Umfrage zur Reform der privaten Altersvorsorge
02.04.2026

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Mit der Verabschiedung der Reform der privaten Altersvorsorge hat der Gesetzgeber zentrale Weichen neu gestellt. Finanzwelt hat bei fünf Versicherern nachgefragt: Wie bewerten Sie die beschlossenen Maßnahmen? Was ist gelungen, wo sehen Sie weiterhin Nachbesserungsbedarf? Und welches Potenzial ergibt sich daraus für Ihr Unternehmen?
Hier die Statements von Dr. Jürgen Bierbaum, Vorstand der Alte Leipziger Lebensversicherung a.G, Martin Gräfer, Vorstandsmitglied die Bayerische, Dr. Guido Bader, Vorstandsvorsitzender der Stuttgarter, Stefanie van Holt, Vertriebsvorständin der Volkswohl Bund Versicherungen und Thomas Heß, Marketingchef und Organisationsdirektor WWK Versicherungen.
Dr. Jürgen Bierbaum, Vorstand der Alte Leipziger Lebensversicherung a.G.

Dr. Jürgen Bierbaum, Vorstand der Alte Leipziger Lebensversicherung a.G. Foto: © Alte Leipziger
Es ist begrüßenswert, dass die Reform der privaten Altersvorsorge nicht weiter vertagt wird, sondern zum Abschluss kommt. Im Grundsatz begrüßen wir sie und setzen uns bereits intensiv mit den Auswirkungen auseinander. Die Reform ermöglicht das Angebot chancenreicherer Produkte und vereinfacht die Förderung. Auch die Einbeziehung von Selbständigen ist ein wichtiger und sinnvoller Schritt. Allerdings sind noch wichtige Details offen, z.B. bei der Umsetzung von Standardprodukten.
Es ist positiv, dass Kunden künftig mehr Wahlmöglichkeiten haben. Gleichzeitig bleiben Garantien und Sicherheit für viele ein zentraler Aspekt. Entscheidend ist, dass Altersvorsorge ein lebenslanges und verlässliches Einkommen absichern sollte. Reine Entnahmepläne, etwa bis zum Alter von 85 Jahren, reichen dazu nicht aus. Um Altersarmut zu vermeiden, sind lebenslange und stabile Rentenzahlungen notwendig. Auch Beratung bleibt unverzichtbar. Kunden müssen die Unterschiede der Produktvarianten verstehen, insbesondere auch bei bestehenden Verträgen, und wissen, welche Auswirkungen es auf den bisherigen Vertrag hat, wenn ein neuer geförderter Vertrag abgeschlossen wird.
Ein staatliches Standardprodukt sehen wir dagegen kritisch. Einerseits ist dieses unnötig und volkswirtschaftlich ineffizient, weil es künftig mit einem Kostendeckel versehene Standardprodukte geben wird. Andererseits verzerrt es den Wettbewerb, wenn der Staat zum Marktakteur wird. Auf jeden Fall müsste aber sichergestellt werden, dass das staatliche Produkt und sein Träger dieselben regulatorischen Anforderungen erfüllen wie alle anderen Marktteilnehmer.
Martin Gräfer, Vorstandsmitglied die Bayerische

Martin Gräfer, Vorstandsmitglied die Bayerische Foto: © die Bayerische
Die Reform der privaten Altersvorsorge kommt nicht zu früh, sie kommt im Grunde zu spät. Wir haben es längst mit einer strukturellen Vorsorgelücke zu tun: zu geringe Kapitalmarktbeteiligung, zu wenig Rendite, zu viel Komplexität. Dass jetzt Bewegung entsteht, ist richtig und überfällig. Mehr Kapitalmarkt, mehr Transparenz, weniger Komplexität, das sind Fortschritte. Auch neue, einfachere Angebote sind ein Schritt in die richtige Richtung. Aber die Reform bleibt an entscheidenden Stellen zu kurz. Denn die Debatte dreht sich vor allem um Produkte, Kosten und Standardmodelle. Die zentrale Frage gerät dabei aus dem Blick: Reicht das am Ende wirklich? Ein günstiges Produkt ist noch keine gute Vorsorge. Ein einfaches Modell ersetzt keine Strategie. Und ein staatliches Standardprodukt schafft noch keinen nachhaltigen Vermögensaufbau.
Besonders kritisch ist der Umgang mit dem Langlebigkeitsrisiko. Wenn Auszahlungsmodelle faktisch nur bis etwa 85 reichen, wird das größte Risiko im Alter nicht gelöst, sondern vertagt. Genau hier zeigt sich der Unterschied zwischen Kapitalanlage und echter Vorsorge. Für uns als Versicherer liegt genau darin auch das Potenzial: Unsere Stärke ist es, Kapitalanlage mit echter Risikotragung zu verbinden und langfristig verlässlich zu liefern. Es braucht ein echtes Umdenken, weg vom Produkt, hin zur dauerhaften Leistungsfähigkeit. Der Vertrieb wird sich schneller und konsequenter auf neue Rahmenbedingungen einstellen müssen. Das ist herausfordernd, aber machbar. Die Branche hat sich immer wieder angepasst und wird es auch diesmal tun.
Dr. Guido Bader, Vorstandsvorsitzender der Stuttgarter

Dr. Guido Bader, Vorstandsvorsitzender der Stuttgarter. Foto: © Stuttgarter
Die nun vorliegende Reform ist weniger ein großer Wurf als vielmehr eine in weiten Teilen sinnvolle Ergänzung des bestehenden Systems. Sie wird den Markt nicht neu ordnen, aber sie setzt relevante Impulse. Neu ist vor allem, dass ein einfaches, kostengedeckeltes Standardprodukt geschaffen wird. Der Kostendeckel von einem Prozent ist aus unserer Sicht von der Versicherungsbranche darstellbar – und wir werden ein solches Produkt auch anbieten. Wir sehen hierin aber kein nennenswertes Marktpotenzial.
Gleichzeitig darf man aber die Kehrseite nicht ausblenden: Starke Standardisierung und enge Kostenrahmen gehen zwangsläufig zulasten von Beratung und Vertrieb. Für Makler wird das Standardprodukt daher nicht attraktiv sein. Das spricht dafür, dass flexible, beratungsintensive Lösungen, insb. das Altersvorsorgedepot mit einer 80% Garantie und einer breiten Fondsauswahl, künftig die tragende Rolle spielen werden – überall dort, wo individuelle Bedürfnisse, breitere Anlagemöglichkeiten und persönliche Begleitung gefragt sind.
Über Nachbesserungen im Gesetz zu diskutieren, führt jetzt kaum weiter. Die entscheidenden Fragen verlagern sich auf die nachgelagerten Verordnungen, insbesondere zur konkreten Ausgestaltung des Standardprodukts. Kritisch sehe ich jedoch, dass der Staat selbst als Produktgeber des Standardprodukts auftreten soll. Das ist ordnungspolitisch zumindest fragwürdig. Allerdings erwarte ich hier keine kurzfristig relevante Konkurrenz: Der Aufbau der notwendigen Infrastruktur wird Zeit brauchen. Unterm Strich ist die Reform ein Schritt in die richtige Richtung – aber kein Selbstläufer. Entscheidend bleibt, dass wirtschaftlich tragfähige, beratungsstarke Vorsorgelösungen weiterhin möglich sind.
Stefanie van Holt, Vertriebsvorständin der Volkswohl Bund Versicherungen

Stefanie van Holt, Vertriebsvorständin der Volkswohl Bund Versicherungen. Foto: © Volkswohl Bund
Wir begrüßen es, dass die Regierung neue geförderte Möglichkeiten schafft, um privat für den Ruhestand vorzusorgen. Die Reform ermöglicht einen Neustart im Umgang mit einem zentralen Zukunftsthema. Sie ist wichtig, damit die Bereitschaft der Bürger noch größer wird, zusätzlich zur gesetzlichen und betrieblichen Rente eine private Rentenversicherung abzuschließen.
Auch wenn wir insbesondere die Konkurrenz durch ein staatlich getragenes Standardprodukt kritisch sehen, betrachten wir die Reform insgesamt als Chance. Sie schafft neue Beratungsanlässe und bringt die private Altersvorsorge beim Kunden wieder stärker in den Fokus. Wir werden unsere Vertriebspartner direkt zum Start Anfang nächsten Jahres mit neuen, überzeugenden Produkten unterstützen.
Thomas Heß, Marketingchef und Organisationsdirektor WWK Versicherungen

Thomas Heß, Marketingchef und Organisationsdirektor WWK Versicherungen Foto: © WWK
Die WWK steht seit Beginn der geförderten privaten Altersvorsorge im Jahr 2002 als verlässlicher Anbieter an der Seite von Kunden und Vermittlern. Wir stimmen nicht ein in den medialen Abgesang auf die Riester-Rente: Knapp 15 Mio. Verträge belegen eine beachtliche Verbreitung. Unsere Bestandsverträge zeigen zudem, dass auch bisher attraktive Renditen bei voller Beitragsgarantie mittels iCPPI-Motor erzielbar waren. Davon profitieren unsere Kunden bis heute und werden dies auch künftig tun. Die geplante Reform bewerten wir grundsätzlich positiv. Die Flexibilisierung der Garantievorgaben eröffnet Raum für noch stärkeres Fondsinvestment. Auch die neue Auszahlphase bringt mehr Wahlfreiheit, allerdings mit der Konsequenz, dass das angesparte Kapital vor dem eigenen Ableben aufgebraucht sein kann. Positiv bewerten wir zudem die vereinfachte Fördersystematik sowie die Einbeziehung der Selbständigen.
Kritisch sehen wir hingegen den Vorschlag eines staatlich organisierten Standardprodukts. Wenn der Staat zugleich Regulierer und Anbieter ist, entsteht ein ordnungspolitisch fragwürdiger Zielkonflikt. Ein funktionierender Markt braucht faire Rahmenbedingungen und echten Wettbewerb. Das verpflichtende Standarddepot mit einem Kostendeckel von 1,0% verdeutlicht zudem den starken Fokus auf Kosten. Das wird der komplexen Materie Altersvorsorge nicht gerecht. Entscheidender sind ertragsstarke, flexible Anlagemöglichkeiten und eine kompetente Beratung, die eine angemessene Vergütung rechtfertigt. Die zentrale Herausforderung wird sein, neue Förderprodukte auch für Vermittler attraktiv zu gestalten.
Ab 2027 werden wir als WWK mit Premium-Angeboten am Markt sein, die unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden, mit und ohne Garantiekomponenten, lebenslangen Rentenversprechen sowie mit einer breiten Auswahl chancenreicher Investments. (mho)

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