2025 – Kapitalmärkte zwischen Geopolitik und Geldpolitik
05.01.2026

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Trotz der anhaltenden geopolitischen Belastungen durch den Ukraine- und Gaza-Krieg, den Handelskonflikt zwischen den USA und China, gekoppelt mit einer eher dysfunktionalen US-Außen- und Handelspolitik, haben sich gut diversifizierte Depots im Durchschnitt das dritte Jahr in Folge positiv entwickelt.
Allerdings konnten Anleger, die „US-Big-Tech“ oder Goldinvestments übergewichtet hatten und absichtlich oder zufällig auf Diversifikation verzichteten, deutlich höhere Renditen generieren. Störend wirkten sich die Effekte des „Liberation Day“ und die deutliche Abschwächung des US-Dollars für alle europäischen Investoren aus. Die Leitwährung verlor in diesem Jahr ca. zehn Prozent gegenüber dem Euro.
Die amerikanische Außen- und Innenpolitik, gekoppelt mit einem permanenten Druck auf die US-Notenbank Fed, führten zu einer großen Verunsicherung, insbesondere bei ausländischen Unternehmen und Investoren. Die (späte) Rating-Herabstufung für US-Staatspapiere durch das Analysehaus Moody’s ist insbesondere für internationale Anleiheinvestoren eine Warnung. Jetzt bewerten alle drei großen Ratinghäuser die USA nicht mehr mit einem Toprating, was zu einem Renditeanstieg von US-Staatsanleihen führt.
Bei einem Haushaltsdefizit von ca. sieben Prozent sind höhere Renditen problematisch, da der Schuldendienst ansteigt. Auch deshalb, weil in diesem Jahr Staatsanleihen in einem Volumen von ca. neun Billionen US-Dollar refinanziert werden müssen.
Vertrauen in Leitwährung sinkt
Einige Parameter signalisieren, wie es um das Vertrauen in eine Volkswirtschaft steht. Meist geht es um die Entwicklung zu anderen relevanten Währungen, die Rendite langfristiger Staatsanleihen und Preisveränderungen sogenannter Reservewährungen bzw. „sicherer Häfen“, wie beispielsweise Edelmetalle.
In Bezug auf die USA kann man beispielsweise folgende Segmente betrachten:
- Währungsentwicklung (US-Dollar zum Euro: minus zwölf Prozent)
- Goldpreis als „sicherer Hafen“ (plus 60 Prozent in US-Dollar)
- Rendite zehnjähriger bzw. 30-jähriger US-Staatsanleihen (4,15 / 4,80 Prozent, etwas niedriger als zu Jahresanfang)
Dollarschwäche könnte anhalten
Im Moment ist auch nicht zu erkennen, dass sich das Vertrauen in die USA bessert. Im Gegenteil: Die Auftritte des amerikanischen Präsidenten Ende September bei der UN und bei Vertretern der US-Streitkräfte boten Signale von peinlich über verstörend bis hin zu extrem autokratisch. Die Kombination aus Skrupellosigkeit und Unzuverlässigkeit wirkt sich fast ausschließlich gegenüber Geschäftspartnern und Verbündeten aus. Insbesondere die erratische Außen- und Wirtschaftspolitik macht eine seriöse Planung für langjährige Vertragspartner praktisch unmöglich.
Die USA stehen – global gesehen – volkswirtschaftlich immer noch gut da. Sie verfügen über Innovationskraft, verlässliche Energiepreise im Inland und technisches Know-how. Doch durch die aktuelle „Wirtschaftspolitik“ sind Investoren zurückhaltender; zudem gibt es Zweifel an der Rechtsstaatlichkeit der USA. Außerdem ist ein schwächerer Dollar ausdrücklich von der US-Regierung gewünscht. Hier folgt man dem einfachen Narrativ, dass die US-Industrie im mittleren Westen – wo es traditionell viele republikanische Wähler gibt – durch einen festen Dollar zerstört wurde. Einfache Logik: Schwacher Dollar = Industrie kehrt zurück.
Dem Durchschnittsamerikaner ist ein schwacher Dollar weniger wichtig, da man eher im eigenen Land oder in angrenzende Länder reist, in denen der Dollar akzeptiert wird. Zudem werden relevante Güter und Rohstoffe weiterhin in Dollar bezahlt. Der Wechsel an der Fed-Spitze wird wahrscheinlich dazu führen, dass ein regierungstreuer Chairman übernimmt und die Geldmarktsätze überproportional absenkt. Es ist daher möglich, dass sich der US-Dollar weiter abschwächt.
Depotanpassungen erforderlich?
Europäische Anleger sollten daher prüfen, wie hoch die „Dollar-Quote“ im Portfolio ist. Insbesondere „Index-Fans“, die in den MSCI World, den Nasdaq oder den S&P 500 investieren, sollten berücksichtigen, dass das Dollar-Exposure hier bei 70, 90 bzw. 100 Prozent liegt. Für deutsche bzw. europäische Investoren kann ein Blick auf den öffentlich-rechtlichen deutschen KENFO-Fonds und den norwegischen Staatsfonds hilfreich sein, die mit „Dollar-Quoten“ von ca. 35 bzw. 50 Prozent über alle Anlageklassen hinweg investiert sind.
Eine weitere Dollarabschwächung wirkt sich dann nicht ganz so stark aus wie bei internationalen Standardindizes. Der Blick kann sich zukünftig etwas mehr auf Europa, Asien und Schwellenländer richten, zumal letztere von einem schwächeren Dollar profitieren. Strukturelle Trends – allen voran in den Bereichen Technologie, kritische Rohstoffe, Infrastruktur, Gesundheit und wachsender Konsum in Asien – können Chancen für langfristige Anleger bieten.
Anleihen nicht vergessen
Ein stabiler Rentenanteil gehört ebenfalls in ein Portfolio. Im europäischen Bereich finden sich weiterhin interessante Renditen in den Laufzeitbereichen von zwei bis fünf Jahren, auch wenn die Zinssenkungsfantasie etwas abgeklungen ist (fallende Zinsen = steigende Kurse). Hier sind – je nach Bonität und Laufzeit – Renditen von vier bis 5,50 Prozent jährlich möglich. Insbesondere aktiv gemanagte Laufzeitfonds können relativ stabile Renditebeiträge liefern.
Immobilienmarkt weiter schwierig
Dagegen bleiben Immobilieninvestitionen für die Durchschnittsbevölkerung anspruchsvoll. Benötigte man für eine durchschnittliche Immobilienfinanzierung im Jahr 2015 noch etwa 15 Jahre, sind es heute rund 28 Jahre. Die lange Phase niedriger Zinsen und die geringe Bautätigkeit sind hierfür verantwortlich. Niedrige Zinsen führen fast immer zu einer „Vermögensinflation“ (Aktien- und Immobilienpreise steigen). Daher ist auch in den Ballungsgebieten nicht mit sinkenden Mieten zu rechnen.
Anleger, die bereits über Immobilieneigentum verfügen, sollten nicht zusätzlich in „Immobilienwertpapiere“ (Immobilienfonds, REITs und Immobilienaktien) investieren, da Immobilien bereits einen hohen Anteil am Gesamtportfolio einnehmen.
Früh mit Sparplänen anfangen
Junge Menschen haben die Zeit auf ihrer Seite und sollten – unabhängig von staatlicher Förderung – frühzeitig mit der Altersvorsorge beginnen. Ist man berufstätig oder beginnt gerade eine Ausbildung, sollte man die Möglichkeiten des Fünften Vermögensbildungsgesetzes nutzen und einen Vertrag über vermögenswirksame Leistungen abschließen – unabhängig davon, wie hoch die Zuzahlungen des Arbeitgebers sind. Ich bevorzuge hier grundsätzlich das Fondssparen.
Lesen hilft
Ich weiß, dass die Neigung, „ganze Bücher“ zu lesen, deutlich abgenommen hat. Für Einsteiger und interessierte Investoren ist das Buch des Fondsmanagers Dr. Robert Velten „Kapital-Stärke“ aus dem Wiley-Verlag dennoch sehr empfehlenswert. In verständlicher Sprache und anhand von Praxisbeispielen wird veranschaulicht, was man besser nicht macht, wie wichtig echte Diversifikation ist und wie sich psychologische Effekte auf unser Anlageverhalten auswirken. Die überarbeitete Auflage von „Poor Charlie’s Almanack – Die Kunst der klugen Gedanken“ vom NEXT LEVEL Verlag verbindet rationale Investitionsgedanken mit dem Gebiet der Psychologie und mahnt zu permanenter Weiterbildung. Wertvolle Anekdoten, Leitsätze und Vorträge von Charlie Munger inklusive.
Diese beiden Bücher bringen einen interessierten Anleger weiter als der Großteil der „Finfluencer“ zusammen. Ich bedanke mich für Ihr Interesse und wünsche Ihnen für das neue Jahr alles Gute und Optimismus.

Ein Beitrag von Andreas Görler, Senior Wealth Manager, zert. Fachmann für nachhaltige Investments, Pruschke & Kalm GmbH – Wellinvest, Berlin

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