Wird Europa zum Liebling der Anleger?

29.05.2024

Marko Behring. Foto: Fürst Fugger Privatbank

Viele Augen waren in der vergangenen Woche auf Nvidia gerichtet – und der Chiphersteller hat geliefert. Die starken Nvidia-Ergebnisse gaben den Tech-Aktien Schub, doch nicht gleichzeitig auch allen anderen: Small-Caps und der Dow Jones hatten das Nachsehen, wobei den Dow Schwächen im Transportsektor, bei Banken und im Energiesektor belasteten. Insbesondere der schwache Transportsektor könnte ein Indikator dafür sein, dass die US-Wirtschaft langsam beginnt, sich abzukühlen. Für Marko Behring, Leiter Asset Management der Fürst Fugger Privatbank jedoch noch kein Grund zur Sorge: „Aktuell ist in den USA noch alles im Rahmen. Der Arbeitsmarkt zeigt zwar leichte Anzeichen einer Abkühlung, aber erweist sich noch als robust.“

Sowohl im verarbeitenden Gewerbe als auch im Dienstleistungssektor in den USA seien die Einkaufsmanager nach wie vor optimistisch. Auch hier gebe es also noch kein Warnsignal, meint Behring: „Wir sehen zwar erste kleine Anzeichen, dass es im zweiten Halbjahr konjunkturell etwas ruhiger laufen dürfte, das sind aber noch keine Rezessionssignale“, so Behring.

Das nahende Ende des ersten Halbjahrs vor Augen, laute die Gretchenfrag für Anleger nun, ob es sich noch lohne, einzusteigen. Schließlich seien gerade die US-Tech Titel schon sehr gut gelaufen und entsprechend hoch bewertet. Für Marko Behring hieße das zwar noch nicht, dass die Rally kurz vor ihrem Ende stehen würde, aber dennoch könne es nicht schaden, sich auch woanders umzusehen: „Es lohnt sich ein Blick nach Europa. Die Bewertungen sind durch die Bank günstiger und der Markt scheint aufzuholen.“

Während der Dow Jones dieses Jahr nur knapp über 3 Prozent habe zulegen können, seien es beim DAX immerhin 11 Prozent gewesen. Das sei den Anlegern nicht verborgen geblieben. Ein Blick in das restliche Europa zeige, dass die Aktienmärkte auf dem alten Kontinent dieses Jahr generell alles andere als schlecht liefen: der italienische FTSE MIB plus 13 Prozent, der spanische IBEX 35 plus 11 Prozent und der FTSE 100 in UK plus 7 Prozent. Besonders auffällig: der Euro Stoxx Technology Index, ein Subindex der europäische Technologieaktien umfasst, liege dieses Jahr mehr als 20 Prozent im Plus.

Marko Behring: „Auf einmal läuft auch Euro-Tech. Auch die über Jahre hinweg gemiedenen europäischen Banken sind plötzlich gefragt wie lange nicht mehr.“ Der DAXsector Banks Index, notiere dieses Jahr knapp 40 Prozent im Plus. Sein Fazit: „Die US-Börsen sind schon relativ heiß gelaufen und es lohnt sich definitv ein Blick auf die europäischen Märkte. Auch wenn die Kurse in diesem Jahr schon angezogen haben, gibt es im Vergleich zu den USA immer noch günstige Titel, die noch weiteres Nachholpotential vermuten lassen.“