreaktion. Dazu kam ein Faktor, den viele Privatanleger unterschätzen: der Terminmarkt. Die CME Group als Mutter der Metallbörse COMEX hat die Margin-Anforderungen für COMEX-Silber-Futures im Februar von 15 auf 18 Prozent angehoben. Das heißt: Investoren müssen für Terminkontrakte mehr Kapital hinterlegen. Wer das zusätzliche Kapital nicht nachschießen konnte oder wollte, musste Positionen abbauen. In einem ohnehin überhitzten Markt wirkt so ein Schritt wie ein Beschleuniger für den Abverkauf. Dass diese Bremswirkung politisch gewünscht war, liegt für mich auf der Hand.

Das Fieberthermometer ist politisch unbequem

Doch warum sollte aufseiten der Regulierungsbehörden ein Interesse daran bestehen, Gold- und Silberpreise zu drücken? Ganz einfach: Edelmetalle gelten als Fieberthermometer. Steigen sie zu stark, senden sie ein politisch und geldpolitisch unerwünschtes Signal: Misstrauen in Papiergeld, steigende Inflationserwartungen und eine Flucht in Sachwerte. Da es einfacher ist, das Thermometer zu zertrümmern, als das Fieber zu heilen, werden die Preise am Terminmarkt manipuliert – übrigens auch durch die US-Notenbank Federal Reserve, wie der Investor und Autor Dimitri Speck in seinem Buch „Geheime Goldpolitik – warum und wie die Zentralbanken den Goldpreis steuern“ nachgewiesen hat.

Gold und Silber können durchaus gemeinsam mit Aktien steigen

Wenn Gold und Silber nun Gradmesser für die Investorenlaune sind, stellt sich die Frage, warum es in den vergangenen Monaten sowohl bei Edelmetallen als auch an den Aktienmärkten aufwärts ging. Für mich ist das kein Widerspruch, sondern folgerichtig: In unsicheren Zeiten setzen Anleger auf Sachwerte – dazu gehören auch Aktien. Denn nur so lässt sich Kaufkraft sichern. Hinzu kommt: An der Börse werden Zukunftserwartungen gehandelt. Die Kursentwicklung läuft der tatsächlichen wirtschaftlichen Lage häufig voraus und spiegelt nicht zwingend die aktuelle Situation wider. Dass Gold und Aktien zeitweise parallel steigen, ist daher weniger ungewöhnlich, als viele denken.

Gold ist Stabilitätsbaustein, Silber die volatilere Ergänzung

Die jüngsten Schwankungen laufen aus meiner Sicht auch dem Ruf von Gold und Silber als Stabilitätsanker nicht zuwider. Man muss die Rollen sauber trennen. Gold ist der Stabilitätsbaustein, Silber die volatilere Ergänzung. Gold wird dadurch interessant, dass es knapp ist und nicht beliebig vermehrbar – anders als Fiat-Geld. Die Geldmenge ist sowohl im Euroraum als auch in den Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahren deutlich stärker gewachsen als die Gütermenge. Das führt langfristig zu Kaufkraftverlust. Oft heißt es: Der Goldpreis steigt. Man kann es auch anders sehen: Die Kaufkraft des Geldes sinkt – und Gold spiegelt das wider. Silber kann ebenfalls eine Schutzfunktion bieten, trägt aber aufgrund seiner industriellen Nutzung zusätzlich eine ausgeprägte zyklische Komponente und damit deutlich größeres Schwankungspotenzial.

Blick nach vorn: Goldene Zeiten für das gelbe Edelmetall – wenn auch mit zeitweisen Kratzern Mit Blick nach vorn gehe ich davon aus, dass der Goldpreis weiter steigen wird. Denn zum einen wird die Geldmenge weiter zunehmen, zum anderen bauen internationale Notenbanken ihre Goldbestände seit Jahren aus – ein Trend, der anhalten dürfte. Insbesonders viele Schwellenländer möchten unabhängiger vom US-Dollar werden. Natürlich sind temporäre Rücksetzer jederzeit möglich. Langfristig bleibe ich jedoch optimistisch.

Manche Vermögensverwalter haben noch Nachholbedarf

Auffällig ist, wie wenige Vermögensverwalter trotz der jüngsten Preisbewegungen in Gold engagiert sind. Manche verzichten grundsätzlich auf das Edelmetall, weil es keine laufenden Erträge abwirft und der Preis lange Zeit auf der Stelle trat. Bei anderen hat – auch durch Druck von Kundenseite – ein Umdenken eingesetzt. Wer ein Investment in Gold auf- oder ausbauen will, hat verschiedene Möglichkeiten: Maximalen Schutz bieten physische Barren. Wer die Preisentwicklung effizient abbilden will, kann physisch besicherte ETFs nutzen. Wichtig dabei ist: Der Verleih der Bestände sollte explizit ausgeschlossen sein, um keine zusätzlichen Risiken in den Sicherheitsbaustein zu holen. Eine weitere Möglichkeit sind Minenaktien. Das Angebot ist vielfältig. Ich bevorzuge hier statt klassischer Minenbetreiber Royalty-Unternehmen: Diese finanzieren Minenprojekte und erhalten dafür vertraglich gesicherte Ansprüche auf Erlöse – meist als Umsatzbeteiligung (Royalty) oder als Streaming-Rechte, also die Möglichkeit, einen Teil der Produktion zu festen beziehungsweise rabattierten Konditionen abzunehmen.

EIn Gastbeitrag von Dr. Holger Schmitz, SCHMITZ & PARTNER AG.